Das Wimmern nach der Peitsche: Sicherheit und Kontrolle

13.07.2002

The WTC Conspiracy L

"Die gestohlene Wahl; Druck auf Journalisten und FBI die Untersuchung der Bin Ladin Familie einzustellen; Pipeline Verhandlungen mit den Taliban bis Juli 2001, zugegebene 43 Millionen Dollar Bestechung; geheime Energie-Meetings; 2,1 Billionen Dollar aus dem Pentagon-Etat werden vermisst - (Rumsfeld erklärt deshalb am 10. September 2001 intern "Krieg" ) - Bush wünscht er wäre ein Diktator; er verweigert die Freigabe von Reagan-Akten, Bush im August in Ferien, während Ashcroft keine öffentlichen Fluglinien mehr benutzt; FBI-Anfragen zur Verfolgung Verdächtiger werden von oben gestoppt, die gerühmten Geheimdienste CIA und NSA sind einfach desertiert; nicht einmal, sondern zweimal behauptet Bush, dass er das erste Flugzeug in das WTC fliegen sah (NIEMAND sonst sah es live, der französische Kameramann, der es filmte veröffentlichte es erst später); Bush hört Kindermärchen an und fliegt in ein Versteck, stellt sicher, dass die offizielle Story und die gelegten Beweise (Koran in StripClubs, Testamente in Koffern, Autos voll mit "Beweisen") ins öffentliche Bewusstsein dringen, erklärt den Krieg ohne Zustimmung des Kongresses, versucht, Demokraten in Schlüsselpositionen mit in USA hergestelltem Anthrax ausschalten zu lassen; lässt Donald Rumsfeld implizit behaupten, dass die Öffentlichkeit belogen wird; stets passende Videos und Statements des CIA-Aktivisten Bin Ladin; Bush und Cheney nehmen Tom Daschle in die Zange und pressen ihn dazu, nicht näher zu untersuchen, was am und nach dem 11.9. wirklich geschah; Verbindungen der republikanischen Partei zu Hamas und anderen islamischen Fundamentalisten über ihren Mitarbeiter Grover Norquist und den Safa Trust; Promotion des Heiligen Kriegs zwischen Moslems und Juden im Mittleren Osten (gut für Papa Bushs Carlyle Group), US-installierte Diktatoren belohnen die Familien von Selbstmordbombern; permanente offenkundige Propaganda der Medien-Huren, Drohungen gegen Widersprechende, die fragen, was Bush wusste und wann.... Oh heiliger Jesus, Du musst schon hirntot sein oder ein Komplize, um etwas anderes zu glauben, als dass dies der amerikanische Reichtagsbrand ist und seine Folgen die Tarnung, die von faschistischen Theokraten - dem militärisch- industriellen Komplex und rechtsgerichteten Ölbaronen - benutzt wird, um ein neues Amerika zu schaffen."

So lautete vor einigen Tagen das Editorial der kanadischen Webseite Print Think - und da mir diese Suada wie Butter runterging, fragte ich mich, ob ich vielleicht doch langsam ein bisschen gaga geworden bin in diesem konspirologischen Realitätstunnel. Denn was passiert, wenn man zu jeder der obigen Behauptungen ein paar Minuten googelt? Die Liste wird nicht etwa entkräftet, sondern belegt, bestätigt, ergänzt, d.h. es kommt noch viel dicker: der Anthrax-Täter, von dem die New York Times noch als "Mr. Z" redet, ist mit großer Wahrscheinlichkeit als Dr. Steve Hatfill identifiziert. Nur eine Handvoll Personen hatten Zugang zu dem im US-Militär-Labor Fort Detrick gezüchteten Bakterienstamm. Der Biowaffen-Experte, der vor seinem dortigen Job u.a. für die rhodesischen und südafrikanischen Apartheid-Regierungen arbeitete, wird aber nicht verfolgt.

Generalstaatsanwalt Ashcroft gibt Anweisung an Bibliotheken, Lesegewohnheiten des Publikums zu registrieren und weiterzumelden. Das Pentagon lässt testen, wie Drogen in der psychopharmakologische Kriegsführung eingesetzt werden können. Die neue Stasibehörde für "Homeland Security" soll nach dem Willen Bushs vom "Freedom of Information Act" ebenso ausgenommen sein wie vom "Whistleblower Protection Act", d.h. keinerlei öffentliche Rechtfertigung für ihre Aktivitäten, kein Schutz für Mitarbeiter, die Missstände melden.

