Ungenießbare Cookies

TU Dresden entwickelt Anti-Cookie-Tool und Identitätsmanager

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Siemens entwickelte schon vor Jahren den "Webwasher", der nicht nur Cookies blockiert, sondern auch Webkäfer und Skripte, Popup-Fenster und Werbebanner. Informatiker der Universität Dresden, die bereits mit An.On ein Tool für anonymes Surfen entwickelten, haben nun unter der Leitung von Hannes Federrath den CookieCooker entwickelt. Es lässt anders als Webwasher den Nutzer in ganz unterschiedliche Identitäten schlüpfen. Der CookieCooker tauscht die Datenpakete mit anderen Usern aus, die Identitäten vermischen sich und werden unbrauchbar für professionelle Datensammler. Die Informatiker planen den CookieCooker später in "An.On" zu integrieren.

Kurzlebige Cookies werden nicht getauscht, wenn sie dafür genutzt werden, um beispielsweise einen Warenkorb zu verwenden. Doch langlebige Cookies fallen dem CookieCooker zum Opfer. Ziel des CookieCooker ist es vor allem, Werberinge auszuhebeln, die Cookies Website-übergreifend austauschen. Sie erstellen nämlich sehr detaillierte Nutzerprofile. "Letzendlich ist das Profil dann nichts mehr wert", sagte Entwickler Oliver Berthold Telepolis. Berthold hat keine Angst vor Schadensersatzklagen, da die Nutzer die langlebigen Cookies nach europäischen Recht nicht akzeptieren müssen.

In der Praxis wählen Nutzer immer ähnliche Nutzernamen und Passwörter aus, da die Gedächtniskapazität angesichts der vielen Login-Möglichkeiten schnell ausgeschöpft ist. Der automatische Formularausfüller des CookieCooker ist ein erster Ansatz für ein Identitätsmanagement. Er füllt Formulare im Web mit zufällig ausgewählten Namen aus. Nutzernamen und Passwort werden ebenfalls ausgefüllt und beim CookieCooker gespeichert. Angaben wie Alter und Wohnort werden ebenfalls nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und in das Formular eingetragen. CookieCooker bietet jedoch mehr Sicherheit, da er verschiedene Namen und Passwörter zufällig aussucht und diese auch mit Sonderzeichen ungewöhnlich genug schreibt, sodass auch das Knacken mit Hackertools etwas schwieriger sein dürfte.

Längst sammeln nicht nur kommerzielle Seiten, die mit den kleinen Datenpaketen Angaben über den Nutzer sammeln, sondern auch öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken Cookies. Damit wollen sie herausfinden, wer ihre Seiten besucht. Aber nur die wenigsten Nutzer weisen Cookies zurück. Die kalifornische Firma Websitestory untersuchte eine Milliarde Seitenbesuche im Februar 2001. Dabei fand sie heraus, dass Cookies nur in 0,68 Prozent aller Fälle zurückgewiesen wurden. Für Randy Proberg, Datenschutzbeauftragte bei Websitestory zeigte dies, dass "obwohl die meisten Surfer vielleicht nicht wissen, wie sie über ihre Browser Cookies ablehnen können, Cookies für die meisten Nutzer wohl keine große Sorge darstellen."

Es könnte aber auch sein, dass die Nutzer sich bereits damit abgefunden haben, dass viele Angebote ohne Cookies nicht mehr funktionieren. Auch wäre es möglich, dass sie die Cookies nicht in jedem Einzelfall überprüfen wollen, da dies viel zu mühsam ist. Oder sie wissen schlicht nicht, dass es bereits einige komfortable Methoden wie den Webwasher oder jetzt den CookieCooker gibt, um mit unerwünschten Cookies fertig zu werden.

Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlichte im Heise-Verlag die zweite, aktualisierte Auflage ihres Buchs "Vom Ende der Anonymität. Die Globalisierung der Überwachung". In ihrem neuen Buch "Datenjagd im Internet. Eine Anleitung zur Selbstverteidigung" stellt sie jede Menge Datenschutztools vor (Mit klarem Kopf durch die Cyberwelt).

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11902/1.html
Kommentare lesen (22 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS