Die Fake-Fluter

12.07.2002

Overpeer Inc. versucht, Tauschbörsen mit einer zum Patent angemeldeten "Methode zur Verhinderung sinkender Plattenverkäufe" zu unterwandern

In den letzten Wochen sind zahlreiche manipulierte MP3-Dateien in Filesharing-Netzwerken aufgetaucht. Dahinter steckt offenbar die New Yorker Firma Overpeer, die im Auftrag der Musikindustrie Tauschbörsen unbenutzbar machen soll.

Damit hatte Ciarán T. nicht gerechnet. Eigentlich wollte er sich einen Song der Band No Doubt aus dem Netz laden. Mit der Tauschbörse seiner Wahl eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Doch als er die MP3-Datei abspielte, bekam er an Stelle der No Doubt-Sängerin Gwen Stefani nur eine Männerstimme zu hören, die minutenlang monoton einen einzigen Satz wiederholte: "You shouldn't do this."

Wie Ciarán T. ist es in den letzten Wochen vielen Tauschbörsen-Nutzern ergangen. Immer öfter tauchen in den Filesharing-Netzwerken manipulierte Songs auf. Tracks, in denen nach einigen Takten plötzlich gar nichts mehr zu hören ist. MP3s in hundsmiserabler Qualität. Songs mit Störgeräuschen, schwankender Lautstärke, seltsamen Warnungen. Am meisten Schlagzeilen erregten diese manipulierten Dateien im Fall der neuen Eminem-CD. Schon Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung der "Eminem Show" tauchten alle Tracks des Albums im Netz auf - allerdings in offenbar speziell für die Tauschnetzwerke gefertigten Versionen. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, acht Takte der Stücke zu sauber über die Original-Länge der Stücke zu loopen.

Ganz klar, das war kein Scherz. Hier versuchte jemand, die Filesharing-Netzwerke gezielt zu verstopfen, um den Tausch der Originale zu verhindern. Wie der Zufall es so will, ist bei Eminems Plattenfirma Interscope auch No Doubt unter Vertrag.

Das Patent fürs Fluten

Vor einigen Tagen veröffentlichte nun das Online-Magazin Zeropaid.com das Gerücht, die New Yorker Firma Overpeer stecke hinter den Fake-MP3s. Overpeer ist ein Startup, das in der Filesharing-Welt bisher vollkommen unbekannt war. Die Firmen-Website verrät denn auch wenig über Arbeitsweise und Auftraggeber.

Auf der Website des Inkubators SK Technologies wird Overpeers Geschäftsfeld dagegen schon etwas deutlicher. Dank einer zum Patent angemeldeten Technologie könne man Piraterie in Netzwerken wie Gnutella oder Fasttrack stoppen, heißt es dort.

Tatsächlich haben die Overpeer-Gründer erst vor zwei Wochen in den USA ein Patent für eine "Methode zur Verhinderung sinkender Plattenverkäufe durch die illegale Verbreitung von Musikdateien in Kommunikationsnetzwerken" angemeldet. Darin wird beschrieben, wie man gezielt MP3s manipulieren und dann in Tauschnetzwerke einspeisen kann. Als mögliche Veränderungen werden "das Einfügen einer Stimme", "das Herabsetzen der Samplequalität" oder auch gezielter Einsatz von Verzerrungseffenkten genannt. Durch solche Manipulationen werde "bei den Nutzern ein Misstrauen gegenüber der Sound-Qualität und Verlässlichkeit illegaler Musikdateien" erzeugt. Dies steigere letztlich die Plattenverkäufe.

Offenbar verfügt Overpeer bereits über beste Kontakte zur Musikindustrie. CEO des Unternehmens ist Marc Morgenstern, der früher als Vizepräsident des amerikanischen GEMA-Pendants ASCAP arbeitete und dort für den Bereich neue Medien zuständig war. Laut Zeropaid.com war Morgensterns Vater zudem Jahrzehnte Mitglied des ASCAP-Vorstands.

Die Ironie des Schicksals will es allerdings, dass Overpeer auch den erklärten Feinden der Musikindustrie eng verbunden ist. Overpeer-Inkubator ist die SK Group, die zum koreanischen Sunkyonk-Konzernverbund gehört. Teil dieses Unternehmens ist auch die Firma SK Chemicals. Deren Spezialität: die Herstellung von CD-Rohlingen.

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