Vom Zeppelin zum Satellit
Tests für die GPS-Ablösung
Einwohner von München und einigen Vororten werden sich gewundert haben: Ein silbernes Luftschiff hing stundenlang regungslos über München und machte nicht Werbung für eine Biermarke, sondern für Microsoft Windows NT? Nein, völlig falsch.
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| Historischer Zeppelin über Wuppertal |
"Zeppelin" ist in Deutschland ein Synonym für "Luftschiff" geworden, weil Graf Zeppelin hier einst die Luftschiffe berühmt machte. Die ersten Luftschiffe gab es bereits fast 50 Jahre, als der erste Zeppelin am 2. Juli 1900 zu einem 17-minütigen Flug startet. Von 1910 bis 1914 konnten allein 34.000 Passagiere unfallfrei befördert werden und LZ 127 "Graf Zeppelin" legte von Oktober 1929 bis zur Demontage durch die Nazis 1,7 Millionen Kilometer in 590 Fahrten zurück, wobei erst das Interesse des US-Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst den Bau ermöglichte. Luftschiffe waren in jenen Tagen auf Langstrecken wie der Reise nach Amerika wesentlich schneller und komfortabler als Flugzeuge.
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Technisch ist allerdings nicht jedes Luftschiff auch ein Zeppelin. Die typischen Werbeluftschiffe sind eher die vergrößerte Ausführung eines Luftballons, sie wurden von Goodyear in den USA im zweiten Weltkrieg für Militärzwecke weiterentwickelt und bestehen aus einer Hülle, die unter Druck in ihre Form aufgeblasen wird. Passagiere oder Nutzlasten werden wie beim Heißluft- oder Gasballon unten in einer Gondel angehängt, ebenso die Motoren.
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| Speisesaal in historischem Zeppelin |
Der klassische Zeppelin wie LZ 130 "Graf Zeppelin II" hatte dagegen ein starres Gerüst und Metallkleid wie ein Flugzeug und geräumige Fracht- und Passagierräume sowie Kabinen wie ein Schiff innerhalb dieses Blechkleids. Das auftriebgebende Gas war ebenso in Gaszellen im Inneren gelagert. Lediglich der Luftschiffführer wurde zwecks besserer Sicht weiterhin mit seiner Kanzel unten am Zeppelin angepfropft. Allerdings litt der Zeppelin sehr unter den Kriegen: Im ersten Weltkrieg versuchte man die sanften Riesen zu militärischen Zwecken umzubauen, was misslang: Für Angriffe sind sie viel zu langsam und schwerfällig - auch um Hochhäuser zu zerstören, sind Flugzeuge bekanntlich besser geeignet. Nach dem ersten Weltkrieg durften die Deutschen dennoch - eben wegen dieser Umbauversuche - zunächst nur noch kleine Luftschiffe bauen. 1936 erließen die Amerikaner wegen der Nazi-Politik ein komplettes Ausfuhrverbot für Helium. Daraufhin musste der bereits für Heliumbetrieb bestimmte und deshalb auch mit einem extra Rauchersalon ausgerüstete Zeppelin LZ 129 "Hindenburg" wieder auf Wasserstoffbetrieb zurückgerüstet werden. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Am 7. Mai 1937 gab es in Lakehurst/USA bei der Landung ein großes Feuerwerk: Die Wasserstofffüllung entzündete sich, der Zeppelin verbrannte in Sekunden und mit ihm 37 Passagiere und Crewmitglieder sowie ein Mitglied des Bodenpersonals. Zuvor hatte es mit den britischen Luftschiffen R 34, R 38, R 101 und den US-Schiffen Shendandoah, Acron und Macon bereits mehrere Abstürze gegeben: Wenn die Dickschiffe in Unwetter gerieten, hatten sie nur wenig Chancen, den starken Winden zu entkommen - man flog ja nicht über den Wolken wie die heutigen Jets, obwohl bis 6000 Meter machbar waren, sondern bevorzugte auch wegen der Aussicht eine Flughöhe von 500 Meter.
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| Steuerrad in historischem Zeppelin |
Göring hasste die Zeppeline
Nun war der Ruf der Luftschiffe endgültig ruiniert und die Nazis ließen LZ 127 und LZ 130 1940 demontieren und die Konstruktionshallen bei Frankfurt sprengen. Die Friedrichshafener Hallen wurden dann von den Alliierten 1944 zerbombt.
