Vorbild: Gewalt im Computerspiel

21.05.2002

In Texas beginnt ein Prozess, in dem die Verteidigung wieder einmal behauptet, Computerspiele hätten einen Jugendlichen zu einer tödlichen Tat angeleitet

Bislang wurden bereits ohne Erfolg einige Prozesse gegen Filmproduzenten und Computerspielehersteller geführt, um diese verantwortlich für Gewalttaten von Jugendlichen zu machen, die durch Filme oder Spiele dazu angeleitet worden seien. In Texas beginnt in den nächsten Tagen wieder ein Prozess gegen einen 13-jährigen Jungen, der seinen Freund nach der Verteidigung aufgrund von gewaltfördernden Computerspielen getötet haben soll.

Der angeklagte Junge wurde des Mordes angeklagt. Auch als Minderjähriger muss er, wenn er schuldig gesprochen wird, offenbar mit einer Höchststrafe von 40 Jahren rechnen. Die Eltern des Getöteten haben überdies eine Nebenklage gestellt, in der der Mutter des Jungen mangelnde Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht vorgeworfen wird, weil sie eine geladene Waffe auf einem Tisch neben dem Bett aufbewahrte, so dass die Kinder auf sie Zugriff hatten.

Während die Polizei der Meinung ist, dass der Angeklagte sehr wohl zwischen Computerspielen und Wirklichkeit unterscheiden könne, scheint die Strategie des Verteidigers darin zu liegen, die Schuld an der Tat auf die Computerhersteller zurückzuführen. Der Junge habe einfach die Handlungen, die er in den Ballerspielen dauernd ausgeführt hat, in der Wirklichkeit nachgeahmt. Das Spielen mit der wirklichen Waffe sei, so der Verteidiger, nur eine Fortsetzung des Computerspiels gewesen, der Schuss sei unbeabsichtigt losgegangen: "Computerspiele sind entscheidend für das, was in den Köpfen der Kinder vor sich gegangen ist und warum das Gewehr überhaupt herausgeholt wurde. In den Spielen kamen Pistolen vor."

Die Polizei hatte 11 Computerspiele im Haus des Angeklagten beschlagnahmt. Bekannt ist nur, dass dabei auch World's Scariest Police Chases war, bei dem man als Polizist in einem Wagen durch die Gegend rast und auch auf Verdächtige mit Pistolen schießt.

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Die beiden Jungen gingen nicht in dieselbe Klasse, aber besuchten einen gemeinsamen Computerkurs. Offenbar stritten sie dort und wurden vom Lehrer oft zum Schuldirektor geschickt. Der angeklagte Junge wurde in einem Bericht als "aggressiv, extrem unangemessen, ohne Respekt" geschildert, wenn Lehrer sich in die Auseinandersetzungen einmischten und die Streithähne zu trennen suchten.

Über die Vorgänge, die zu den tödlichen Schüssen führten, hat sich der jugendliche Täter noch nicht geäußert. Der Vater des Getöteten bezweifelt die Behauptung, dass Computerspiele etwas damit zu tun haben. Ein Zeuge habe gesehen, wie sie Basketball gespielt hätten, kurze Zeit danach sei bereits der Krankenwagen gekommen: "Sie konnten nicht Computerspiele spielen, wenn sie Basketball gespielt haben."

Nach dem Schulmassaker von Littleton (1998), bei dem 12 Schüler und ein Lehrer starben, hatte die Witwe des erschossenen Lehrers 25 Medienunternehmen, vornehmlich Hersteller von Computerspielen, auf Schadensersatz in Höhe von 5 Milliarden Dollar verklagt. Die beiden Täter, der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris, sollen unter anderem viel die Ego-Shooter "Doom" und "Quake" gespielt haben. Die Klage hielt den Unternehmen vor, dass ohne die "Kombination dieser extrem gewalttätigen Computerspiele und der unglaublich großen Beschäftigung der Jugendlichen mit diesen sowie der Benutzung und Abhängigkeit von ihnen und der grundlegenden Persönlichkeiten der Jugendlichen diese Morde und dieses Massaker nicht stattgefunden hätte". Das Gericht hatte im März 2002 schließlich die Klage abgewiesen.

Schon zuvor wurde eine ähnliche Klage gegen Computerspielehersteller zurückgewiesen, da Computerspiele nicht unter die Gesetze zur Produkthaftung fallen. 1997 hatte Michael Carneal drei Schüler in Paducah erschossen.

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