"Einschneidende Sicherheitsmaßnahmen. Universelle elektronische Überwachung. Keine flexiblen Gesetze, strikte Gesetze. Totale Aufhebung des Postgeheimnisses. Abnahme von Fingerabdrücken, Fotografieren, Bluttest und Urinanalyse ausnahmslos von jeder arretierten Person, noch bevor ihr ein Vergehen zur Last gelegt werden kann. Gesetze, die ein Sich-Widersetzen gegen gesetzlose Festnahme gesetzlos machen. Gesetze, die als Grundlage für die Errichtung von Straflagern für potentiell Subversive dienen. Waffenkontrollgesetze. Reisebeschränkungen. Weißt du, Politmorde schaffen im öffentlichen Bewusstsein das Bedürfnis nach solchen Gesetzen. (...)
Beim derzeitigen Stand werden die Illuminaten das amerikanische Volk innerhalb der nächsten paar Jahre unter eine strengere Aufsicht stellen, als es Hitler mit den Deutschen machte. Und das Schönste daran ist noch, dass die Mehrzahl der Amerikaner durch die von Illuminaten gedeckten Terroranschläge so weit in Angst versetzt sein werden, dass sie darum betteln werden, kontrolliert zu werden, wie der Masochist nach der Peitsche wimmert."

Das Zitat, das mir ein freundlicher Leser zuschickte, stammt aus dem Jahr 1971, als Robert Shea und Robert Anton Wilson ihren Roman fertigstellten. (Robert Shea/ Robert Anton Wilson: Illuminatus - Das Auge in der Pyramide (1975), 23.Auflage, September 2001, S 261 f). Als wir uns 1999 zu einem Interview trafen, erzählte Wilson, dass er auch nach 25 Jahren immer noch Post erhält, die ihn auf fehlende oder neue Zusammenhänge in dieser Mega-Verschwörung aufmerksam machen. Kein Wunder eigentlich, wenn sich die Fiktion als derart prophetisch und gruselig nah an den Fakten erweist. Jede Behauptung aus diesem fiktiven Szenario ließe sich mit aktuellen Nachrichten ebenso dokumentieren wie der eingangs zitierte journalistische Kommentar.

1898 veröffentlichte der ehemalige Seefahrer Morgan Robertson seinen Roman "Futility", in dem er den Untergang der "Titanic" 14 Jahre später bis ins Detail vorwegnahm: Das luxuriöse Passagier-Schiff galt als unsinkbar, wurde im Nordatlantik von einem Eisberg gerammt, hatte zuwenig Rettungsboote an Bord - und hieß überdies "Titan". Ob solche Koinzidenzen nun einfach einer merkwürdigen Anhäufung von Zufällen geschuldet sind oder dichterischer Hellseherei, ist ebenso interessant wie die Frage, ob die sich manifestierende Realität sich am Ende vielleicht sogar nach Mustern ausrichtet, die zuvor auf einem immateriellen, geistigen Feld geprägt worden sind. Ist am Ende das bushistische Szenario 2001 ff. von den paranoisch-parodistischen Fiktionen beeinflusst, die zwei bekiffte Autoren Anfang der 70er in die Welt gesetzt haben?

Wie auch immer. Schon als Ende Oktober bekannt wurde, dass der "Terrorpilot" Atta vom pakistanischen CIA-Partner ISI bezahlt worden war, hatte ich mir die Fortschreibung dieser Geschichte durch meinen Lieblings-Spionageautor John le Carré gewünscht (Manus Manum Lavat - Money Money Lavamat). Mittlerweile lässt sich anders als fiktional der Realität wohl kaum noch beikommen. Fakten, Dokumente, offensichtliche Ungereimtheiten, Widersprüche, Verdachtsmomente aufzulisten und "vernünftig" zur Diskussion zu stellen, diese Methode öffentlicher Meinungsbildung und Wahrheitsfindung scheint nach dem 11.September ausgedient zu haben, zumindest was ihre Massenwirksamkeit betrifft. Es interessiert einfach kein Schwein (gerade deshalb machen wir auch nach der 50. Folge hier weiter!)

Die Medienhuren erledigen ihren Job perfekt, die Masse wimmert nach der Peitsche: Sicherheit und Kontrolle. Bei den Mid-Term-Elections am 5.November werden sie die Bushisten nicht aus dem Kongress jagen, - falls die Umfragen knapp werden, macht es eben vorher nochmal irgendwo Bumm oder Bush präsentiert gar den Kopf des prominentesten CIA-Aktivisten, Mr. Bin Ladin. Wer Usama fängt (oder Saddam erledigt), wird auf jeden Fall wiedergewählt. Was ansonsten so läuft, erfahren wir weniger von den Mietschreiberlingen und Propagandalautsprechern des Medienbordells, sondern von den vorausschauenden Phantasten der Literatur. Für brandaktuelle Recherchen empfehle ich zur Neulektüre, neben "Illuminatus", vor allem George Orwell ("1984") und Aldous Huxley ("Schöne Neue Welt").

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