Diktatoren-Meisterschaft im Netz

Ernst Corinth 10.04.2002

Deutscher Ex-Führer schied schon in der Vorrunde aus!

And the Winner is: Kim Il Sung, der 46 Jahre lang über Nordkorea herrschte. Und dabei beachtliche diktatorische Leistungen vollbrachte. Allein der Korea-Krieg kostete 900.000 Chinesen, 200.000 Südkoreanern, 50.000 Uno-Soldaten und unzähligen Nordkoreanern das Leben. Und auch seine ganz spezielle Art sein Land zu regieren, ist so ungewöhnlich gewesen, dass Kim Il Sung im Nachhinein sich wohl tatsächlich den Titel "Diktator der Diktatoren" verdient hat.

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Diese zugegeben recht bizarre Auszeichnung verdankt der Alleinherrscher der Seite www.thedictatorship.com, auf der das Lebenswerk von Diktatoren verglichen und beurteilt wird. Gradmesser sind Eigenschaften wie Wahnsinn, Paranoia, Habgier, Korruption, Stil, Langlebigkeit und Rücksichtslosigkeit. Und da die Seite von einem Engländer, dem Londoner Webdesigner Giles Wright, betrieben wird, darf natürlich ein Wettbewerb zwischen den Diktatoren nicht fehlen.

Den letzten gewann in einem rein asiatischen Finale Mister Sung vor Mister Mao, zuvor schlug der chinesische Herrscher im Halbfinale Stalin und der Koreaner setzte sich überzeugend gegen Pol Pot durch. Unser deutscher Kandidat und Ex-Führer, Adolf Hitler, unterlag dagegen überraschend bereits in der Vorrunde Mobuto Sese Seko, also dem Mann aus Zaire. Und die Begründung für die Niederlage des heimlichen Favoriten wird wohl nicht nur deutschen Neo-Nazis garantiert schwer auf den Magen schlagen:

"Uh oh, prepare yourselves for a first round shocker. Granted Hitler pretty much has the lock for greatest bastard of all time award; his mass murder and wartime killing is off the scale and as a demagogue he will be studied for centuries, but here is has drawn a master of despotism. It should not be underestimated how difficult it is to keep the different provinces of Congo/Zaire together but Mobuto did it for 32 years. He had panache (hosting Rumble in the Jungle in 1974) he had political skills (an army uprising? Give every soldier a promotion) and he thieved more money from the State coffers than any man who has ever lived. By contrast Hitler was, though evil personified, rather dull."

Das kann sich jedoch im gerade stattfindenden zweiten Wettbewerb ändern. Aber die Netzseite hat noch mehr zu bieten: Neben aktuellen Informationen über das Treiben dieser Alleinherrscher findet man eine dazu passende Literaturliste, und wenn es einen der Herren endlich erwischt hat, wird das in Bildern dokumentiert. Und wer Lust hat, kann dort sogar mit Diktatoren ein Online-Spielchen wagen, beispielsweise "Money Catch", mit der Aufgabe dem Präsidenten von Kenia, Daniel Arap Moi, dabei zu helfen, möglichst viele Banknoten des Internationalen Währungsfonds einzusacken.

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12285/1.html
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