Mehr Platz für den Spatz!
Die Intensivierung der Landwirtschaft entzieht dem Haussperling die Lebensgrundlage
Er ist klein und unscheinbar, gilt als schrecklicher Schwätzer und erbärmlicher Sänger und wegen seines gedrungenen Äußeren schimpfen ihn manche auch als den Proletarier unter den Vögeln. Weil ihn jeder kennt, nimmt ihn keiner so richtig wahr, und so ist weitgehend unbemerkt geblieben, dass die Haussperlinge (Passer domesticus) in Westeuropa immer weniger werden. Um auf diese traurige Entwicklung aufmerksam zu machen, wurde der Spatz - obwohl weder schön noch selten - in diesem Jahr sogar vom Bund Naturschutz zum Vogel des Jahres gewählt.
In Großbritannien ist Bird Watching ein beliebtes Hobby und so kam auch Premier Tony Blair nicht umhin, seine Betroffenheit in dieser Angelegenheit zu erklären. Die Wissenschaftler der Farmland Bird Group des Edward Grey Instituts of Field Ornithology der Universität Oxford sind dem kleinen Allerweltsvogel, bei dem es immerhin das Geheimnis des schwarzen Kehlkopfs zu entdecken gibt, auf den Leib gerückt. Anhand einer Kombination aus Felduntersuchungen, genetischer Analyse und demographischen Daten haben sie einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Haussperlinge und der Intensivierung der Landwirtschaft belegt. In der aktuellen Ausgabe von Nature stellen sie ihre Ergebnisse kurz vor.
Für ihre Untersuchung beobachteten die Oxforder Ornithologen vier Spatzenkolonien im Gebiet Oxfordshire, die jeweils bei einem Bauernhof siedelten. Die Gruppen waren in einer Entfernung zwischen 6 und 24 km voneinander angesiedelt und hatten eine Größe zwischen 35 und 150 Vögeln. Über eine der Populationen, die Gruppe A, lagen Aufzeichnungen vor, die einen Bevölkerungsschwund von 150 auf 35 (80 Prozent) über die letzten 30 Jahre belegten, was durch eine Genanalyse untermauert wurde, die auf eine genetische Verarmung hinwies.
Doch warum war Gruppe A am Schrumpfen, während die anderen Gruppen sich stabil entwickelten? In Sachen Fruchtbarkeit standen sich die vier Populationen nämlich in nichts nach. Gruppe A legte sogar eine Reproduktionsrate an den Tag, die so hoch war, wie vor dem Einsetzen des Populationsrückgangs. Den Unterschied machte der Winter: Ihn überlebten dort deutlich weniger Tiere als in den Vergleichspopulationen. Wurde allerdings in den Monaten November bis März Getreide zugefüttert, kamen mehr Sperlinge durch, während sich die Futterzugabe bei den anderen Gruppen nicht auswirkte.
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Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass der Populationsrückgang bei Gruppe A durch die mangelnde Futterversorgung im Winter bedingt ist. Ein Effekt, der durch die Zuwanderung anderer Vögel nicht ausgeglichen wird. Als Ursachen des Nahrungsmangels machten sie die Intensivierung des Landwirtschaft aus, insbesondere dergestalt, dass immer weniger (Getreide-)Felder nach der Ernte bis zum Frühjahr brach liegen, sondern im Herbst wiederbestellt werden. Außerdem werde das Getreide zunehmend sicherer gelagert.
Eine unter Landwirten in ganz England durchgeführte Briefbefragung ergab ferner, dass über die vergangenen 20 Jahre hinweg ein Zehntel der Höfe sein Spatzenvolk verloren hatte, in Oxfordshire lag diese Rate gar bei 20 Prozent. Die Ornithologen vermuten, dass dieser Rückgang auch mit der berühmten-berüchtigten Geselligkeit des Vogels zusammenhängt. Da Spatzen immer in Kolonien leben, löst sich die Gruppe auf, sobald ihre Mitgliederzahl eine kritische Schwelle erreicht.
Um die ungünstige Entwicklung zu stoppen, will die britische Regierung im kommenden Jahr ein breit angelegtes Pilotprojekt starten, das nicht nur dem Sperling wieder mehr Lebensraum verschaffen soll.
http://www.heise.de/tp/artikel/13/13173/1.html- Spatzen sind toll (3.9.2002 9:39)
- wie wärs: (2.9.2002 13:05)
- Die Taube ist schuld. (2.9.2002 3:45)
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