Gut bezahlte Pay-TV-Hacker
Ließ Murdoch die Pay-TV-Verschlüsselung der Konkurrenz knacken?
Eine Tochter des französischen Mischkonzerns Vivendi Universal hat jetzt ein Unternehmen des australischen Medienmultis Rupert Murdochs auf eine Milliarde Dollar Schadensersatz verklagt. Der Vorwurf: Murdochs NDS Group habe die Pay-TV-Verschlüsselung der Konkurrenz geknackt und danach ins Netz lanciert.
Die Klage, die am Montag beim US District Court in San Jose eingereicht wurde, klingt wie der Plot eines Hollywood-Films: So wirft die Vivendi-Tochter Canal Plus Technologies Murdochs NDS Group vor, Ende der Neunziger in ihren Forschungslabors in Israel die Verschlüsselung der Canal Plus-Smart Card analysiert zu haben. Als der Code dann 1998 geknackt worden sei, habe man ihn zur US-Firma NDS America Inc. transferiert, um ihn von dort aus ins Internet zu lancieren. Im März 1999 sei der Code dann auf der Website DR7.com veröffentlicht worden. Danach wurde der Markt laut Canal Plus mit gefälschten Smart Cards geradezu überschwemmt.
In einer ersten Reaktion erklärte NDS, diese Vorwürfe seien "scheußlich und bar jeder Grundlage". Gleichzeitig gab die Firma zu, die Smart Cards der Konkurrenz per Reverse Engineering zu analysieren, um ihre Funktionsweise zu verstehen und die eigenen Sicherheitsmechanismen zu verbessern. Diese Ergebnisse würden jedoch nie veröffentlicht.
"Teil einer normalen Informationsbeschaffung"
|
|
Die Vorwürfe gegen NDS erhärteten sich jedoch gestern, als bekannt wurde, dass die Firma offenbar finanzielle Verbindungen zu einer Smart Card-Hacker-Website unterhielt. Nach Informationen des Guardian soll es sich dabei um die bereits im letzten Jahr eingestellte Website "The House of Ill Compute" (thoic.com) handeln. Das NDS-Management habe die Website finanziert und beraterisch unterstützt. NDS erklärte zu diesen Vorwürfen lediglich, man habe sich von den Betreibern der Website lediglich beraten lassen. "Dies war Teil einer normalen Informationsbeschaffung", so die NDS-Sprecherin Margot Field gegenüber dem Guardian.
Glaubt man Canal Plus, dann haben diese Aktivitäten der Firma und ihren Kunden schweren Schaden zugefügt. Canal Plus Technologies beliefert weltweit Pay-TV-Anbieter mit seiner Smart Card-Technologie. Zu den Kunden gehören beispielsweise der britische Anbieter ITV, der allein durch Piraterie bereits 100 Millionen Pfund verloren haben will. Kirchs Premiere World setzt jedoch auf einen anderen Smart Card-Standard. Bei den Ermittlungsarbeiten gegen NDS sollen Canal Plus auch Mitglieder der Smart-Card-Hacker-Community geholfen haben.
Nach Informationen des Wall Street Journal wird in der Pay-TV-Branche schon länger darüber gescherzt, dass man ja mal die Verschlüsselungsverfahren der Konkurrenz hacken könnte. Aber niemand habe es bisher für möglich gehalten, dass eine Firma dies tatsächlich tun könnte. Allerdings gibt es auch in der Hacker-Szene seit Jahren Gerüchte über die Beteiligungen größerer Konzerne am Pay-TV-Schwarzmarkt. So wird in dieser Szene bis heute auch der Tod des Berliner Hackers und Smart-Card-Experten Tron mit möglichen erfolglosen Anwerbeversuchen aus dieser Branche in Verbindung gebracht (siehe auch: Website rollt den Tod eines Hackers neu auf). Tron wurde beispielsweise von Vertretern der Firma NDS als "einer der besten Piraten der ganzen Welt" bezeichnet.
http://www.heise.de/tp/artikel/12/12082/1.htmlDarstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Postapokalypse aus Ego-Sicht: "Metro: Last Light" ist – visuell beeindruckender Survival-Horror für PC und Konsolen

Fernbus - Goldgräber mit Fallstricken
NPD will mit Ressentiments gegen Sinti und Roma punkten
Assad: "Ich trete nicht zurück"
Der Mythos der Überbevölkerung
Apokalypse Kirchentag