Akrobatische Manöver

Florian Rötzer 11.02.2002

Am MIT wird ein autonom fliegender Minihubschrauber entwickelt, der als Aufklärungs- und Kampfflugzeug dienen könnte

Nach dem bislang erfolgreichen Krieg in Afghanistan ist der Einsatz von technisch hochgerüsteten, aber kleinen Spezialeinheiten ebenso zur viel versprechenden Wunderwaffe für künftige Kriege geworden wie der von unbemannten Aufklärungsflugzeugen, die sich, ausgestattet mit Waffen, aus der Ferne steuern lassen. Im MIT wurde jetzt ein kleiner Robotikhubschrauber entwickelt, der automatisch schwierige Flugmanöver durchführen und auch von Laien gesteuert werden kann.

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Das Ziel sind möglichst kleine Robotflug- oder -fahrzeuge, die alleine oder in Schwärmen unauffällig und autonom auch unter schwierigsten Bedingungen zur Erkundung eingesetzt werden und womöglich auch mit Miniwaffen tödlich zuschlagen können. Einen Schritt auf diesen Weg zur Miniaturisierung von Waffensystemen für den Krieg aus der Ferne im Informationszeitalter stellt der Robotikhubschrauber dar, den Eric Feron mit seinem Team entwickelt hat. Gegenüber normalen Drohnen und unbemannten Kampfflugzeugen (UCAVs) wie den Predators, die erstmals im Afghanistan mit Hellfire-Raketen eingesetzt wurden, wären Hubschrauber wesentlich wändiger für einen bodennahen Einsatz in einem schwierigen Gelände. Abe sie sind auch sehr viel schwieriger zu steuern, zumal wenn dies aus der Ferne geschieht.

Die Wissenschaftler rüsteten ein käufliches Modell des X-Cell 60 Miniaturroboters, der 1,3 Meter lang und 0,44 Meter hoch ist, mit einer Box aus, die einen Computer, einen GPS-Empfänger, einen Höhemesser und Beschleunigungssensoren mit einem Gewicht von 3,5 Kilogramm enthält. Damit können die Daten von Übungsflügen gespeichert werden, die ein erfahrener Pilot mit Fernsteuerung durchführt. Aus diesen Daten wurden eine Computersimulation entwickelt, auf deren Grundlage die Wissenschaftler wiederum ein Programm geschrieben haben, das den Hubschrauber automatisch steuert.

Mit diesem Programm konnte der Robotikhubschrauber bereits im letzten Jahr ein kompliziertes Manöver ausführen, bei dem er in hoher Geschwindigkeit sich korkenzieherartig gedreht, sich anschließen wieder stabilisiert hat und dann normal weitre geflogen ist. Für derartige Manöver müsste ein Flugzeug normalerweise von einem erfahrenen Piloten gesteuert werden. Die Wissenschaftler glauben, dass ihr Hubschrauber der erste ist, der selbständig derart schwierige Manöver ausführen kann. Zudem soll der Hubschrauber von Jedermann ohne große Schwierigkeiten gesteuert werden können, wenn es sich in der Luft befindet. Systeme für autonomes Starten und Landen von unbemannten Flugzeugen gibt es schon seit einigen Jahren und wurden beispielsweise vom Draper Laboratory für die DARPA entwickelt..

Derartige fernsteuerbare und autonom fliegende Hubschrauber könnten, wie das MIT schreibt, dereinst in Bergen oder in Städten für militärische Aufgaben eingesetzt werden, die für bemannte Flugzeuge zu gefährlich wären: "Sie könnten tief in engen Räumen zwischen Hochhäusern fliegen oder die Höhle eines Terroristen in den Bergen ausmachen und Live-Bilder zu einem Flugzeugträger oder zu Flugzeugen in der Luft senden." Und natürlich könnten Hubschrauber auch mit entsprechenden Waffen ausgestattet werden. Ausgestattet mit einem System zur Vibrationsisolierung, die primär die Computerausrüstung an Bord schützen soll, können auch unverwackelte Bilder mit einer Videokamera gemacht werden. Das könnte dann nicht nur die Militärs interessieren, sondern womöglich auch Journalisten, Forscher und Rettungsdienstmitarbeitern.

Die geringe Größe und die niedrigen Kosten würden solche Robotikhubschrauber, wenn sie in Serie als Aufklärungsflugzeuge hergestellt würden, attraktiv machen. Und auch wenn man sie größer machen würde, um sie mit Waffen und weiteren Sensoren auszustatten und ihren Flugradius auf mehrere Hundert Kilometer zu erweitern, käme sie nach den Wissenschaftlern noch immer billiger als eine Predator-Drohne. "Unser endgültiges Ziel ist es, den ersten fliegenden Robotikvogel zu schaffen", meint Feron. Selbstverständlich wären Robothubschrauber und UCAVs auch für Terroristen höchst interessant.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11770/1.html
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