Nackte Sicherheit

12.08.2002

Der zum Test am Flughafen von Orlando eingesetzte Scanner zeigt Passagiere deutlich nackt - nicht allen gefällt das

Die Sicherheit kann auch bis auf die Haut gehen und den Beobachtern zumindest eine Art kostenloser Peep-Show bieten. Das ist zumindest der Fall bei dem probeweise am Flughafen in Orlando, Florida, eingesetzten Scanner, der mit schwachen Röntgenstrahlen die Passagiere wahrhaft enthüllt vor Augen führt.

Von Rapiscan veröffentlichtes Bild

Der Rapiscan Secure 1000 wurde im März dieses Jahres im Zuge der Antiterrormaßnahmen eingesetzt. Mit ihm konnten bislang ohne große Klagen die Passagiere durchleuchtet werden, die vermutlich nicht wussten, was dann auf den Bildschirmen des Sicherheitspersonals zu sehen ist.

Jetzt aber wurden von MSNBC Bilder eines Mannes von vorne und hinten gezeigt, auf denen ziemlich deutlich alles zu sehen war. Auf die Bilder einer Frau hat man vorsichtshalber verzichtet. Die schwachen Röntgenstrahlen mit 3 microREM durchdringen zwar die Kleidung, nicht aber das Fleisch. So kann alles, was aus Plastik und Metall unter der Kleidung versteckt worden ist, gesehen werden, einschließlich des nackten Körpers. Eigentlich war das schon im März klar, denn auch bei der Pressevorführung wurde der nackte Körper eines Flughafenmitarbeiters vorgeführt, der ein Messer versteckt hatte. Und auch damals hatte man schamvoll auf die Zurschaustellung einer Frau verzichtet. Angepriesen wird es als eine Technologie, die weniger intrusiv sei, weil man den Körper nicht mehr Händen abtasten müsse. Das aber könnte eine Geschmacksfrage sein.

Tausende Passagiere werden täglich so enthüllt, die schneller abgefertigt werden wollen und sich freiwillig präsentieren. Auch viele britische Touristen, die von Orlando nach Heathrow unterwegs sind, waren offenbar, wie der Telegraph berichtet, von der Sicherheits-Peep-Show not amused. Schon zum Start des Probelaufs hatte die Bürgerrechtsorganisation ACLU kritisiert, dass der Scanner zu tief in die Privatsphäre eindringe, weil er eine Art "virtueller Stripsuche" darstelle: "Wir brauchen eine solche Technologie nicht. Wir müssen sie nicht einmal testen. Wir wissen, dass sie funktioniert: sie funktioniert zu gut. Wer viel fliegt, weiß, dass dies nicht lange freiwillig bleiben wird. Es wird zur Pflicht werden."

Schon bei der Einführung meinte John Mica, der republikanische Kongressabgeordnete von Florida, der auch Mitglied des Transportausschusses ist, dass Aufregung nicht angesagt sei. Es würden doch nur Frauen von Frauen und Männer von Männern angeschaut. Überdies würde man die wirklichen Personen mit ihren Bildern nur dann vergleichen können, wenn etwas verdächtig erscheinen würde - und dann ist gewissermaßen sowieso alles egal. Schließlich würde auch das Bild gleich wieder aus dem Computerspeicher gelöscht werden, wenn eine Person aus den Kabine herausgetreten ist und keinen Verdacht erregt hat.

Bei Rapiscan zeigt man jedenfalls dem Internetbesucher der Website nur kleine Bilder einer etwas dicklichen, fast geschlechtslosen Person, wohl um keine falschen Gedanken entstehen zu lassen. Und zur Einführung hat man dem Enthüllten sicherheitshalber ein Band über die gefährlichste Stelle gelegt. Es soll ja keine pornografische Maschine sein, sondern nur die Sicherheit befördern. Und dafür sollten die Menschen sich möglichst zeigen, wie sie sind, und alle ihre Hüllen fallen lassen.

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