Monster in der Tiefe

Cecilia Schreiber 12.01.2002

Tintenfische von gigantischem Ausmaß sind in den Weltmeeren beobachtet worden

Die neu entdeckte Gruppe lebt 2000 Meter unter der Oberfläche, misst sieben Meter und hat übermäßig lange Tentakel.

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Jules Verne hat es bereits beschrieben: "20.000 Meilen unter den Meeren" leben sie, die Cephalopoden, oder einfach "Tintenfische". Inzwischen wissen wir, daß die von Menschen beäugten Tiefen, bisher etwa 5.000 Meter, ihr Lebensraum sind. In Science sind acht Beobachtungen zusammenfassend beschrieben worden. Die erste Mitteilung stammt vom September 1988, die letzte vom Mai 2001. Das Besondere und der Auslöser für den neuesten Bericht: William Sager, als Ozeanograph für eine Ölgesellschaft im Golf von Mexiko tätig, hat die in 2 km Tiefe entdeckten Kreaturen nicht nur gesehen und nicht nur photographiert, sondern zusätzlich auf Videoband aufgenommen. So gibt es das Szenarium wie im Science Fiction Film: ein blasses, aufrecht auf seinen Beinen stehendes Ungetüm gerät in die Scheinwerfer des Tauchboots, wundert sich, und anders als bei Jules Verne, trollt es sich unter kräftigen Pumpbewegungen des Körpers. Die Arme, zehn an der Zahl, ragen vom Leib senkrecht nach außen und knicken dann in die Tentakeln ab - als handele sich um Oberarme mit Ellenbogengelenken. Die Arme sind 10mal länger als der Körper - ebenfalls eine bisher noch unbekannte Variante.

Unter Leitung von Michael Vecchione vom National Museum of Natural History in Washington kommen die Autoren zum Schluss, dass es sich um erwachsene Tiere aus der Gruppe der Magnapinnidae handelt. Damit sind Tintenfische mit überlangen Tentakeln gemeint. Die neu entdeckte Spezies, so hoch wie ein Einfamilienhaus, ist zwar ungleich größer als die uns vertrauten Gruppen der Cephalopoden und das, was für den Feinschmecker auf den Tisch kommt. Dennoch sind es keineswegs die mächtigsten Tiere ihrer Art. Die größten bisher bekannte Kraken erreichen mehr als das Doppelte, nämlich 18 Meter Gesamtlänge. Deren Körper ist füllig und passt besser zur Beschreibung von Jules Verne. Wie Stabilität, Beweglichkeit und Orientierun g in diesen Tiefen funktionieren, und welche Beute bei völliger Dunkelheit umherzieht, ist unerforscht.

Wird der Artikel Signalwirkung haben? Die Beobachtungen wurden allesamt zufällig gemacht, weil es andere Fragestellungen waren, die in die Tiefe der Meere geführt hatten. Noch weiß niemand, welchen Lebensraum systematische Untersuchungen aufdecken werden. Immerhin nehmen die Ozeane, die für die Cephalopoden als Lebensrevier in Frage kommen, zwei Drittel der Erde ein. Mit den Worten von Michael Vecchione: "These are large, common, highly visible animals in the largest ecosystem on Earth, and we know absolutely nothing about them."

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11541/1.html
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