Antiglobalisierungsbewegung und Antisemitismus

11.05.2002

Naomi Klein fordert zum Kampf gegen den Antisemitismus durch stärkere Differenzierung zwischen jüdischen Positionen und der israelischen Regierung auf

Naomi Klein, Autorin des Antiglobalisierungsbuches No Logo, hat der Antiglobalisierungsbewegung vorgeworfen, zu wenig gegen Antisemitismus zu unternehmen und damit der "zunehmend brutalen Okkupationspolitik" von Ariel Sharon hilflos gegenüber zu stehen.

Die Aktivisten für soziale Gerechtigkeit reden sich ein, solange Juden so mächtige Verteidiger in Washington und Jerusalem haben, brauchen sie die Schlacht gegen Antisemitismus nicht selbst zu schlagen. Aber das ist ein fürchterlicher Fehler. Gerade weil Antisemitismus gebraucht und missbraucht wird von Figuren wie Sharon, müssen die Aktivisten den Kampf gegen Antisemitismus wieder zurückgewinnen.

Alarmiert hatten die prominente Globalisierungskritikerin der Erfolg von Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Antikriegsproteste in Washington, bei denen 75.000 Menschen auch gegen die israelische Besatzung demonstrierten.

Jedes Mal, wenn ich im Internet auf News-Seiten von Aktivisten wie Indymedia.org gehe, die das 'open publishing' praktizieren, werde ich konfrontiert mit einem Haufen von Verschwörungstheorien über Juden und den 11. September sowie Auszügen aus den 'Protokollen der Weisen von Zion'.

Die Gefahr einer Verbindung zwischen Globalisierungsprotest und Le Pen sieht sie zwar nicht, da Le-Pen-Anhänger die Araber noch mehr hassten als die Juden. Auch sei die Bewegung gegen Globalisierung "nicht antisemitisch", urteilt Klein. Aber: "Viele Leute auf der Linken stellen sich einfach auf eine Seite. Im Nahen Osten, wo die eine Seite unter illegaler Besatzung steht und die andere das US-Militär hinter sich hat, scheint die Wahl einfach."

Die Bewegung gegen die Globalisierung müsse und könne jedoch im Kampf gegen Antisemitismus "eine entscheidende Rolle" spielen. "Nichts wird den Antisemitismus auslöschen, aber Juden außerhalb und in Israel dürften etwas sicherer sein, wenn es eine Kampagne gäbe, die zwischen den verschiedenen jüdischen Positionen und den Handlungen des israelischen Staates unterscheide." Als positives, praktisches Beispiel führt Klein die Zusammenarbeit zwischen Globalisierungskritikern und den israelischen Soldaten an, die den Dienst in den besetzten Gebieten verweigern.

Dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon warf sie vor, von der Furcht der Juden vor Antisemitismus zu einer Waffe gemacht zu haben. Außerdem sei er mit seiner Politik "zumindest teilweise" am Anwachsen des Antisemitismus schuld. Eine These, die prompt für Protest sorgte: Klein verurteile richtigerweise den Antisemitismus. Wenn sie aber Anschläge auf Synagogen Sharon und dem jüdischen Staat anlaste, "beschuldigt sie die Opfer anstatt die Täter. Bei einem ähnlichen Vorfall in einer Moschee würde sie niemals den Anführer der Palästinenser, Yassir Arafat, oder einen muslimischen Staat beschuldigen", kritisierte Marvin Kurz von der League for Human Rights of B'nai Brith Canada in einem Leserbrief an The Globe and Mail.

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