Nach 1988 dachte man aber über eine Renaissance der Luftschiffe nach, weil Ökologie inzwischen ein Thema geworden war und nicht immer die mittlerweile hohe Jetgeschwindigkeit gebraucht wird. Deshalb wurde der Zeppelin NT (New Technology) konstruiert und gebaut; der Jungfernflug war am 18. September 1997. Die neuen Zeppeline sind nur noch halbstarr gebaut, also eine Mischung aus dem Blimp und dem Zeppelin, haben bewegliche Antriebsmotoren und können daher auch senkrecht starten, bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben sowie im Gegensatz zu den früheren Exemplaren, die wie Schiffe nur über die Ruder steuern konnten, auch bei Stillstand manövrieren. Mittlerweile hat man über 10.000 Fluggäste befördert und baut noch ein zweites Serienschiff zusätzlich zum Prototypen.
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| Cockpit des Zeppelin NT |
Neben dem Tourismus sind die neuen Zeppeline auch der Wissenschaft dienlich: So diente ein Zeppellin NT in ungewöhnlichen 2000 Meter Höhe vor einigen Wochen zur Oktoberfestzeit über München als Simulation eines Satelliten: Für die Entwicklung des Satellitennavigationssystems Galileo wurden erste Messungen zu den zu erwartenden Problemen durch Mehrwegeempfang und Reflektionen vorgenommen. Hier konnte nur der Zeppelin ausreichend ruhig stehen (maximal +/- 10 Meter Bewegung während 10 Minuten), um vernünftige Messungen zu ermöglichen - mit Hubschraubern waren diese Messungen nicht möglich.
Zeppelin spielt Satellit
Galileo wird übrigens die europäische Alternative zum amerikanischen GPS, dem es in Genauigkeit und ziviler Verwendbarkeit überlegen sein soll - GPS wurde ja für militärische Zwecke entwickelt, ihm fehlt die Zuverlässigkeit für den zivilen Flugverkehr und auch die Abdeckung der in Transatlantikflügen verwendeten höheren Breitengrade ebenso wie eine akzeptable Funktion in Straßenschluchten. Die Entwicklung soll 2004, die Tests 2006 und der Aufbau des 30 Satelliten umfassenden Netzes 2008 abgeschlossen sein. Es wird 5 dB mehr Sendeleistung bieten und soll damit eingeschränkt auch noch in Innenräumen funktionieren. Die Kosten sollen mit 3,3 Milliarden Euro ungefähr 150 Kilometern Autobahn entsprechen.
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| Zeppelin NT über Frankfurt |
Bei den Amerikanern hat Galileo bereits für Missstimmung gesorgt: Es verwendet denselben Frequenzbereich wie GPS, was allerdings den Vorteil hat, dass ein Galileo-Navigationsgerät auch mit GPS umgehen können wird und umgekehrt - auch heute können US-GPS-Empfänger bereits mit dem russischen Glonass-Satelliten umgehen, die allerdings am Ende ihrer Lebensdauer angelangt sind und daher keine Alternative zu GPS und Galileo mehr darstellen. Aus militärischen Gründen erheben die USA auch Anspruch darauf, das Galileo-Signal für öffentliche Anwendungen (PRS - public regulated service) stören zu dürfen und wollen nun auch GPS für zivile sicherheitskritische Dinge wie die Luftfahrt oder Schifffahrt nachrüsten.
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| Angedockter Zeppelin |
Dennoch ist anzunehmen, dass auch dem Zeppelin die Beteiligung an Galileo wieder zugute kommt und er eines Tages mit Galileounterstützung noch exakter navigieren kann. Vermutlich kann man dann sogar - ähnlich den Satellitenbeobachtern - eines Tages im Netz verfolgen, wo der Zeppelin gerade ist, um ihn am Himmel nicht zu verpassen, wenn er die eigene Stadt überquert.
http://www.heise.de/tp/artikel/13/13434/1.html- Wasserstof vs. Helium (27.10.2002 13:04)
- Das war Pfusch! (27.10.2002 11:18)
- Zivile Unfaelle... (27.10.2002 1:56)
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