Tod im Tessin

Peter Nowak 26.02.2002

Der Tod eines italienischen Globalisierungskritikers am 2.Februar sorgt in Italien noch immer für Schlagzeilen

Bis zum 2.Februar kannte kaum jemand den Namen von Eduardo Parodi. An diesem Tag starb der 22-Jährige in der Wohnung eines Freundes im Tessin. Schon damals wurden erste Gerüchte über den Todesfall im Netzwerk Indymedia verbreitet. Bald wurde bekannt, dass Parodi ein enger Freund von dem im Juli 2001 durch einen Polizeischuss in Genua ums Leben gekommenen Carlo Giuliani war.

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Die italienischen Behörden streuten sofort das Gerücht, Parodi sei drogenabhängig gewesen und an einer Überdosis Heroin gestorben. Dieser Lesart trat die Mutter seines toten Freundes Carlo Giuliani mit großer Entschiedenheit entgegen. " Ich habe nie etwas wegen der vielen Unwahrheiten unternommen, die über meinen Sohn verbreitet wurden, jetzt aber wehre ich mich wegen der Unwahrheiten, die über Edo im Umlauf sind."

Darauf wurde die These von dem Tod durch Heroin stillschweigend wieder fallengelassen. Fast wäre die ganze Sache in Vergessenheit geraten. Die Untersuchungsbehörden machten ein unbekanntes traumatisches Ereignis für den Tod verantwortlich. Doch jetzt hat ein Artikel in der italienischen Tageszeitung Il Manifesto die Diskussion um Parodis Tod in Italien wieder neu entfacht. Schließlich ist die Zeitung nicht nur für ihren entschiedenen linken Standpunkt sondern auch für ihre Seriosität bekannt.

Als wahrscheinlichste Todesursache gilt ein Tränengas mit der chemischen Bezeichnung Ortoclorobenzalmalonitril, das schwere Schäden an Haut und Lungen verursacht und zum Tod führen kann. Es soll bei den Protesten in Zürich gegen Demonstranten eingesetzt worden sein. Die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt in dieser Richtung weiter und hat mittlerweile auch Zeugenaussagen gesammelt, nach denen Parodi auf der Demonstration mit CS-Gas besprüht wurde. Ob sich die Angelegenheit endgültig aufklären wird, ist fraglich. Eine weitere Autopsie ist nicht mehr möglich, weil Parodis Leichnam mittlerweile eingeäschert wurde.

Italienische Globalisierungskritiker zumindest haben schon auf ihre Weise reagiert. An der Piazza Alimonda in Genua, dort wo Carlo Giuliani im letzte Sommer starb, haben sie jetzt den Namen seines Freundes angebracht.

http://www.heise.de/tp/artikel/11/11943/1.html
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