Die größte Heroin-Regierung aller Zeiten

24.02.2002

The WTC Conspiracy XXXVI

Der Aufstieg der britischen "East India Company" zum weltumspannenden Finanzkonzern des Empires im 18. und 19. Jahrhundert verdankte sich in erster Linie dem illegalen Opiumgeschäft mit China (siehe Uncle Sam's Junk: Heroin, Taliban, Pakistan), dessen Fortbestand in zwei Opiumkriegen mit militärischer Gewalt gesichert wurde. Dabei pflegte sich die ehrenwerte Kaufmannsgesellschaft in London immer dann besonders heftig über den menschenverachtenden Opiumhandel zu empören, wenn sie in China zur Sicherung und Ausweitung ihres Monopols gerade mal wieder einen Krieg anzettelte. George W. Bush setzt diese klassische Tradition mit seiner jetzt angekündigten Offensive im "war in drugs" fort.

Einer der wesentlichen Gründe, warum die Vorgänge um den 11. September ihrer Aufklärung harren, liegt darin, dass die Hintergründe in Tabubereiche führen, deren Aufdeckung unerwünscht ist. Eines dieser Tabus ist die direkte und indirekte Finanzierung der US-Außenpolitik durch das Geschäft mit illegalen Drogen. So wurde die "Heroinisierung" Pakistans seit 1979 nicht nur als unvermeidlicher Kollateralschaden im Kampf gegen den Kommunismus angesehen, nach Ende des Kalten Kriegs wurde sie weiter akzeptiert, um das Land zahlungsfähig zu halten, für Waffenkäufe und die Bedienung der IWF-Kredite. Ende der 90er Jahre lagen dann die Einkünfte aus der Schattenökonomie des Heroingeschäfts 30% über dem Staatshaushalt von 11. Mrd. $.

Im Oktober hatten wir prognostiziert, dass das vom pakistanischen Geheimdienst ISI - dem wichtigsten CIA-Partner der Region - kontrollierte Heroin-Geschäft nach einem Einmarsch der USA in Afghanistan weiter blühen wird. Dafür wurde jetzt mit der Berufung des Generals und Drogenbarons Rachid Dostum in das neue afghanische Kabinett Sorge getragen, mit der - so Adam Porter im Guerilla News Network, "die größte Heroin-Regierung aller Zeiten zementiert wurde".

Auch außerhalb der Regierung sind die Warlords und Drogenhändler back in business, die Nord-Allianz, die anders als die Taliban den Opiumanbau nie eindämmte, kontrolliert weite Teile des Landes, Pakistan hat einen der großen Schmuggelkönige der Khyber-Pass-Region wieder aus der Haft entlassen und in Kabul wurde die "High Commision on Drug Control" von der neuen Regierung einfach vor die Tür gesetzt, ihre Autos und Telefone beschlagnahmt: "Nicht einmal ein Fahrrad haben sie uns gelassen", beklagt der Leiter der Behörde, der nun in einem Zimmer im Außenministerium unterkriechen musste.

Gleichzeitig melden die Agenturen, dass jetzt Spezialeinheiten der USA die Shops in der Opium-Lane von Kandahar regelmäßig besuchen und die Aufforderung "Change your Business" hinterlassen - pro forma und für die bunten Seiten weltweit also wirklich etwas tun gegen den Opiumhandel. De facto freilich wären die Volksökonomien von Afghanistan und Pakistan auf der Stelle ruiniert, sollte das Opium- und Heroingeschäft zum Erliegen kommen.

Dass dies auf keinen Fall geschieht, dafür hat sich jetzt George W.Bush an der Heimatfront ins Zeug gelegt. Seine Ankündigung der Verschärfung des "war on drugs" und einer saftigen Etaterhöhung für Eindämmung und Verfolgung bedeutet Balsam für die seit Kriegsbeginn in den Keller gefallenen Preise für Roh-Opium und Heroin: "Jetzt werden wir reich", bekundete denn auch ein junger Opiumhändler gegenüber der "New York Times". Während der Preis für ein Kilo Opium im August noch 300 $ betrug, war er zwischenzeitlich auf 150 $ gefallen.

"Wenn wir den Krieg gegen Drogen führen, führen wir Krieg gegen Terror", hatte Präsident Bush, dem Alkohol- und Kokainmissbrauch nachgesagt werden, im Rahmen seiner "Nationalen Drogenkontrollstrategie" verkündet - und ließ die Dumpfbotschaft in den teuersten Werbespots, die je eine US-Regierung bei einer TV-Übertragung schaltete, unters Volk bringen. Während des "Superbowl" Football-Finales wurden so in zwei 30 Sekundenspots 3,2 Millionen Dollar Steuergelder verbraten - und quasi die direkte Verbindung von Drogenkonsum und Usama Bin Ladin hergestellt. "This is your brain on terror" kommentierte der Mediendienst "PR Watch" die Propagandaspots - unter Anspielung auf die berüchtigten Spiegeleier-Plakate ("This is your brain on drugs") , mit denen seinerzeit unter Reagan/Bush der Drogenkrieg an der Heimatfront angeheizt wurde (und die Margen im neu installierten Heroin-Geschäft an der pakistanisch-afghanischen Grenze gepusht.) .

