Handy-Diebstahl treibt die Kriminalstatistik nach oben
Das britische Innenministerium meldet einen enormen Anstieg von Handy-Diebstählen und -Raubüberfällen, bei Tätern und Opfern handelt es sich meist um männliche Kinder und Jugendliche
Handys ermöglichen nicht nur eine permanente Kommunikation und Erreichbarkeit, sie sind als kleine und teure Hightech-Geräte auch Statussymbole geworden, die sich leicht auf offener Straße entwenden lassen. Mit der Verbreitung der Handys ist in Großbritannien auch der Diebstahl der Handys sprunghaft angestiegen, was die Polizeiliche Kriminalstatistik in die Höhe treibt. Meist sind die Täter Jugendliche, oft gehören sie Gangs von Schwarzen an und ihre Opfer sind in der Regel männliche weiße Jugendliche. Über die in Holland eingesetzte Methode, gestohlene Handys mit Textbotschaften zu bombardieren, machen sich junge Straftäter nur lustig (Die Polizei als Handy-Spammer).
40 Millionen Briten haben mindestens ein Handy, das sie aber auch in Gefahr bringen kann. Jeden Monat werden in Großbritannien 15.000 Handys gestohlen. Bei der Hälfte aller Diebstähle auf offener Straße in London geht es um Handys. Nach einem Bericht des britischen Innenministeriums, der heute veröffetnlicht wird, wurden letztes 710.000 Handys gestohlen. Das wäre doppelt so viel wie die Angaben der offiziellen polizeilichen Statistik der Diebstahlsmeldungen. Betroffen sind offenbar vornehmlich Kinder und Jugendliche. Man schätzt, dass eine halbe Million der gestohlenen Handys von Kindern zwischen 11 und 15 Jahren stammen. In England ist der Anteil bei Raubüberfällen, bei denen es um Handys ging, von 8 Prozent vor zwei Jahren auf 28 Prozent in den Jahren 2000 und 2001 angestiegen. Im Stadtbereich von London liegt die Zahl bereits bei 36 Prozent.
Der Anstieg der Handy-Diebstähle ist politisch unerwünscht, da dadurch die Zahl der Verbrechen zunimmt, die ansonsten nach unten zeigen würde. Manchmal gibt es bei Raubüberfällen auch Verletzte oder gar Tote. Am ersten Januar wurde in London eine 19jährige Frau wegen ihres Handys ermordet. Das britische Innenministerium versucht seit einiger Zeit die Hersteller dazu zu bringen, die Handys gegen Diebstahl besser abzusichern, indem bei Meldung der IMEI-Nummer (International Mobile Equipment Identity) der Account gesperrt wird. Bei Virgin, One to One und Orange würde dies nach Auskunft des Innenministeriums bereits funktionieren, doch BT Cellnet und Vodafone weigern sich mitzumachen, weil wegen der schnellen Innovationsrate der Aufwand nicht lohne. Die Regierung überlegt zwar, dies über Gesetze zu erzwingen, aber das sei nur der letzte Ausweg. Möglicherweise kommt die steigende Diebstahlsquote den Herstellern nicht ganz unerwünscht, garantiert sie doch auch einen anhaltenden Umsatz durch den Verkauf neuer Geräte.
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Betroffen von Handy-Raub und -Diebstahl sind vornehmlich junge männliche Handy-Besitzer. Auch die Täter sind männlich. In London sind 90 Prozent der Straftäter männlich, zwei Drittel sind unter 18 Jahre alt, ein Drittel 15 und 16 Jahre alt. Problematisch dürften aber weitere Einzelheiten werden, denn besonders in London sind die Straftäter überwiegend schwarze Jugendliche (71 Prozent). Auch in anderen Regionen wie Avon oder Somerset stellen sie mit 40 Prozent einen hohen Anteil. Die überwiegende Mehrheit der Opfer sind hingegen wenig verwunderlich Weiße. An zweiter Stelle folgen Asiaten.
Über die Möglichkeit, gestohlene Handys nach dem Vorbild der Polizei in Amsterdam mit SMS-Botschaften zu bombardieren, lachen die jugendlichen Straftäter nur. Die holländische Polizei schickt an gestohlene Handys während 24 Stunden alle drei Minuten eine SMS mit dem Text: "Dieses Handy ist gestohlen. Kauf und Verkauf sind verboten. Geben Sie das Gerät bei der Polizei ab." Damit werden die Handys für kurze Zeit blockiert, auch eine neue SIM-Karte nutzt nichts. Angeblich seien durch diese Maßnahme die Handy-Diebstähle in Amsterdam 2001 um die Hälfte zurück gegangen. Das holländische Innenministerium will diese Maßnahme jetzt im ganzen Land praktizieren, die aber auch Geld kostet. Bezahlt wird das verschicken der SMS von der Polizei. An den Kosten aber ist bislang die Übernahme dieser Maßnahme in Großbritannien gescheitert, da hier die Regierung will, dass sie von den Unternehmen übernommen werden. Die im Bericht befragten Jugendlichen der "Feltham boys" sagten allerdings, dass sie einfach ein neues Handy stellen würden, wenn das zuvor entwendete von der Polizei bombardiert würde.
Und interessant sind natürlich auch die Sicherheitstipps, die gegeben werden, um einen Diebstahl zu verhindern. Natürlich soll man die PIN-Nummer verwenden und sich möglichst die IMEI-Nummer merken. Aber es wird auch empfohlen, Handys nicht mehr draußen, vor allem nicht an belebten Orten wie Bahnhöfen, Kinos oder Theatern und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu benutzen. Nachts sollte man möglichst nicht im Freien telefonieren, höchstens mit einem Handfree-Set. Gut wäre es auch, Handys nicht mehr klingeln zu lassen. Besonders unaufmerksam auf seine Umgebung ist man bei der Eingabe von SMS, weswegen man dies auch in der Öffentlichkeit unterlassen sollte. Damit würden zugunsten der Sicherheit natürlich einige der Attraktionen der Handy-Benutzung erheblich eingeschränkt werden. Auch das Tragen von Smart-Clothes und das Mitführen ähnlicher Dinge zur mobilen Kommunikation könnte durch das mit dem Wert steigende Risiko, zum Opfer einer Straftat zu werden, eine Einbuße erleiden, bevor es richtig gestartet ist (You'll never walk alone). Billige Wegwerf-Handys aber sind aus anderen Gründen beim Schutz der Inneren Sicherheit nicht so erwünscht (Schöne Bescherung !).
http://www.heise.de/tp/artikel/11/11510/1.html- Zum telefonieren zu teuer! (9.1.2002 15:26)
- SMS Spma und Diebstahlschutz ausbauen ! (9.1.2002 15:01)
- Effizienz (9.1.2002 13:51)
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