In Russland gedeiht die Sorge vor subliminaler Werbung
Die Angst vor der Manipulation durch Medien über das Bewusstsein unterlaufende Botschaften stammt aus den Zeiten des Kalten Kriegs und könnte sich einer neuen Konjunktur erfreuen
Die Faszination an und die Angst vor subluminalen, also nicht bewusst wahrnehmbaren Botschaften, die in Medieninhalten versteckt werden, um Menschen heimlich zu beeinflussen, stammt aus der Zeit des Kalten Kriegs, als auch die Macht der Geheimdienste groß war. Während in den USA, wo der CIA wirkt, der Verdacht auf versteckte Botschaften nach dem 11.9. in etwas veränderter Form wieder aufkam (Benutzen Terroristen versteckte Botschaften?), scheinen russische Politiker, geprägt vom Wirken des KGB, geradezu einen Totalverdacht vornehmlich gegen das Fernsehen zu entwickeln.
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| Versteckte Botschaften vermuten manche auch in Dollarscheinen. Schritt 1 |
Die Reaktionen lösten eine richtiggehende Hysterie aus. Die Angst vor den Machenschaften aus dem damaligen Reich des Bösen und den eigenen Geheimdiensten, die alles Mögliche anstellten und wie der CIA natürlich auch Forschung über subluminale Botschaften betrieben, kam hier mit dem unbedingten Fortschrittsglauben in Wissenschaft und Technik und den Ängsten zusammen, die von den Massenmedien ausgingen, in deren Welt man gerade erst wirklich eintauchte. Die Debatte über die Manipulierbarkeit der Menschen ging bis zum Parlament. Abgeordnete ließen sich den Film von Vicary vorführen, allerdings kam es damals nicht zu einem direkten Verbot. Erst seit 1974 kann die FCC einschreiten, da sublimale Werbung unabhängig von der tatsächlichen Wirksamkeit als Täuschungsversuch gilt.
"Subliminal Programming. We sometimes receive complaints regarding the alleged use of subliminal techniques in radio and TV programming. Subliminal programming is designed to be perceived on a subconscious level only. Regardless of whether it is effective, the use of subliminal perception is inconsistent with a station's obligation to serve the public interest because the broadcast is intended to be deceptive."
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Ein Werbespot der Republikaner im US-Präsidentschaftswahlkampf
Pikanterweise räumte Vicary einige Jahre später ein, dass sein Experiment nicht mehr als ein Gag war. Das allerdings kam schon zu spät, um die Faszination an und die Ängste vor den subliminalen Botschaften wieder aus der Welt zu schaffen. Obgleich es bislang keine empirischen Nachweise für deren Wirkung gibt, glauben noch immer viele Menschen daran und versuchen andere, den Glauben an die Manipulierbarkeit zu Geld zu machen, indem sie Produkte mit "guten" subliminalen Botschaften anbieten, um das Selbstbewusstsein zu steigern, Ängste zu vertreiben oder eine Sucht aufzulösen.
Beim letzten US-Präsidentschaftswahlkampf wurde allerdings das Thema kurzzeitig wieder hochgespült, nachdem Mitarbeiter von Al Gore in einem Werbespot der Republikaner gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten im Sommer 2000 entdeckt hatten, dass dort kurz "RATS" (Ratten) aufblitzte (Unterschwellige Werbung im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf?). Die Federal Communications Commission (FCC) hatte im März des letzten Jahrs allerdings endgültig abgelehnt, den Vorfall näher zu untersuchen. Die meisten der Sender, die den Spot ausgestrahlt hatten, gaben an, nichts von der Botschaft gewusst zu haben, ein paar, denen es aufgefallen war, sagten, sie hätten das Wort lesen können, weswegen sie annahmen, es habe sich eben nicht um eine subliminale Botschaft gehandelt. Etwas seltsam freilich ist die Begründung für die Einstellung der Überprüfung, weil 90 Prozent der befragten Fernsehsender "nicht einmal das Wort RATS bemerkt hatten, bevor sie den Spot gebracht hatten".
Bleibe sitzen und schaue nur ATN
In Russland geht man freilich härter zur Sache. Dort wird nicht nur Alkoholsucht mit dem "Codieren" des Gehirns durch Botschaften bekämpft, sondern veröffentlichte beispielsweise auch die neue Prawda letztes Jahr einen langen Artikel eines gewissen John Fleming über all die außerordentlichen Dinge, die man mit Überwachungssatelliten machen könne. Nichts könne den Augen aus dem All mehr entgehen, mit denen man auch Gespräche abhören, elektronische Instrumente wie Lampen aus der Ferne manipulieren, Menscher mit der Hilfe eines Laserstrahls töten oder den Geist eines Menschen "lesen" könne. Auch aus dem All bedrohen uns nach diesem wilden Schreiber bereits subliminale auditive Botschaften, mit denen Menschen dazu gebracht werden können, egal ob sie schlafen oder wach sind, etwas zu machen.
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| Schritt 2 |
Auf jeden Fall wurde in Russland im Sommer 2000 der im sibirischen Yekaterinburg ansässige Sender Avtorskiye Televisionniye Novosti, kurz: ATN, dicht gemacht, weil er immer wieder schnell die Botschaft hatte aufblitzen lassen: "Bleib sitzen und schaue nur ATN an." Ob sich daraufhin die Zahl der Zuschauer auffällig vermehrt hatte oder diese süchtig vor dem Fernseher klebten, interessierte in dem Fall nicht. Der für die Medien zuständige Minister Michail Seslavinsky schloss kurzerhand Sender (Subliminale Werbung - die geheime Verführung?).
