Waffenfans machen mobil

Peter Nowak 11.06.2002

Email-Kampagnen und andere Überlegungen zur Abwehr eines verschärften Waffenrechts

Nach dem Amoklauf eines Schülers in Erfurt konzentrierte sich die Debatte auf das Für und Wider einer stärkeren Reglementierung von Computerspielen. Weniger beachtet von der breiten Öffentlichkeit findet auch ein Kampf um stärkere Restriktionen im Waffenrecht statt. Ende vergangener Woche legte eine aus Vertretern von Bundestag und Bundesrat zusammengesetzte Arbeitsgruppe einen Gesetzesvorschlag vor. Kernpunkte sind die Erhöhung des Mindestalters für den Waffenerwerb von 18 auf 21 Jahre. Für Jäger soll die Altersgrenze von 18 auf 21 Jahre heraufgesetzt werden. Menschen unter 25 Jahre müssen nach diesen Vorschlägen künftig ein ärztliches und psychologisches Gutachten über ihre geistige Eignung vorlegen, bevor sie die Erlaubnis zum Erwerb einer genehmigungspflichtigen Waffe erhalten. Sogenannte Pump-Guns sollen ganz verboten werden, wenn die Vorschläge Gesetzeskraft erlangen sollten.

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Das allerdings will die deutsche Waffenlobby verhindern. Während im Forum Waffenrecht die klassische Lobbyarbeit mit leisen Tönen überwiegt, führt etwa der Deutsche Schützenbund eine Unterschriftensammlung gegen das neue Waffengesetz durch und artikuliert sich unter www.waffen-online.de die Basis der Waffenbesitzer. Dort wurde bisher hauptsächlich über neue Waffentypen gefachsimpelt. "SIG 210 - Erbitte Euren Rat wegen Schließfeder und Abschlußschuh" oder "Munition für Glock 17". Seit die Verschärfungen des Waffenrechts Gestalt annehmen, mischen sich aber plötzlich ganz andere Töne darunter.

So heißt es in einem am 30.Mai 2002 verfassten und an zahlreiche Bundes- und Landespolitiker sowie sämtliche Mitglieder des Innenausschuss adressierten Schreiben unter dem Titel "Die Tragödie von Erfurt und die Folgen für den Legalwaffenbesitz" ganz selbstmitleidig: "Durch massive und falsche Medienberichte stehen nun Millionen legaler Waffenbesitzer am Pranger." Der Autor kritisiert die "unwürdigen öffentlichen Auftritten einiger dieser Demagogen" wie die Politiker bezeichnet werden, die für ein verschärftes Waffenrecht eintreten. Vorgeschlagen wird keine erneute Verschärfung des Waffenrechts, sondern eine bessere Schulung des Schützen, da nicht die Waffen, sondern die Menschen töten.

Interessant sind die Ergebnisse des Politbarometers bei Waffen-Online, sofern man diese überhaupt ernst nehmen kann. Unter den Waffenfans ist die FDP mit 73% einsamer Spitzenreiter der favorisieren Parteien, gefolgt im weiten Abstand von der CDU mit 12%, die SPD bekommt 1%, die Grünen würden ganz leer ausgehen. Dass die Schützen mit ihren Wählerstimmen Gewicht haben, wissen sie schon. Wenn die Bearbeitung der Politiker mit Emails nicht gelingt, könnte man ja nach dem Vorschlag eines Forumsteilnehmers auch eine Partei gründen: "Wir sind immerhin ein paar Millionen Schützen mit ein paar Millionen Frauen, welche zu ihren Männern stehen sollten."

Interessanterweise entdecken Waffenfreunde jetzt manche Taktik der von ihnen sonst eher verlachten Ökopaxe. So zirkulieren auf den Internetseiten Hinweise auf Artikel wie den zur Politischen Kultur oder über Zivilen Ungehorsam. Manche Waffennarren entdecken allerdings auch andere Methoden und denken schon einmal darüber nach, nach dem Vorbild der USA Gegner des unbeschränkten Waffenbesitzes öffentlich zu brandmarken...

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12698/1.html
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