Der Apostroph-Missbrauch kennt keine Grenzen

07.10.2002

Nun hat er auch England voll im Griff

Es gibt Leute, die verplempern ihre Zeit mit sinnlosen Spielen, mit schweißtreibender Arbeit oder mit der Taste ihrer Computermaus, die sie dann bis zu drei Tage lang gedrückt halten. Und es gibt Leute, die tun was. Die verfassen nachdenkliche Texte. Oder kämpfen für die richtige Verwendung des Apostrophs.

Dass sich im deutschsprachigen Raum der Apostroph-Missbrauch mit der so genannten Wiedervereinigung epidemisch verbreitet hat, ist inzwischen wohl allgemein bekannt, nicht mehr zu übersehen und wird zu Recht auch im Netz öffentlich angeprangert. Wobei die Frage noch längst nicht geklärt ist, ob dieser Missbrauch als letzte Rache des untergegangenen SED-Regimes zu verstehen ist oder ob dahinter womöglich Außerirdische stecken, die nach ihrer Flucht vom Mond nun begonnen haben, uns erst sprachlich ins Chaos und dann brutal an die Wand zu treiben oder gar zu nageln

So weit, so schlimm. Aber es kommt noch schlimmer. Inzwischen hat die Seuche auch den englischsprachigen Raum erobert - was bisher nur die wenigsten wissen. Auch wir waren nämlich fürbass erstaunt, als wir zum ersten Mal mit dem Phänomen konfrontiert wurden: Im vergangenen Sommer im Gästebuch eines englischen Fußballspielers, der uns zuvor eher durch seine schönen Flanken, seine hässlichen Frisuren und seine singende Ehefrau aufgefallen war. Und der sich nun plötzlich als wahrer Apostroph-Missbrauchler entpuppte.

Die Rede ist natürlich von David Beckham, in dessen Online-Gästebuch die Fans aufgefordert werden: "Please Enter Comment's". Ja, tatsächlich "comment's" und nicht: "comments". Kurzum: ein Plural-S, das durch einen Apostroph abgetrennt wird. Und damit ein Fehler, den man mittlerweile auf vielen deutschen Netzseiten findet, übrigens auch bei Arbeitsamt Online, also bei einer Einrichtung, die ganz real Deutsch-Sprachkurse finanziell fördert, selber aber sprachlich die Sau durchs Dorf jagt.

Dass Mister Beckham leider kein Einzeltäter ist, zeigen die zahllosen Beispiele auf der Netzseite der Apostrophe Protection Society. Diese ehrenwerte Gesellschaft ist im vergangenen Jahr vom Journalisten John Richards gegründet worden und kämpft seitdem für die richtige Verwendung des Apostrophs. Und sie beweist, dass es zum Glück immer noch Leute gibt, die was tun. Auch wenn in etwa sechs Jahren eh alles vorbei ist. Oder vielleicht auch nicht.

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