Wer es nicht glauben möchte, dass die CIA und weitere US-Geheimdienste in den Drogenhandel involviert sind, braucht nur ihren eigenen Report darüber zu lesen, der zumindest die Spitze dieses Eisbergs lüftet (siehe dazu auch ein aktuelles Interview mit Noam Chomsky). Dan Russell beschreibt in Drugwar die Logik dieses Zusammenhangs:

"Die Machtzentren, die für den Drogenhandel verantwortlich sind, sind dieselben Machtzentren, die die künstliche Hysterie schüren, die für die fortgesetzte Kriminalisierung nötig ist. Das hält die Verkaufspreise hundertfach höher als der natürliche Wert und den Handel exklusiv in den Händen des Muskelprotzes. Ein anderes Wort für Muskelprotz ist militärischer Geheimdienst. (...)

Verdeckte Regierung durch den militärisch-industriellen Komplex bedeutet korrupte Eroberungskriege und Regierung durch Drogenhändler. Als die traditionellen Rauschpflanzen der Welt zu illegalen Güter wurden, bekamen sie einen Wert wie Edelmetall, das angebaut und geerntet werden konnte. Einzig durch ihren künstlichen, durch die Prohibition geschaffenen Wert wurden illegale Drogen überall dort zur Basis der militärischen Macht, wo sie angebaut und in Mengen geliefert werden konnten. Bis heute sind die amerikanischen Rüstungsunternehmen insofern die größten Drogengeldwäscher der Welt."

Da wundert es dann eigentlich nicht mehr, dass die Vereinigten Staaten die Einrichtung des Internationalen Strafgerichtshofs hartnäckig boykottierten, und auch jede Reform der Drogenpolitik blockieren und das Prohibitions- und Repressionsdogma hochhalten - nur so kann das verdeckte Geschäft lukrativ und in den Händen des "Muskelprotzes" bleiben. In einer Studie des UN-Drogenkontrollprogramms UNDCP wurde untersucht, wie viel Umsatz in verschiedenen Ländern mit welchen Drogen gemacht wird und welchen Einfluss der Grad der Prohibition auf diesen Umsatz hat. Ergebnis: harte Repression fördert den Umsatz von harten Drogen:

"Die Vereinigten Staaten liefern ein gutes Beispiel: Obwohl 78% aller Konsumenten illegaler Drogen Cannabis nutzen (1995-1996), betrugen die geschätzten Ausgaben für Cannabis nur 12% sämtlicher Ausgaben für illegale Drogen. (..) Die Niederlande sind einer der wenigen Fälle in entwickelten Ländern, in denen der Markt für Cannabis (0,5 Milliarden $ 1995) deutlich größer ist als die Heroin- und Kokain-Märkte (0,26 Mrd. $)."

Laut UNDCP überwiegt in den USA der Umsatzanteil harter Drogen im Verhältnis 7:1, während es in den Niederlanden weiche Drogen sind, deren Umsatz 3:2 überwiegt. Diese Zahlen der Vereinten Nationen zeigen, dass die pragmatische, schadensreduzierende Politik der Holländer sehr viel besser geeignet ist als die repressive Linie der USA, um die Einnahmequellen von Terroristen trockenzulegen. Da Drogengeld die wichtigste Finanzquelle des internationalen Terrorismus darstellt, wäre ein Frieden im "war on drugs", ein neuer Pragmatismus in der Drogenpolitik, einer der wichtigsten Schritt im Kampf gegen den Terror überhaupt. Es geht um 500 Milliarden Dollar oder sogar mehr, die per anno weltweit mit Produkten von Mohn-, Coca- und Hanfpflanzen umgesetzt werden - den größten globalen Schwarzmarkt überhaupt.

Ginge es wirklich um eine Kontrolle dieses Markts, könnte diese durch legalen Anbau und regulierte Abgabe dieser Substanzen leicht erreicht werden. Aber wer finanziert dann in Zukunft die inoffizielle amerikanische Außenpolitik, die "Contras" in Nicaragua, die "Djihad"-Lager in Afghanistan, die Todesschwadronen in Salvador und Kolumbien, die UCK im Kosovo? Wer hält unverzichtbare Verbündete wie die Heroin-Regierungen in Kabul und Pakistan am Leben ? Wie soll die islamistische Destabilisierung Zentralasiens und Russlands finanziert werden? -

Nicht nur Mafia, Militärdiktatoren und Terroristen hängen am Drogentropf, auch die amerikanische Geo-Politik kommt ohne diesen Krokodilfonds nicht aus. Dank Bushs Offensive im Drogenkrieg werden die Gelder weiter üppig fließen ...

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