Entwarnung für 2019

Florian Rötzer 29.07.2002

Astronomen kritisieren die Medienaufregung nach der Meldung, dass nach ersten Berechnungen der Asteroid 2002 NT7 der Erde gefährlich nahe kommen könne

Jeder Komet oder Asteroid, der der Erde gefährlich nahe kommen könnte, findet nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern es wird, um den nachrichtenwert zu steigern, die Bedrohung auch gerne überhöht. So geschah dies auch letzte Woche, als Astronomen meldeten, der Asteroid 2002 NT7 mit einem beachtlichen Durchmesser von zwei Kilometern würde sich am 1.2. 2019 der Erde nahe kommen, so dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoß bestünde.

  • mobil
  • drucken
  • versenden
Bild

Allerdings hatten die Astronomen auch mitgeteilt, dass ihre Berechnung der Flugbahn des erst kurz zuvor entdeckten Asteroiden noch sehr ungenau sei und weitere Beobachtungen notwendig wären, um wirklich eine zuverlässige Voraussage zu ermöglichen. Gleichwohl hatten ihm italienische Astronomen auf der sogenannten Palermo-Skala, mit der das Risiko eines Einschlags angegeben wird, erstmals einen positiven Wert gegeben und ihn mit 0,38 eingestuft. Wissenschaftler von der Nasa waren bereits vorsichtiger, gaben ihm einen negativen Wert, aber stuften ihn immerhin mit 1 auf der auf der Turiner-Skala ein, was bedeutet, dass man den Himmelskörper zumindest weiter genau beobachten soll (Wird es 2019 gefährlich?).

Tatsächlich haben die letzten Beobachtungen aber ergeben, dass der alle 2,29 Jahre das Sonnensystem kreuzende Asteroid 2019 mit aller Wahrscheinlichkeit der Erde nicht gefährlich werden wird. Das Jet Propulsion Laboratory der Nasa meldet heute, dass man die wahrscheinlichkeit einer Kollision für 2019 mittlerweile ganz ausschließen könne. Man könne zwar auch jetzt noch nicht die Möglichkeit ausschließen, dass ein Risiko für den 1. Februar 2060 besteht, aber auch das werde sich durch weitere Beobachtungen vermutlich schnell herausstellen. Bei JPL wurde der Wert auf der Palermo-Skala inzwischen auf -1,00 und weniger angesetzt.

Schon zuvor hatte Yeoman erklärt, dass auch eine Einschlagswahrscheinlichkeit von 1:250.000, wie man sie vor einer Woche noch angenommen hatte, keinerlei Anlass zur Beunruhigung darstellt. Überdies habe man den Asteroiden erst wenige Tage beobachten können, was jede Berechnung unsicher macht. Stets aber würden die Medien die Gefährlichkeit aufblähen, während kurz darauf in aller Regel Entwarnung gegeben werde. Die Astronomen hatten nach solchen Vorkommnissen zwar bereits beschlossen, nicht gleich mit nicht überprüften Berechnungen an die Öffentlichkeit zu gehen, aber das fällt halt auch Wissenschaftlern schwer, die wissen, welche Resonanz solche Meldungen finden, selbst wenn sie explizit auf die Vorläufigkeit der Berechnungen hinweisen.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13005/1.html
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS