Suche nach Soulseek

Peter Mühlbauer 06.08.2002

Dem Filesharingsystem kam die Domain abhanden

Seit Samstag herrscht Verwirrung bei Soulseek-Benutzern: Wer sich aus dem Filesharingsystem verabschiedete, konnte sich nicht mehr einloggen. Und wer auf der Domain soulseek.org Rat suchen wollte, wurde noch mehr verunsichert: Sie war vom Netz genommen worden.

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Erst ein Blick in das ausgelagerte Soulseek Forum konnte der Störung abhelfen. Hier gab Nir Arbel, ehemaliger Napster-Programmierer und jetzt Betreiber von Soulseek, bekannt, dass sich Benutzer mit dem Client 137temp, der den Domaincheck überspringt, wieder einloggen können - auch wenn derzeit das Angebot ob der Verwirrung um die Funktionstüchtigkeit noch deutlich geringer ist als vor den Domainwirren. Den neuen Client gibt es unter der Domain sk.nikita.cx, die - wie es sich für ein Instrument der Gabenökonomie gehört - auf den Weihnachtsinseln beheimatet ist.

Wie kam es zum Domainverlust? Arbel versuchte soulseek.org von names4ever.com auf einen anderen Registrar zu Transferieren. Die Firma verweigerte jedoch den Transfer und nahm die Domain am Samstag vom Netz. Nach einer Beschwerde Arbels sicherten sie ihm schließlich zu, den Transfer zu erlauben - auf den dieser allerdings immer noch wartet.

Der Soulseek-Betreiber will auf Rückfrage nicht ausschließen, dass der Verband der amerikanischen Musikkonzerne, die RIAA, Druck auf die kalifornische Firma Abakus Inc., der der Registrar names4ever.com gehört, ausgeübt hat.

Soulseek zählt aufgrund seiner zentralen Struktur und seines Napster-ähnlichen Protokolls zur angreifbareren Sorte von Filesharingsystemen. Nach dem Ende von Audiogalaxy (Vgl. Auf der Suche nach einer neuen Musik-Galaxie) zog der eigentlich nur zum Tausch von Elektro entstandene Soulseek-Client auch andere musikalische Genres an und entwickelte sich zur ersten Wahl für die Suche nach selteneren Stücken aller Art. Mit einer PayPal-Zahlung konnten Nutzer einen Vorzugsstatus erwerben, der sie in Warteschlangen nach vorne setzte und ihnen ökonomisches Filesharing auch ohne Flatrate ermöglichte. Seit dem Frühjahr 2002 konnte man mit dem von Alex Kanavin entwickelten PySoulSeek auch mit Mac OS X und GNU/Linux auf Soulseek zugreifen.

Fast zeitgleich mit dem Ausfall von Soulseek veröffentlichte die spanische Firma Bitmap Multimedia die endgültige Version ihres neuen dezentralen Filetopia-Clients. Weil dieses Filesharingsystem den Dateientausch verschlüsselt, gilt es langfristig als vielversprechendster Client, auch wenn derzeit das Angebot noch etwas dünn ist. Eine GNU/Linux-Version mit einem Kommandozeilen-Client und einem zusätzlichen graphischen Web- oder Java-Interface ist gerade in Planung.

Um Filetopia auch in protototalitären Staaten, die starke Verschlüsselung verbieten, legal zu halten, gaben die gewitzten Programmierer dem Benutzer die (theoretische) Möglichkeit, die Schlüssellänge auf 64 Bit herabzusetzen. Im Gegensatz zu anderen Clients erfreut bei Filetopia darüber hinaus sogar das Lesen der Lizenzvereinbarung die Herzen so mancher Benutzer: Dort wird Regierungsstellen und deren Beauftragten die Benutzung ausdrücklich verboten und die Ausschöpfung aller Rechtsmittel gegen Zuwiderhandlungen angekündigt.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13045/1.html
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