Fliegende Amulette

07.05.2002

Stammen diese Formen möglicherweise aus einer anderen Welt?

Natürlich weist der ostfriesische Zahnarzt Dr. Algund Eenboom den Vorwurf zurück, er sei ein Phantast. Dabei hat er doch nur herausgefunden, dass einige der Amulette aus der präkolumbianischen Goldsammlung des Bremer Überseemuseums phantastische Flugeigenschaften aufweisen, wenn man sie im Maßstab 16 zu 1 vergrößert nachbaut. Gemeinsam mit seinem Freund Peter Belting gründete er das Aereon-Team zur Erforschung antiker Flugtechniken. Peter Belting , im Hauptberuf Luftwaffenoffizier, ist ein passionierter Modellflugzeugbauer. Aus kohlefaserverstärktem Styropor entstanden in seiner Bastelwerkstatt die ersten Goldflieger, die sich erstaunlich leicht manövrieren lassen, wenn sie erst einmal in der Luft sind.

Physikalisch ist das problemlos erklärbar. Die Tragflächen weisen wie bei modernen Space-Shuttles eine Deltageometrie auf und sind unter dem Rumpf der Goldflieger angebracht, der dadurch zum Tiefdecker wird. Das Leitwerk mit Seitenruder und Höhenruder ist aerodynamisch exakt dimensioniert. Auch der Schwerpunkt liegt an der richtigen Stelle. "Zusammengefasst entsprechen diese Details dem Einmaleins des modernen Flugzeugbaus", ist sich Algund Eenboom sicher, "und nicht etwa Konstruktionen aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg."

Die fliegenden Amulette sind wesentlich älter. Sie stammen aus der Tolima-Kultur und wurden vor rund 1500 Jahren als Grabbeigaben für die Ewigkeit geschaffen. Das wirft Fragen auf: Wie konnten Menschen nur 500 Jahre nach der Zeitenwende bereits Formen kennen, die im heutigen Flugzeugbau verwendet werden? Gab es gar technologische Entwicklungen in frühen südamerikanischen Kulturen, die im Laufe der Jahrhunderte spurlos untergegangen sind? Oder stammen diese Formen möglicherweise nicht von dieser Welt?

Algund Eenboom und Peter Belting

Die Leiterin des Bremer Überseemuseums, Wiebke Arndt, hält nichts von solchen Spekulationen und verweist darauf, dass man ohnehin nur sehr wenig über die alten Völker im Gebiet des heutigen Kolumbien weiß. In der Broschüre "Die Wiederentdeckung des Goldes" berichtet das Museum über die abenteuerlichen Wege, die der in Bremen ausgestellte Goldschatz nahm. Die 144 Kunstgegenstände wurden aus Gräbern geplündert oder bei Raubgrabungen zutage gefördert. Es waren keine wissenschaftlichen Grabungen. Niemand weiß, an welchen Stellen im Grab die Amulette lagen, die heutigen Flugzeugen ähneln. Also kann auch niemand etwas über deren rituelle Funktion sagen. Man weiß nur, dass sich die Bremer Goldsammlung einst in den Händen des kolumbischen Sammlers Vincente Restrepo aus Medellin befand, der diesen Schatz an den Bremer Kaufmann Carl Schütte weitergab, der das präkolumbianische Gold dem damaligen Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde schenkte.

Goldamulett dessen Nachbau fliegen kann

Viele der Goldstücke sind einfach erklärbar. Es gibt Ohrpflöcke, Anhänger, Haarnadeln, Ohrspulen und Nasenschmuck. Nachbildungen von Insekten, von Vögeln und Fledermäusen könnten die Flieger sein, aber dem widerspricht der Hobbyforscher Algund Eenboom energisch: Diese Tiere seien Hochdecker, die hätten ihre Flügel im Schulterbereich. Die Amulette hätten mit Formen aus der Natur hingegen nichts zu tun. Algund Eenboom glaubt, die Flieger seien Objekte eines "Kultes der fliegenden Schamanen", der seine Wurzeln in einer religiösen Mythologisierung unverstandener Technologie haben könnte. Ganz offen vertritt er inzwischen die Däniken-These : Aliens haben als Götter der Menschheit einen Besuch abgestattet. Mit der inzwischen nach Berlin gegangenen ehemaligen Leiterin des Bremer Überseemuseums, Viola König, hat er sich deshalb bereits überworfen. Aber die offenen Fragen, welche die seltsamen Goldflieger aufwerfen, bleiben bis heute unbeantwortet.

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