"Gefährliche Programme" in vielen russischen TV-Sendungen
Vielleicht sind die Politiker dadurch erst wirklich auf den Geschmack gekommen - oder man glaubt in Russland eifrig an die Wirksamkeit solcher subliminaler Botschaften, die bislang offensichtlich vor allem bei den Fernsehsendern vermutet werden. Wie Moscow Times berichtete, hat Valery Sirazhenko, die für die Presse zuständige Staatssekretärin, nach einem Treffen von Mitarbeitern des Presseministeriums mit dem Kartellamt "einige Fernsehsender" gewarnt, von denen man wisse, das sie "subliminale Werbung" senden: "Es ist ein nachgewiesener Sachverhalt, dass einige Fernsehsender subliminale Aufnahmen verwenden."
Das sei zwar schwierig zu entdecken, soll Sirazhenko gesagt haben. Deswegen habe man dies bislang auch nur dem oben erwähnten Fernsehsender nachweisen können. Damals habe man das Gesamtrussische Wissenschaftliche Institut für Fersnehen und Radio (VNIITR) eingeschaltet, das zu dem Schluss gekommen sei, ATN beeinflusse die Zuschauer psychologisch negativ. Seitdem aber sei man technisch weiter gekommen und könne bald solche verbotenen Sendungen erkennen.
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| Schritt 3 |
So hat Svetlana Nemtsova Moscow Times gesagt, dass man bald ein Computersystem entwickelt habe, um gleichzeitig alle Fernsehsender zu überwachen. "Verdächtige Bilder" würden automatisch in einer Datei gespeichert, um sie später genauer überprüfen zu können. Auch sie scheint der Meinung zu sein, dass viele Agenturen subliminale Botschaften in den Bildern verstecken: "Viele Sender strahlen sehr gefährliche Programme aus." Rechtlich aber könne man noch nicht wirklich dagegen vorgehe, da Artikel 4 des Gesetzes für Massenmedien nur die Verwendung von Bildern verbiete, die "gesundheitsschädlich" sind, ohne dies näher zu definieren.
Kartellminister Ilya Yuzhanov erklärte, dass mit der Zunahme der Werbung in den Massenmedien auch die Verstöße mehr werden, weswegen ein neues Gesetz für die Werbung notwendig sei. Meist handelt es sich bei den Verstößen um die Verwendung von Bildern von Kindern, die für Banken oder Bier werben sollen oder in gefährlichen Situationen, aber auch mit mangelndem Respekt gegenüber den Eltern gezeigt würden. Er erwähnte auch, dass Fernsehstationen manche Werbespots lauter ausstrahlen würden, was man aber nicht verhindern könne.
Kontrolle der Medien
Ob das Vorgehen gegen subliminale Botschaften in der Fernsehwerbung eine genuine Sorge ist oder möglicherweise allgemein ein Misstrauen gegenüber den medialen Manipulationsmöglichkeiten zum Ausdruck bringt, muss offen gelassen werden. Politisch wird jedenfalls von der russischen Regierung versucht, die Medien zu kontrollieren und unabhängige Sender wie NTV oder TV-6 auszuschalten, was wiederum die Angst vor Manipulation in der Bevölkerung schüren könnte (Keine Revolte). Gerade erst wurde ein Geheimdienstoffizier des KGB-Nachfolgers FSB zum Direktor des Gesamtrussischen Fernseh- und Radiounternehmens (VGTRK) ernannt, das für "Informationssicherheit" zuständig ist. General Kobaladze vom Auslandsgeheimdienst wurde bereits zuvor zum stellvertretenden Direktor der offiziellen Nachrichtenagentur ITAR-TASS ernannt, General Vladimir Kozlov vom FSB zum stellvertretenden Medienminister.
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| Auch das Pentagon geht in Flammen auf |
Auf dem Tisch liegt auch ein neues Gesetz, mit dem der Extremismus bekämpft werden soll. Es hat bereits die erste und die zweite Lesung in der Duma mit großer Mehrheit passiert. Man erwartet, dass es auf Druck des russischen Präsidenten schon im Sommer verabschiedet werden kann. Dann könnten Behörden nicht nur Parteien oder Organisationen verbieten, die des Extremismus verdächtigt werden, sondern auch Zeitungen, Fernsehsender oder Websites schließen, die extremistische Ideen verbreiten. Überdies soll eine Behörde eingerichtet werden, dei Informationen über verdächtige Extremisten sammelt.
Auch wenn es heißt, dass davon das "Vertreten legitimer Rechte und Freiheiten" nicht behindert werden darf, ist für Kritiker die Definition des Extremismus viel zu ungenau, unter die fast jede politische oder religiöse Aktivität fallen könne. Als Extremismus gilt jede Tätigkeit, die darauf abzielt, die bestehende Ordnung zu stürzen, die den Rassenhass fördert oder "die legitime Arbeit der Behörden behindert".
http://www.heise.de/tp/artikel/12/12809/1.html- subliminale Werbung im deutschen Fernsehen? (1.7.2002 21:44)
- nö - RIAS sende immer noch von berlin nach berlin ;) (owt) (29.6.2002 22:15)
- Und von wo aus? (29.6.2002 14:12)
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