Wird Berlin zur Festung?

Ernst Corinth 08.08.2002

Jetzt Chaostage auch in der Hauptstadt

Den Chaoten sind alle Mittel recht. Nachdem sie München übers Internet in Angst und Schrecken versetzt haben, um anschließend das bayrische Land im Dauerregen zu ersaufen, drohen nun auch in unserer Hauptstadt fürwahr animalische Verhältnisse. Seit Wochen bereits wird im Netz für einen Aufmarsch getrommelt, der in Berlin zu Zuständen führen könnte, die wir uns an dieser Stelle gar nicht erst vorstellen möchten.

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Aber schon jetzt scheint eines sicher: Wer sich am 7. September in die Berliner Innenstadt wagt, der muss gehörig aufpassen ­ sonst tritt er womöglich in einen der unzähligen stinkenden Haufen, die die Teilnehmer der angedrohten Veranstaltung hinterlassen werden. Doch nicht nur die Ordnung und die Sauberkeit der Hauptstadt sind bedroht, sondern auch die Katzenbesitzer sollten an diesem Tag ihre kleinen Lieblinge nicht aus dem Haus lassen. Und wer über ein wenig Geschmack oder gar Kunstsinn verfügt, meidet am besten das gesamte Berliner Stadtgebiet!

Angesichts des drohenden Chaos wirkt es wie ein Schlag in das Gesicht der Öffentlichkeit, dass die Veranstalter keck im Internet ungeschminkt Ross und Reiter nennen, ja nennen dürfen! Demnach beteiligen sich an den geplanten Aktionen stadtbekannte und -gefürchtete Organisationen wie: BI Berliner Schnauze, Die Grauen Panther Berlin, Berliner Weight-Pulling, Bello Media, Bullterrier in Not e.V., Sheepdog Club e.V. und natürlich darf auch der Deutsche Teckel Klub nicht fehlen. Ein Kabinett also des Schreckens und des Bellens, das unter dem befremdlichen Motto antreten möchte: "Weltkulturerbe Hund 'Danke für mehr als 20.000 Jahre Treue und Freundschaft'."

Wie es dazu aus uns unbekannten Kreisen des Verfassungsschutzes hieß, werden womöglich "mehrere Tausend zu allem entschlossene Kläffer" nach Berlin anreisen. Eine Zahl, die auch durch die Angaben der Veranstalter bestätigt wird. Auf ihrer Website drohen sie nämlich ganz offen: "Ganz besonders freuen wir uns über die große Vielfalt der teilnehmenden Gruppen (...). Dieses bunte Bild, das die bisher angemeldeten Gruppen jetzt schon bieten, wird mit Sicherheit noch durch die vielen, noch in Vorbereitung befindlichen Interessenten, erweitert werden." Und außerdem sprechen sie dreist von einer geplanten "Fortführung der Demonstrationen" und einer erfolgreichen so genannten "politischen Arbeit gegen die repressiven Vorschriften".

Dennoch schweigen bisher die bundesdeutschen Medien unisono, und auch die Politik hält sich konsequent an die offensichtlich inzwischen erlassene Nachrichtensperre ­ aber nicht das Online-Magazin Telepolis! Und so veröffentlichen wir jetzt an dieser Stelle - Verbot hin, Verbot her - die Netzadresse der Veranstalter des geplanten Aufmarsches.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13058/1.html
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