Enrongate

18.01.2002

The WTC Conspiracy XXXI

Die tragische Geschichte von John O'Neill, dem obersten Terroristenjäger der USA, der aus Frustration über die Behinderungen seiner Fahndung nach Bin Ladin seinen Job kündigte und im World Trade Center umkam, schlägt mittlerweile auch in den USA Wellen. Selbst CNN sah sich genötigt, auf diesen Fall und das Buch von Jean-Charles Brisard und Guillaume Dasquie: Bin Laden - la verite interdite, das ihn enthüllte, einzugehen.

Der Experte, den CNN dazu befragte, der ehemalige UN-Waffeninspektor und jetzige Angestellte des Rockefeller-Instituts "Council on Foreign Relations", Richard Butler, brachte keine besondere Mühe auf, die Thesen des Buchs abzulehnen oder zu kritisieren. Das ist desto erstaunlicher, als Brisard und Dasquie u.a. unter Berufung auf John O'Neill behaupten, dass eine mögliche Gefangennahme Bin Ladins verhindert wurde, um amerikanische Öl-Interessen nicht zu gefährden. So wurden O'Neill und seine FBI-Fahnder nach den Anschlägen auf die US-Kaserne in Saudi-Arabien und auf das US-Schlachtschiff "Cole" davon abgehalten, dort und im Jemen nach den Tätern zu fahnden. Und während der Pipeline-Verhandlungen mit der Taliban-Regierung soll deren Angebot einer möglichen Auslieferung Bin Ladins von den US-Vertretern abgeschlagen worden sein - weil die Afghanen in diesem Fall einer höhere Beteiligung an den Pipeline-Gewinnen verlangten. Butler meint im CNN-Interview dazu ziemlich lakonisch:

"Da haben wir das Öl, und das ist eine fundamentale Sache. Diese grundlegende Realität sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten repräsentiert 5% der Weltbevölkerung und verbraucht 40% des Öls der Welt. Deshalb ist Öl eine so wichtige Sache... und es gibt bedeutende Ölvorräte in Zentralasien und der beste Weg, sie ans Meer zu bekommen, wäre eine Pipeline durch Afghanistan zu bauen. Das ist das Netz, und ich glaube, uns werden nicht alle Fakten berichtet. Es wird abgestritten, behauptet, dass bestimmte Treffen nicht stattgefunden haben, obwohl sie tatsächlich stattfanden. Die interessanteste Sache, die diese französischen Autoren berichten, ist, dass sie Archive einsehen konnten. Wir konnten ihren Akzent nicht genau verstehen, aber ich weiß, was das bedeutet: sie hatten Zugang zu Aufzeichnungen diplomatischer Gespräche."

Doch selbst ohne Einblick in Diplomatenprotokolle lässt sich mittlerweile feststellen, dass die Agenda des sogenannten "war on terror" in Afghanistan letztlich aus zwei Buchstaben besteht: Öl! Der auf dem Bonner Petersberg zum Chef der afghanischen Interimsregierung ernannte Hamid Karsai fungierte bei den Pipeline-Verhandlungen mit den Taliban als Berater im Auftrag des US-Konzerns Unocal (Quelle: Le Monde, 5.12.2001). Auch der neue US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, der Anfang Januar in Kabul eintraf, stand jahrelang ebenfalls auf der payroll des multinationalen Öl-Riesen in Houston. Khalilzad, in Kabul geborener US-Bürger, diente unter Bush Senior als Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium und war als Unocal-Mann von Mitte der 90er Jahre an maßgeblich an den Pipeline-Verhandlungen der Taliban-Regierung beteiligt. Noch 1997, als die Menschenrechtsverletzungen des Regimes schon offensichtlich waren, schrieb er in er Washington Post ganz im Sinne seines Arbeitgebers:

"Die Taliban praktizieren nicht den Anti-US-Fundamentalismus wie der Iran. Wir sollten willens sein, das anzuerkennen und humantiäre Hilfe und internationale Förderung des ökonomischen Aufbaus anbieten. Es ist Zeit für die USA, sich zu re-engagieren."

Bei seiner ersten Pressekonferenz in Kabul bezeichnete Khalizad die Taliban nun freilich als Sponsoren des internationalen Terrorismus und kündigte an, die USA würden ihre Kampagne so lange fortsetzen, bis sie und ihre Alliierten in Bin Ladis Al-Qaida-Netzwerk ausgeschaltet seien. Nun denn, dass auf einer milliardenteuren Großbaustelle keine versprengten Partisanen und potentiellen Saboteure gebraucht werden können, ist eigentlich logisch. Dass es dabei aber primär um die Baustelle und die Geschäftsinteressen der beteiligten Unternehmen geht - und nicht um die Befreiung der Welt von Terroristen -, kann bei der personellen Besetzung der Top-Positionen in Regierung und US-Botschaft nur noch einem Blinden verborgen bleiben.

Und als ob diese Hinweise noch nicht ausreichen würden, um die öltriefende Agenda des Afghanistan-Kriegs zu verdeutlichen, lassen sich auch an der Heimatfront die gut geschmierten Zusammenhänge von Bush-Politik und Öl-Geschäft kaum länger verbergen: "Enrongate", der Skandal um die größte Pleite der US-Finanzgeschichte (Die Bush-Administration: Full of Energy!), führt geradwegs wieder hinein in den konspirativen Sumpf von Vetternwirtschaft, Korruption und Betrug, den Bush jun. nach seinem dubiosen Wahlsieg dank des war on terror scheinbar abgeschüttelt hatte - und zurück zu seinen eigenen Insider-Geschäften als Direktor von "Harken Energy", einer Öl-Explorationsfirma, Anfang der 90er Jahre.

Wie im Enron- Fall, wo die Direktion vor der Pleite noch schnell Kasse machte, verkaufte auch George W. Bush sein Aktienpaket für knapp eine Million Dollar, wenige Wochen bevor Harken mit Beginn des Golfkriegs "überraschend" Konkurs ging. Wie Enron die Hauptquelle der Wahlkampfspenden von Bush jun. darstellte, zählten die Investoren von "Harken" zu den wichtigsten Finanziers des Seniors. Und wie dort Dokumente über die betrügerischen Transfers verschwanden, wurden Untersuchungen des "Harken"-Insider-Deals von seinem Vater seinerzeit niedergeschlagen, wobei der vom Junior unlängst im Handstreich liquidierte "Freedom of Information Act" die Veröffentlichung von Akten aus dieser Zeit künftig verhindert. So wie die Durchsetzung mit Bush-Männern in den Aufsichts- und Treuhand-Firmen, die jetzt den Enron-Betrug untersuchen sollen, eher für Vernebelung als für Aufklärung sorgen wird.

Tom Flocco und Michael Ruppert haben im 3. Teil ihrer Profits of Death-Serie weitere Parallelen recherchiert, für sie ist der Fall Harken "The Mother of all Enrons". Zwei Banken, Faysal Islamic Bank of Bahrain und das Kuwait Finance House, die seinerzeit in die Geschäfte verwickelt waren, stehen heute auf der Liste der verdächtigen Institute in Sachen Terrorfinanzierung - allerdings nur auf den Listen europäischer Fahnder. Von George W. Bushs Einfrierprogramm blieben sie bis dato verschont. Die beiden in Verdacht geratenen Banken unterhalten ihre Korrespondenzkonten just bei jenem internationalen Großinstitut, dessen US-Ableger A.B.Brown im Zusammenhang mit den Spekulationen vor dem 11.9. unangenehm auffiel: der Deutschen Bank. (siehe Die Spur des Geldes).

Wenn CNN mittlerweile über die Hintergründe der Resignation des Top Bin Ladin - Fahnders John O'Neill berichtet, wäre es dann nicht für ARD & Co. auch an der Zeit, Ermittlungen gegen die Deutsche Bank aufzunehmen?

Mittlerweile ist das hier wiedergegebene Zitat von Richard Butler in dem angegeben CNN-Transcript nicht mehr enthalten. Dennoch war dieser Text am 10.1. ca. 14 Uhr MEZ, als ich die Übersetzung anfertigte, dort so wiedergegeben. Dummerweise habe ich aus dem Online-Dokument zitiert und mir erst einige Zeit später (16 Uhr 10) eine Kopie gemacht - in der Zwischenzeit muss das Dokument von CNN "aktualisiert" worden sein, denn auch meine Kopie enthält schon die jetzt publizierte Version. Da es sich nicht um eine "spielentscheidende" Aussage handelt - und Google keine Ergebnisse bei der Suche nach dem "Original" brachte -, will ich das nicht weiter recherchieren. Es zeigt mir aber, wie Aussagen von Insidern, die ein bisschen frei von der Leber weg geplaudert haben, im Nachhinein frisiert werden.

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