Die Deutschen lesen wieder

Ernst Corinth 18.06.2002

Suhrkamp sorgt für neue Lust am Buch

Wenn die Angaben stimmen sollten, dann wäre nach Auffassung des Suhrkamp-Verlages dieser Link www.martinwalser.de nicht erlaubt und womöglich gar eine Abmahnung wert. Die Abmahnung samt den damit verbundenen inflationären Anwaltskosten müsste allerdings zuallererst der Betreiber von martinwalser.de, ein Reiseführer-Verlag, bezahlen.

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Bernd - 16.06.02 23:33
Bei mir hat's mit dem download geklappt. Der Roman hat Humor ("...In diesem Augenblick senkt sich der universale Arsch Gottes aus dem Weltraum und scheißt seine Schöpfung ins Exit. Für immer. Welch ein Glück, denkt man, während man in der göttlichen Scheiße erstickt."), ich habe gut gelacht! Herr Ehrl-König bekommt (natürlich) sein Fett ab, aber nicht wegen seiner Religion, sondern wegen seiner Machtausübung. Schwarz oder weiss, Daumen nach oben oder unten, dazwischen ist nichts. Das tangiert mich allerdings reichlich wenig.

Unser Versuch, das Buch über die im Walser-Forum genannte Adresse herunterzuladen, funktionierte jedoch nicht. Der Server, hieß es, sei derzeit nicht erreichbar. Gleichwohl zeigt auch dieser kleine Vorfall, wie absurd die aufgeregte Jagd der Suhrkamp-Leute nach der Raubkopie in Wirklichkeit ist. Das erste Opfer ist bekanntlich der Betreiber von schockwellenreiter.de. Weil er auf seiner Seite einen Link auf die im Netz herumspukende Walser-Raubkopie veröffentlicht hat, soll er deswegen nun die immensen Mahnkosten der Suhrkamp-Anwälte zahlen.

Eine ziemliche Torheit des Verlages, die nicht nur - wie die ersten Boykottaufrufe im Netz zeigen - das Image des Hauses mehr als angekratzt, sondern die vor allem erst den enormen Ansturm eben genau auf die Seiten ausgelöst hat, auf der das Buch zum Download bereitsteht. Und das bereits seit Anfang Juni ­ wie Diskussionen in verschiedenen Literatur-Newsgroups beweisen.

Am vergangenen Wochenende, also kurz nach dem Bekanntwerden des juristischen Vorgehens gegen die virtuelle Raubkopie, ging jedenfalls nichts mehr: Die im Netz gehandelten Seiten meldeten stets und automatisch stur, dass sie völlig überlastet seien. Vermutlich nur auf einer einzigen deutschen Website war (und ist) eine Kopie noch zu erhalten.

Dass inzwischen offensichtlich fast jeder Hinz und Kunz nach dem vermeintlich skandalösen Buch im Netz sucht, zeigen auch die ersten Fakes. Wer beispielsweise über das Gnutella-Netz nach der beinahe schon legendären Datei "walser-tek.pdf" suchen lässt, bekommt durchaus einige Treffer angezeigt, doch die führen dann allesamt nur auf arg schnöde Pornoseiten. Und dort wird zwar alles andere befriedigt, aber auf keinen Fall die von Suhrkamp und seinen Anwälten neu erweckte große Leselust der deutschsprachigen Netzbewohner.

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12747/1.html
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