Amerikanisches Denkmal für sowjetische Helden

Mit "K-19" wirft die Regisseurin und Produzentin Kathryn Bigelow einen irritierend konventionellen Blick auf die Geschichte des Kalten Krieges

Auf den ersten Blick erscheint dieser Film zunächst als eine weitere U-Boot-Geschichte ohne nennenswerte Überraschungen und mit deutlichen Anleihen bei Wolfgang Petersens "Das Boot". Manche Szenen wirken sogar, als seien sie direkt aus diesem Klassiker kopiert und nur geringfügig modifiziert worden.

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So lässt Harrison Ford als Kapitän das titelgebende U-Boot K-19 einmal bis weit unter die maximal zulässige Tiefe von 250 Metern tauchen, um die Grenzen von Mannschaft und technischem Gerät zu testen. Gebannt lauschen die Matrosen, wie der Schiffskörper unter dem gewaltigen Wasserdruck ächzt und stellenweise eingedellt wird. Das ist spannend und beklemmend inszeniert, keine Frage. Aber mehr auch nicht.

Wer andere Filme der Regisseurin Kathryn Bigelow kennt, beginnt daher bald, sich zu wundern. Es scheint, als hätte sie sich bewusst gezügelt und die Spannungsschraube nicht so weit angezogen, wie sie gekonnt hätte. Von der Kraft und Konsequenz ihres Endzeitthrillers "Strange Days" etwa, der die Zuschauer mit seinen extremen Gewaltfantasien förmlich in die Kinosessel presste, ist "K-19" jedenfalls weit entfernt.

Es mag damit zusammenhängen, dass der Film auf realen Geschehnissen beruht. Im Jahr 1961, als die Welt sich am Rande eines Atomkriegs wähnte, wurde das neu gebaute, sowjetische U-Boot K-19 auf eine Testfahrt unter das arktische Eis geschickt, um den Abschuss einer Interkontinentalrakete zu erproben. Dabei kam es zu einem schwerwiegenden Unfall, der beinahe in eine nukleare Katastrophe gemündet wäre. Alle Beteiligten wurden zu lebenslangem Schweigen verpflichtet. Erst nach dem Ende der Sowjetunion gelangte die Geschichte an die Öffentlichkeit.

Bigelow erzählt sie als eine Geschichte von Männern, die unter dem Druck einer außergewöhnlichen Bedrohung über sich hinauswachsen und zu Helden werden. So weit, so gut, so gewöhnlich. Aber: Diese Geschichte vom Heldentum kommt nicht nur weitgehend ohne Bösewichte aus - sie verzichtet vor allem vollständig auf die Beteiligung von Amerikanern. Alle Akteure sind Sowjetrussen. Und die werden ohne jeden Anflug von Ironie oder ideologische Spitzen dargestellt. Insofern lässt sich Bigelows Film, der von ihr auch produziert wurde, als eine Respektsbezeugung vor dem früheren Erzfeind sehen.

Etwas Vergleichbares hat es im amerikanischen Mainstream-Kino noch nicht gegeben. Auch "Zwischen Himmel und Hölle", Oliver Stones filmisches Friedensangebot an Vietnam, kam letztlich nicht ohne amerikanische Perspektive aus. So gesehen entpuppt sich die vermeintliche Konventionalität bei näherem Hinsehen als ausgesprochen unkonventionell.

Wer lediglich einen spannenden U-Boot-Thriller sehen möchte, könnte von "K-19" enttäuscht sein. Wer dagegen den Glauben nicht verlieren möchte, dass auch die USA eines Tages Anschluss an die Standards der zivilisierten Welt finden können, kann aus diesem Film Hoffnung schöpfen.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13269/1.html
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