USA führen Schleierzwang ein

03.02.2002

Der Bärtige hat doch gesiegt

George W. Bush und Usama bin Ladin sollte man nicht verwechseln oder gar vergleichen. Das gibt Ärger, von beiden Seiten. Aber ­ beim Barte des Propheten ­ was gerade über die USA präsidial gefördert und gedeckt hereinbricht, hat schon fast muselmanische Qualitäten. Und auch verschleiert wird schon. Zwar dürfen US-amerikanische Frauen und Fräuleins auch weiterhin ohne Schleier in der Öffentlichkeit herumlaufen, vorerst zumindest, aber dafür musste sich jetzt als erste prominente Frau die Justitia dem neuen Schleierzwang von Amts wegen beugen.

Sie steht, wenngleich sichtlich zunehmend irritiert, im amerikanischen Justizministerium herum und zeigte bisher in diesen heiligen Hallen keck blankgezogene Brust. Doch das ist nun vorbei. Auf Wunsch des US-Justizministers John Ashcroft wurde kürzlich - die Statue nach afghanischem Vorbild in die Luft gesprengt...Pardon!...es wurden natürlich nur für 8.000 US-Dollar Vorhänge aufgehängt, hinter denen die nackten Reize der vollbusigen Statue versteckt werden.

Dadurch soll zukünftig vor allem verhindert werden, dass bei Pressekonferenzen der Justizminister oder andere wichtige Amtsträger vor und mit nacktem weiblichen Busen abgelichtet wird. Genau das ist nämlich in der Vergangenheit schon des öfteren geschehen, beispielsweise ausgerechnet bei der Vorstellung des Berichtes der "Commission on Pornography".

Es trifft allerdings nicht nur die Spirit of Justice, sondern auch Majesty of Law

Aber auch Ashcrofts Chef Präsident Bush kämpft höchstpersönlich nicht nur gnadenlos gegen das Reich des Bösen und die versammelten Schurkenstaaten dieser Welt, sondern sogar gegen das Böse und den Schurken in uns. Also gegen den Sex, der nach Meinung dieses eisernen Weltmoralführers für Jugendliche schädlich ist. Mit einer 135 Millionen Dollar teuren Aufklärungskampagne sollen die US-Teens nämlich nun von einer Freizeitbeschäftigung abgehalten werden, die zwar unter ihnen sehr beliebt ist, aber vor der Ehe ausgeführt bekanntlich böse Folgen haben kann. Zum Beispiel: schreiende Babys, juckender Tripper, stinkender Fußschweiß oder gar übler Rückenmarkschwund.

Und da Mister Bush als Vater einer trinkfreudigen jungen Lady selbst ein gebranntes Kind ist, soll den jungen Leuten zusätzlich beigebracht werden, wie man im Vollrausch im entscheidenden Moment "No" sagt oder wenigstens lallt. Ob die Jugendlichen dabei auch über die Gefahren aufgeklärt werden, die der gleichzeitige Genuss von Brezeln, Alkohol und Fernsehen verursachen kann, bleibt vorerst abzuwarten.

Und Bushs Kampagne, die offensichtlich von der satirischen Netzseite des United States Department of Faith inspiriert wurde, ist tatsächlich ein Riesenerfolg. Besonders ganz oben im Himmel, wo man so begeistert reagiert hat, dass man gleich beschloss, Jesus persönlich in die USA zu schicken. Und zwar direkt nach Milwaukee in den Hinterhof von Ella Huffin, wo Gottes Sohn nun von einem Baum aus auf das auserwählte Volk der Amerikaner blickt. Gewohnt sanft, ein bisschen nachdenklich und mit langem Bart.

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