Kein "End of Free" in Sicht

Janko Röttgers 18.08.2002

Washingtonpost.com-Chef widerspricht dem Trend zu Bezahlinhalten

Seit dem Niedergang des Online-Werbemarktes suchen immer mehr Content-Plattformen ihr Heil in kostenpflichtigen Angeboten. Der CEO und Herausgeber der beiden Internet-Angebote Washingtonpost.com und Newsweek.msnbc.com hat nun vehement Stellung für die kostenfreien Angebote bezogen. Der Werbemarkt werde sich langfristig erholen, Abonnements würden dagegen überschätzt.

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Washingtonpost.com-CEO Christopher M. Schroeder lässt sich vom derzeit ziemlich mageren Online-Werbemarkt nicht bange machen. In einem Interview mit dem Onlinemagazin Iwantmedia.com erklärte er jetzt, er halte Werbung für "das Modell für gute Qualitätsinhalte". Schon im nächsten Jahr hält er ein Umdenken bei der werbenden Wirtschaft für möglich, weg vom Clickthrough-Fetischismus und hin zu effizienteren Werbeformen. "Ich glaube fest, dass der Hauptantriebsmotor für dieses Medium zum Medium passende Werbung sein wird", so Schroeder.

Damit widerspricht er einem gerade in den USA immer lauter werdenden Chor der Anhänger von Bezahlinhalten. Erst vor rund zwei Wochen hatte der CEO der von Reuters und DOW Jones gegründeten Nachrichtenagentur Factiva erklärt, im Jahr 2004 gäbe es News im Netz nur noch gegen Geld. Eine Studie der Online Publisher Association verkündete zudem kürzlich, mittlerweile würden 1700 Online-Angebote auf kostenpflichtige Inhalte setzen - allerdings wurden dabei Porno- und Casino-Websites mitgezählt. Ein CNET-Kommentator wünschte sich sogar: "The End of Free? Please, let it be!

"Ich liebe Deep Linking."

Christopher Schroeder schaut sich diesen Trend an, hat aber für die eigenen Angebote keine derartigen Pläne. Statt dessen möchte er den Surfern sogar noch mehr umsonst bieten. Mehr Videos, mehr Flash-Features wie das preisgekrönte Phoenix Rising"-Projekt. Etwas andere Ansichten als viele in seiner Branche hat Schroeder übrigens auch zu dem in letzter Zeit auch in Deutschland wieder heiß diskutierten Thema Deep Linking:

"Ich liebe es. Ich denke es ist grandios. Vielleicht bin ich ein bisschen naiv, aber ich denke, je mehr Leute auf den Qualitätsjournalismus der Washington Post aufmerksam werden, desto besser."

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13111/1.html
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