Kometenjagd im Internet

Ein Elmshorner Lehrer hat in den Daten der Sonnensonde SOHO den 500sten Kometen entdeckt

Schon seit 40 Jahren beobachtet Rainer Kracht den Sternenhimmel und beschäftigt sich mit Astronomie. Doch der Traum eines jeden Amateurastronomen, die Entdeckung eines Kometen, blieb ihm lange Zeit verwehrt. Er bemühte sich auch gar nicht darum. "Die konventionelle Suche mit optischen Teleskopen ist in Norddeutschland aussichtslos", sagt der 54-jährige Lehrer aus Elmshorn. Zuviel Streulicht behindert die Beobachtungen.

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Komet C/2002 P3 (SOHO-500), entdeckt in LASCO C2 Bildern vom 12. August 2002. Foto

Doch man muss gar nicht unbedingt gen Himmel schauen. Mittlerweile lassen sich Kometen auch im Internet entdecken. Und das ist Kracht jetzt zum wiederholten Mal gelungen: In den Daten der Sonnensonde SOHO (Solar Heliospheric Observatory) identifizierte er den 500sten Kometen. "Das war auch nicht aufregender als der 499ste Komet", wiegelt er die Bedeutung des Ereignisses ab. Aber die Entdeckung des 500sten Kometen wurde schon seit einiger Zeit erwartet und die Betreiber von SOHO, die europäische Weltraumorganisation ESA und ihr amerikanischer Partner NASA, hatten sogar einen Wettbewerb ausgeschrieben, wer den Zeitpunkt der Entdeckung am genauesten vorhersagt. Das hat Krachts Namen jetzt in aller Welt bekannt gemacht.

Eigentlich dient die Sonde SOHO, die seit Ende 1995 in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde stationiert ist, der permanenten Beobachtung der Sonne. Hierzu verfügt sie unter anderem über das Instrument LASCO (Large Angle and Spectrometric Coronagraph), das die Sonnenscheibe wie bei einer totalen Sonnenfinsternis abdeckt, um die ansonsten überstrahlte nähere Umgebung der Sonne zu untersuchen. Als Nebeneffekt macht dieses Geräts auch Kometen sichtbar, die in so großer Sonnennähe normalerweise unbemerkt bleiben würden. Da die von LASCO aufgenommenen Bilder jeweils kurz nach ihrem Empfang auf der Erde im Internet veröffentlicht werden, steht es jedem Amateurastronomen frei, in ihnen nach Hinweisen auf Kometen zu suchen.

Das ist nicht immer ganz einfach. "Die Bilder sind stark verrauscht", sagt Kracht. "Nicht jeder Lichtpunkt resultiert von einem Kometen." Wer glaubt, einen neuen Kometen erkannt zu haben, kann die entsprechenden Daten in einem Formular im Internet eintragen. Die Angaben werden dann geprüft und entweder bestätigt oder verworfen.

Kracht, der seit 26 Jahren an der Gesamtschule Elmshorn Mathematik, Physik, Informatik und gelegentlich auch Astronomie unterrichtet, war Ende 2000 durch einen Artikel in der Zeitschrift "Sky & Telescope" auf diese Möglichkeit der Kometensuche aufmerksam geworden. Allerdings war sein damaliger Computer nicht leistungsfähig genug, um mit den anderen Kometenjägern mithalten zu können. Seit etwa einem Jahr verfügt er jedoch über eine schnellere Internetanbindung. In dieser Zeit gelangen ihm insgesamt 63 Kometenentdeckungen. Damit belegt er unter den SOHO-Kometensuchern den zweiten Platz.

Dass SOHO die Kometenforschung derartig bereichern würde, hatten sich die Wissenschaftler, die die Sonde konzipierten, nicht träumen lassen. "Das ist eine dieser Überraschungen, wie sie in der Wissenschaft manchmal vorkommen", sagt der ESA-Projektwissenschaftler Bernhard Fleck . "Ich erinnere mich, dass bei der Vorbereitung der Sonde lediglich mal vermutet wurde, dass wir ein oder zwei Kometen pro Jahr entdecken könnten." Diese Erwartungen wurden um das Hundertfache übertroffen und haben der Astronomie neue Erkenntnisse insbesondere über die Größen von Kometen beschert. "Wir wissen jetzt, dass Kometen extrem klein und extrem groß sein können."

Für die Entdecker gibt es allerdings einen Wermutstropfen: Die neu entdeckten Kometen kommen der Sonne so nahe, dass sie in der Regel dabei zerstört werden. "Ich werde gelegentlich gefragt, wann meine Kometen denn am Abendhimmel zu sehen sind", sagt Kracht. "Dann muss ich leider antworten: gar nicht mehr."

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13103/1.html
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