Elektronisch überwacht in Hitlers Lieblingsstadt

Brigitte Zarzer 09.08.2002

Ein Biometrie-Projekt in Linz sorgt für Diskussionen

Kann ein Biometrie-basiertes Projekt böse Erinnerungen an die Nazi-Zeit wecken? Offensichtlich ja. Als jüngst in Linz (einst Hitlers Lieblingsstadt, der er zu einigem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf) ein Überwachungsprojekt für eine geplante Mini-U-Bahn vorgestellt wurde, löste ein assoziativer Kommentar, der auf die Nazi-Vergangenheit der Stadt verwies, heftige Diskussionen aus.

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So soll die Ende 2004 startende Linzer U-Bahn mit Videokameras und Mikrofonen überwacht werden. Das System stützt sich auf ein computergesteuertes Programm, das automatisch auf außergewöhnliche Bewegungen und ungewöhnliche Schallfrequenzen reagiert. Es wurde laut Informationen Quintessenz von der auf Biometrie-Systeme spezialisierten Firma Ekey entwickelt (Biometrie in der Werksküche).

Nachdem lokale Medien über das Unterfangen berichtet hatten, wurde über den Quintessenz-Newsletter q/depesche folgendes Pamphlet verbreitet. Subject: "LinZ, ProvinZ, KZ, Biometrie".

"Die Linzer Voest Alpine Stahl, eine freigelassene Tochter der ehemaligen [Linzer] Reichswerke Hermann Göring setzt neuerdings auf Biometrie-Systeme. Fingerabdrücke in der Werkskantine, als Probelauf für alle möglichen anderen Anwendungen. Um dieses in Staat und Gesellschaft durchzusetzen, hält man sich ein fettes Konsortium von Siemens bis IBM. Was 'Ekey', Stahlstrasse 21a 4031 Linz Austria produziert, ist eine Technologie der Menschenvermessung, die jene aus den Zeiten der Zwangsarbeit von Gefangenen aus dem KZ Mauthausen in den Reichswerken Hermann Göring an Effizienz deutlich übertrifft. Man wurde damals in allen Körperregionen zwangsvermessen, um vor allem im erwarteten Todesfall zweifelsfrei identifizierbar und damit aus den papierenen Datenbanken, die den Massenmord verwalteten, tilgbar zu sein."

Die dunklen Kapitel der oberösterreichischen Landeshauptstadt wurden übrigens erst sehr spät angegangen. Erst 1996 beauftragte der Gemeinderat Historiker mit der Aufarbeitung der braunen Vergangenheit. Das Ergebnis - die 1754 Seiten umfassende Studie "Nationalsozialismus in Linz" - erschien im Mai 2001.

Das Quintessenz-Pamphlet mag nun tatsächlich übertrieben sein. Eine Fragestellung allerdings sollte man sowohl in Deutschland als auch in Österreich aufgreifen, nämlich ob man bei der Vergangenheit der beiden Länder so "unbefangen" mit biometrischen Systemen umgehen kann, wie dies im Moment auf politischer Ebene (Stichwort: Schily) geschieht. Biometrie wird den Menschen als Sicherheitstool verkauft und ist doch nichts anderes als ein System, das die Bevölkerung normiert oder, wie es der Quintessenz-Autor ausdrückte: eine Technologie der Menschenvermessung.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13061/1.html
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