Alarmstufe Rot auf der CeBIT

Ernst Corinth 18.03.2002

Schlagen in diesem Jahr die Phonebasher zu?

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Die CeBIT hat ein Problem. Wie uns kürzlich aus den Tiefen und Weiten des Internet zugeflüstert wurde, drohen auf der diesjährigen Computermesse gar schlimme Dinge. Und bei den danach von uns natürlich sofort eingeleiteten und gewohnt penible geführten Recherchen wurde uns schlagartig klar, warum die Police of Lower Saxony" ausgerechnet zur CeBIT ihr Cybercrime-Project scheinbar ohne Sinn und Verstand aus den Boden gestampft hat.

Nein, nicht um uns und die Welt vor Hackern, Pornografen, Scheckbetrügern und schlechten Witzerzählern zu schützen. Das sind alles nur Schutzbehauptungen, mit denen eine Massenpanik auf dem CeBIT-Gelände verhindert werden soll. Sondern in Wahrheit will die schnelle Hightech-Einsatztruppe der niedersächsischen Polizei die Messegäste vor den heimtückischen Attacken einer international operierenden Gang schützen.

Gewiss, mit den Zielen dieser Gruppe können wir zwar irgendwie sympathisieren, ja manchmal möchten wir sogar selbst handgreiflich werden oder wenigstens rhetorisch Backpfeifen verteilen. Beispielsweise als wir kürzlich in einem heruntergekommenen Kino saßen und plötzlich mitten aus dem Zuschauerraum eine gar lächerliche Melodie erklang. Und das war dann auch noch ausgerechnet in dem Moment, als Robert Redford seinen Kumpel Brad Pitt gerade mittels einer US-Militärhubschrauberstaffel aus einem chinesischen Knast befreien ließ.

Aber trotz aller Sympathie mit den Zielen müssen auch wir das Vorgehen dieser Leute aufs Schärfste verurteilen. Dass sie jetzt ausgerechnet auf der CeBIT ihr schmutziges Handwerk verrichten möchten, macht aber dennoch Sinn. Schließlich hat das Messegelände während der Computermesse wohl die größte Handy-Dichte Europas, wenn nicht gar der Welt. Und wenn man es genau nimmt, ist der fesch bekleidete und achwiebinichheutewiederwichtig Jungmanager mit dem Handy am Ohr das eigentliche Symbol der CeBIT.

Doch das Symbol ist in höchster Gefahr, wenn die so genannten Phonebasher nun auch bei uns zu den Mitteln greifen, die sie auf ihrer Netzseite ausführlich dokumentieren. Dabei gehen sie ­ wie dort auf mehreren provokanten Videofilmbeispielen zu sehen ist - immer auf die gleiche Art vor: Um nicht weiter aufzufallen, kostümieren sie sich als überdimensional große Handys, schleichen sich dann meist zu zweit an einen Handybesitzer heran, reißen ihm plötzlich das Gerät aus der Hand und schlagen es kurzerhand kaputt. Anschließend verschwinden die Phonebasher wieder in den Tiefen und Weiten unserer Städte und lassen ihre Opfer hilf- und vor allem sprachlos zurück.

Ohne Handy heißt es dann eben auch und gerade für den fesch bekleideten achwiebinichheutewiederwichtig Jungmanager: Schluss mit lustig. Oder: Aus die Maus (Günter Jauch). Schließlich hat er sich fest darauf verlassen, dass für ihn der Messe-Abend ein voller Erfolg wird, weil er dank des Service von www.messeparty.de über sein Handy stets mit den neusten und tollsten Partytipps versorgt wird.

Daher können wir allen CeBIT-Besuchern wirklich nur eins raten: Seien sie bitte vorsichtig und wachsam, wenn sie bei einem Messeinfobummel mit Menschen konfrontiert werden, die als wandelndes Handy kostümiert sind. Nicht immer steckt in dieser komischen Verkleidung nämlich ein unschuldiger Student.

Und auch für die schnelle Hightech-Einsatztruppe der niedersächsischen Polizei haben wir einen Tipp. Nach Informationen unseres Special-Agent - Tarnname: "Mister Cappuccino" - führt die Spur der Phonebasher angeblich nach England, ja, er will sie sogar schon einmal im Fernsehen als Comedytruppe verkleidet auf dem Kanal von Pro7 gesehen haben. Was erneut beweist, dass diese internationale Gang wirklich vor nichts zurückschreckt.

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12114/1.html
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