Im Kopf eines Soldaten

Krystian Woznicki 23.05.2002

Pro und contra: Computerspiele im Krieg gegen den Terror

Im Rahmen der Electronic Entertainment Exposition, die diese Woche in Los Angeles läuft, werden zwei neue Spiele vorgestellt: Soldiers und Operations. Beide sind vom Moves Institute in Zusammenarbeit mit der US Armee entwickelt worden, um, wie es in der Pressemitteilung heißt, die "strategischen Botschaften" der US Armee, zu unterstützen.

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Etwa gleichzeitig wird die Kampagne Velvet Strike lanciert, eine Art von Counterstrike-Aktivismus. "Velvet Strike" wurde ganz unabhängig von den Entwicklungen des Moves Institutes, ebenso unabhängig von dem Erfurter Massaker ins Leben gerufen. Die Angriffsfläche des Projekts ist vielmehr der Krieg gegen den Terror.

"Operations". Naval Postgraduate School, MOVES Institute

Auf einer gesäuberten Version von "Unreal Tournament" basierend, soll "Operations" vor allem auch dazu dienlich sein, jungen Leuten eine Karriere bei der US Armee schmackhaft zu machen. Dieser Vorstoß überrascht kaum jemanden, der die Aktivitäten der US-Armee in den letzten Jahren verfolgt hat. Allein auf ihrer Website finden sich Menuoptionen wie "Army Interactive", die auf spielerische Weise in die Welt des Militärs führen. Alle, die womöglich nach diesem Besuch eine Laufbahn beim US-Militär tatsächlich in Erwägung ziehen, verirren sich dann vielleicht auf der Website Goarmy.com, wo sie ein weiteres Arsenal von ausgetüftelten Multimedia-Infotainment-Paketen im schicksten Multimedia-Design erwartet: Was bedeutet es heutzutage ein Soldat zu sein?

Ein Spiel wie "Operations" setzt an dieser Schnittstelle von Unterhaltung und militärischem Brandbuilding an. Das Ziel besteht darin, die Verquickung unterschiedlicher, erst im Entstehen begriffener Technologien und wissenschaftlicher Forschungsergebnisse auf spielerischer Basis zur Anwendung zu bringen. Dazu konnten Veteranenkünstler, Designer und Programmierer von so unterschiedlichen Industriegiganten wie Maxis, Electronic Arts, Sony und Kalisto gewonnen werden. Ihnen wurde angeblich quasi uneingeschränkter Zugang zu den Arbeitsbedingungen und zur hochentwickelten Ausstattung der Armee sowie zu den Köpfen von Militärexperten gewährt. Soldaten der Special Forces haben die Szenen dann auf fehlenden Realismus hin kritisiert.

Früh übt sich an einem MH-60K Black Hawk. Foto

Herausgekommen ist eine vermeintlich realistische Simulation dessen, was es heißt in der US Armee zu dienen. Die beiden Spiele, die im Doppelpack als "America's Army" verkauft werden, liefern einerseits intensive Action, die im Ego-Shooter-Modus auf Team-Missionen erfahren werden kann ("Operations"). Andererseits werden Details zur Berufsperspektive des Soldaten im Rahmen eines Rollenspiels vermittelt ("Soldiers"). Zu den technologischen Neuheiten gehört eine so genannte story engine, die selbstständig Szenarien kreiert, wodurch Wiederholungen vermieden und Abwechselung garantiert werden soll (siehe auch: US-Armee produziert First-Person-Shooter).

Die Kampagne "Velvet Strike" wurde ganz unabhängig von den Entwicklungen des Moves Institutes (Modeling, Virtual Environments, and Simulation Institute), ebenso unabhängig von dem Erfurter Massaker ins Leben gerufen. Doch liefert sie nicht zuletzt einen indirekten Kommentar auf eben solche Entwicklungen. Velvet Strike unterstreicht die Idee, dass Spiele wie Counterstrike ihren Spielern keine Realität aufoktroyieren, sondern dass die Spieler diese erst schaffen. So fordert Velvet Strike sie dazu auf, aktivistische Anti-Kriegs-Graffitis zu kreieren. Mit den neuen, über die Velvet Strike-Homepage erhältlichen Tools können diese in den virtuellen Spielräumen installiert werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12589/1.html
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