Das Radiosterben geht weiter
In den letzten Tagen wurden Tausende von Internetradios vom Netz genommen
Immer mehr Netzradios müssen aufgrund der neuen US-Gebührenordnung für Online-Streaming ihren Betrieb einstellen. Zum bisher größten Exodus kam es letzte Woche, als der Radio-Hoster Live365.com Tausende von Streams vom Netz nahm.
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Wer sich in diesen Tagen auf der Website von Live365.com umschaut, erlebt eine unangenehme Überraschung: Tausende von Streams des Webradio-Hosters sind praktisch über Nacht nicht mehr erreichbar. Zwar tauchen die Sender noch im Genre-Verzeichnis auf, doch der Link zum Stream ist grau gefärbt. Wer dennoch darauf klickt, erfährt lediglich: "Der Betreiber dieser Station hat seine Lizenz-Administrations-Gebühren nicht bezahlt."
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Grund für diese Massenabschaltung sind die vom US-Gesetzgeber Ende Juni eingeführten Lizenzgebühren für Radioübertragungen im Netz. Ab dem ersten September müssen Netzradiobetreiber 0,07 Cents pro Song und Hörer an Plattenfirmen und aufführende Musiker zahlen. Die Mindestgebühr beträgt 500 Dollar pro Jahr. Live365.com übernimmt für die meisten seiner Broadcaster diese Gebühren, will diese aber an den anfallenden Kosten beteiligen. Dazu wurde nun eine "Royalty Administration Fee" genannte Gebühr eingeführt, die mit fünf Dollar pro Monat relativ niedrig bemessen ist. Dennoch haben sich unzählige Radiobetreiber dafür entschieden, ihren Sendebetrieb lieber einzustellen.
Die teure Revolution
Live365.com begann 1999 als typisches Dotcom mit dem Versprechen, das Radio revolutionieren zu wollen. Jeder sollte ganz einfach zum Betreiber eines weltweit empfangbaren Radiosenders werden. Finanziert werden sollte das Angebot über Werbeeinnahmen. Als dann der Bannerwerbemarkt zusammenbrach, begann Live365 langsam aber sicher, sein Angebot zu kommerzialisieren. Ende 2000 wurden Audiowerbejingles eingeführt (vgl. Webcasting am Scheideweg), mit denen die "Radio-Revolution" dann doch wieder sehr wie der klassische Werbe-Rundfunk klang. Im September 2001 folgten dann die ersten Gebühren für Broadcaster.
Damals leistete sich Live365 allerdings einen Treuebonus für alteingesessene Hobbyfunker. Wer schon lange an Bord war, sollte auch weiterhin kostenlos weiterfunken dürfen. Mehr als 25 000 Streams konnten davon profitieren. Alle anderen wurden dagegen ordentlich zur Kasse gebeten. Im Frühjahr erhöhte Live365 seine Gebühren für das Hosten eines Radioprogramms gleich noch einmal.
Zahlungen rückwirkend bis 1998
Mit den nun eingeführten Lizenzgebühren sah sich Live365 gezwungen, auch die alteingesessenen Broadcaster zur Kasse zu bitten - oder zum Absprung zu bewegen. Alternativ bietet man seinen Hörern auch an, für fünf Dollar pro Monat "Vorzugsmitglied" zu werden und damit wieder auf alle abgeschalteten Streams zugreifen zu können. Ob die so erzielten Einnahmen ausreichen, um die neuen Netzradio-Gebühren zu begleichen, bleibt fraglich. Aufgrund einer Regelung des Digital Millennium Copyright Acts müssen Netzradiobetreiber diese rückwirkend bis zum Jahr 1998 bezahlen. Auf Live365.com dürften damit Zahlungen im zweistelligen Millionenbereich zukommen.
Die Live365.com-Radiosender sind allerdings nicht die einzigen, die derzeit an den neuen Netzradio-Gebühren scheitern. Bereits zu deren Einführung hatte der beliebte Downtempo-Sender Soma.fm seinen Betrieb eingestellt(vgl. "Killed by the RIAA"), weil seine Betreiber Kosten von 180 000 Dollar pro Jahr auf sich zukommen sahen. Auch das Onlinemagazin Radio and Internet Newsletter verzeichnet eine wachsende Liste von Stationen, die bereits vor den neuen Gebühren kapituliert haben.
http://www.heise.de/tp/artikel/13/13051/1.html- ja auch für nicht geschützte musik! (16.8.2002 23:12)
- nope. (12.8.2002 14:31)
- Verstehe ich das richtig? (10.8.2002 16:35)
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