Firewall statt Feuerwehr?

Christoph Bieber 02.08.2002

Der "poldi-Award" soll Bürgerengagement im Netz würdigen

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause veröffentlichte die Enquete-Kommission des Bundestages Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements die Resultate ihrer mehr als zweijährigen Arbeit. Nicht weniger als 851 Seiten zählt das opulente Werk, und damit nicht genug, denn diverse Sonderaspekte wurden zudem in 10 Einzelbände gepresst, die nun allmählich erscheinen. Ein Blick auf das Konvolut zeigt: die Zukunft ehrenamtlichen Engagements wird auch im dritten Jahrtausend eher am Feuerwehrschlauch als am Firewall vermutet.

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Dass die so genannte Bürgerarbeit auch vermittels digitaler, interaktiver Medien funktioniert, ist der Enquete-Kommission zwar nicht völlig verborgen geblieben, doch umfasst der entsprechende Abschnitt im Schlussbericht ganze 10 Seiten. Das noch immer exotische Image des Internet erschwert offenbar das Zusammendenken von ehrenamtlicher, bürgerorientierter Tätigkeit, modernen Kommunikationstechnologien und vermeintlich ebenso licht- wie politikscheuen Computerfreaks - und dabei bietet das Umfeld digitaler, interaktiver Medienwelten längst zahlreiche Beispiele, die den Tatbestand der "Bürgerarbeit" bestens erfüllen.

So sind viele der in den letzten Jahren entstandenen Informations-, Kommunikations- und Aktionsplattformen im Internet Produkte bürgerschaftlichen Engagements: Betreiber, Programmierer, Autoren und Techniker erbringen den größten Teil ihrer Leistungen für politische Projekte im Internet auf ehrenamtlicher Basis. Organisationen wie der Chaos Computer Club, der "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs" (Foebud), der "Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft" (Fitug), das "Forum Informatiker für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung" (Fiff), der "Verein zur Pflege von Medienkulturen" (Mikro), Initiativen zur Meinungsfreiheit wie ODEM oder auch Kampagnen nach dem Muster von ungetaktet.de sind gerade mal die einigermaßen bekannte Spitze des Engagement-Eisbergs im Netz.

Um solche Projekte und Initiativen noch stärker in den Fokus der Debatte um "zivilgesellschaftliches Engagement" zu rücken, hat der Berliner Verein pol-di.net die Initiative ergriffen und vergibt im Rahmen der Tagung eDemocracy in der Zivilgesellschaft, die am 28. und 29. August in Berlin statt findet, mit dem poldi-Award den ersten Preis für eDemocracy in Deutschland.

Mit dem "poldi-Award" soll auf die Entstehung zahlreicher Prämierungsversuche reagiert werden, die - bis auf wenige Ausnahmen wie etwa den Grimme-Online-Award - den populären und quotenorientierten Netz-Mainstream in den Vordergrund gestellt haben. Die wesentlich weniger spektakulären, aber gesellschaftlich bedeutungsvollen Bemühungen, das Internet als bürgerfreundliches und demokratieförderndes Medium einzusetzen, sind bislang durch das Raster solcher Preisverleihungen gefallen.

Beim "poldi-Award" stehen erstmals Websites, Initiativen und Organisationen im Mittelpunkt, die sich mit den politischen Implikationen des Mediums und der adäquaten Nutzung der neuen Kommunikationsformen auseinandersetzen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf Angebote im Internet gerichtet, die neue Wege in der Vermittlung von politischen Sachverhalten, im Angebot von Bildungsangeboten sowie in der Organisation und Stärkung von Bürgerinteressen eröffnen. Prämiert werden ausschließlich Online-Initiativen in der Trägerschaft von Bürgern bzw. von Bürgern organisierten Vereinen oder Initiativen mit vorrangig nichtkommerziellem Interesse. Bei der mit immerhin 5000 Euro dotierten Hauptkategorie "Demokratie und Bürgerengagement" gibt es zudem die Möglichkeit zur Nominierung und Bewertung durch die Online-User. Noch bis zum 15. August können Nominierungen vorgenommen werden. Bis zum 25. August dauert der anschließende Wahlzeitraum, der ein Ranking der nominierten Angebote durch die Online-Nutzer ermöglicht.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13012/1.html
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