Wenn die Börse Tango tanzt
Spanische Firmen machen wegen Krise in Argentinien Milliardenverluste
Der Schock an der Madrider Börse nach der Ankündigung der Notmaßnahmen in Argentinien ist chronisch geworden. Die Verluste der führenden spanischen Firmen summieren sich auf 22 Milliarden Euro. Doch die spanische Regierung versucht die Folgen für das Land und Europa klein zu reden und Druck auf den Pampa-Staat zu machen.
Erste Hoffnung auf ein Ende der Verluste war in der letzten Woche aufgekommen, nachdem sich die Aktienkurse der stark in Argentinien engagierten Unternehmen sich auf niedrigem Niveau stabilisiert hatten. Doch am Montag ging diese Werte an der Madrider Börse wieder in den freien Fall über, denn viele positive Nachrichten stellten sich als Falschmeldungen heraus. Übrig blieb nur die Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF), eine Schuldenzahlung des bankrotten Landes von fast einer Milliarde Euro um zwölf Monate auszusetzen und neue Verhandlungen aufzunehmen.
Doch der IWF ist offenbar nicht bereit, die von Argentinien geforderten Sonderkredite von 17 Milliarden Euro zu gewähren. Die seien "höher" als die "realistische Größe", die man sich vorgestellt hat, sagte die Direktorin des IWF, Anna Krueger. Der IWF geht zudem davon aus, dass sich das Bruttoinlandsprodukt Argentiniens um fast zehn Prozent verringern wird, während Argentinien bisher nur etwa zwei Prozent ausgemacht hatte.
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So waren es wieder die großen spanischen Banken, Versorgungsunternehmen und der spanisch-argentinische Ölmulti Repsol-YPF die stark an Wert verloren. Ganz besonders heftig hat es bisher Repsol getroffen, deren Wert seit Beginn der Krise fast 20 Prozent an Wert eingebüßt hat. Dafür ist die Entscheidung der Regierung Duhalde verantwortlich, an der Einführung der Ölsteuer auf Auslandsgeschäfte festzuhalten. Den Vorschlag der Ölfirmen, dem Land einen Kredit von knapp 1,6 Milliarden Euro zu gewähren, hat Duhalde abgelehnt. Man werde keine "Veränderungen an den Steuern der Ölfirmen für weitere Kredite vornehmen, denn schon jetzt ist Argentinien überschuldet". Die Steuer soll etwa 20 Prozent der Erlöse der Auslandsgeschäfte in die leeren Kassen der argentinischen Regierung spülen. Gestern kletterte der Aktienindex an der Madrider Börse wieder leicht nach oben, was sich vor allem der spanischen Großbank Santander Central Hispano (BSCH) verdankte. Sie gab Gewinne an, erklärte, dass sie genügend Rücklagen für ihr Engagement in Argentinien habe, und überlegt offen, Argentinien ganz zu verlassen. Repsol verzeichnete weitere Verluste.
Die spanische Regierung versucht hingegen, den Tango-Effekt klein zu reden. Auf dem Treffen der Finanzminister der EU am Dienstag in Brüssel, zeigten sich einige Minister erstaunt über die Einschätzung der Lage durch die Spanier. Deutliche Kritik äußerte der Luxemburger, Jean-Claude Juncker an seinem spanischen Kollegen Rodrigo Rato: "Wenn ich mir die Wirkung der Krise auf die Banken Luxemburgs anschaue, dann frage ich mich, wie glaubwürdig diese Analysen sind." Im Vergleich zu Spanien, das 20 Prozent des Finanzsektors am Rio de la Plata kontrolliert, sind Luxemburgs Banken dort nur unbedeutend.
In Wirklichkeit fürchtet Madrid die Gefahren aus der Pampa und übt deshalb heftigen Druck auf Buenos Aires aus. Dazu wird auch die derzeitige EU-Präsidentschaft genutzt. Auf Druck Spaniens forderten die EU-Finanzminister in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag, Argentinien solle ausländische Gläubiger und Unternehmen nicht diskriminieren. Gemeint sind damit vor allem spanische Firmen und deren exorbitante Gewinne, die sie über die Privatisierung Argentiniens Staatsbetriebe gemacht haben. Allein der spanische Telefonriese Telefonica hat in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres fast 1,8 Milliarden Euro Gewinn in Argentinien gemacht, etwa 12 Prozent seines Gesamtgewinns.
Tatsächlich könnten die starken Verflechtungen mit Argentinien auch die spanische Wirtschaft abwärts ziehen. Der Aufschwung der letzten Jahre wurde zu einem guten Teil aus EU-Fonds und guten Geschäften in Lateinamerika produziert. Die hausgemachten Daten waren auch schon vor der Tango-Krise wenig erfreulich. Erstmals ist die Arbeitslosigkeit in den letzten fünf Jahren wieder gestiegen. Die Inflationsrate lag 2001 über den Erwartungen und dürfte wegen neuer Steuern und Steuererhöhungen sowie durch die Anhebung der Autobahngebühren und Fahrpreise weiter steigen. Damit wird dem privaten Konsum, einem weiteren Motor der Wirtschaft, weiter Geld entzogen.
http://www.heise.de/tp/artikel/11/11652/1.html- Genau meine Meinung (24.1.2002 14:01)
- eine Schande (24.1.2002 11:05)
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