Hackerzinken

Torsten Kleinz 30.06.2002

Warchalking - Hacker markieren Funknetzwerke mit Kreide

Wardriving, das Aufspüren von Funknetzwerken (WLAN), ist zu einer Art Volkssport unter Hackern geworden. Mit einem Laptop und frei erhältlichen Programmen kann sich praktisch jeder in fremde Netzwerke einklinken. Um auch andere an dem Spaß teilhaben zu lassen, malen die WLAN-Aktivisten nun Zugangskennungen von Netzwerken an die Wände.

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Der Trend kommt wie üblich aus den USA. Dort sind schon lange Enthusiasten unterwegs, die Funknetzwerke aufspüren, um kostenlos im Internet zu surfen oder ein wenig zu spionieren. Aber auch in Großbritannien und Deutschland ist Wardriving mittlerweile beliebt. Der Brite Matt Jones hat jetzt eine Karte veröffentlicht, auf der die Symbole zum Markieren Funknetzwerken festgehalten sind. Zwei offene Halbkreise stehen beispielsweise für ein unverschlüsseltes Netz.

Freie Netze

Warchalking folgt der Philosophie von vielen Bürgerinitiativen, die flächendeckenden Internetzugang für jeden anbieten wollen (siehe Freie drahtlose Bürgernetze, Teil 1). Es gibt zwar schon erste Datenbanken, die öffentliche Funknetzzugänge in Deutschland katalogisieren, so zum Beispiel das Angebot von Mobilaccess. Allerdings gibt es ein Problem: Wenn man die Datenbank aktuell nachschlagen will, muss man schon online sein. Die Katze beißt sich in den Schwanz, wenn nur der einen Onlinezugang bekommt, der schon einen hat.

Es ist umstritten, ob das Einloggen in fremde ungesicherte WLANs strafbar ist. Gar nicht oder nur schwach gesicherte Funknetzwerke entsprechen, grob gesagt, einem Netzwerkkabel, das aus dem Fenster hängt. Jeder der vorbeikommt, kann sich einstöpseln und ist direkt im Netzwerk der Firma, der Arztpraxis oder der WG. Das Veröffentlichen von fremden Zugangskennungen dürfte jedoch auf alle Fälle zu juristischen Komplikationen führen, wenn die Eigentümer der Netze nicht einverstanden sind.

Auch hier erfüllt die Kreide ihren Zweck. Eine Kreidezeichnung ist anonym und kann nicht zurückverfolgt werden. Zudem werden nur Leute informiert, die vor Ort sind. So werden Skriptkiddies nicht künstlich herbeigelockt, um fremde Netze zu sabotieren.

Gaunerzinken

Ganz neu ist die Idee nicht. Schon seit Jahrhunderten gibt es Geheimzeichen von Landstreichern, die man an Zäunen oder auf Türrahmen fand. Die so genannten Gaunerzinken markierten günstige Gelegenheiten und warnten vor Gefahren wie zum Beispiel bissigen Hunden.

Es bleibt abzuwarten, ob in Zukunft die Hauswände mit Zugangskennungen übersät sein werden. Doch spätestens im regnerischen Herbst werden die Warchalker wohl auf andere Materialien als Kreide zurückgreifen müssen.

http://www.heise.de/tp/artikel/12/12823/1.html
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