Eine Katastrophe für die Bevölkerung

Peter Nowak 25.10.2002

Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) warnen vor Angriff auf den Irak

So viel Lob für die rot-grüne Bundesregierung ausgerechnet von einer Organisation der Friedensbewegung hätte wohl noch vor zwei Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Es war Schröders Distanz zur Irakpolitik der USA, die einige, der aus der ganzen Welt nach Berlin gereisten Vorstandsmitglieder der renommierten Friedensorganisation Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges zum Lob auf die Regierung veranlasste.

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Ein von einem DU-Geschoss im Golfkrieg zerstörter irakischer Panzer. Foto

Am Donnerstag begann die mehrtägige Vorstandssitzung, die ursprünglich in den USA stattfinden sollte. Doch weil das Spendenaufkommen nach den Anschlägen vom 11.September an die US-Sektion Physicians for Social Responsibility deutlich zurück gegangen und die Organisation daher in Geldnöten ist, wurde kurzfristig Berlin zum Tagungsort ernannt. Dort haben nämlich die Kriegsdrohungen gegen den Irak zu größerem Interesse an der Arbeit der Organisation und einem gestiegenen Spendenfluss geführt.

Doch der IPPNW hat seine Aufmerksamkeit nicht erst in der letzten Zeit auf den Irak gerichtet. Schon seit Jahren beschäftigt sich die Organisation mit der wesentlich durch das Embargo verursachten katastrophalen Situation des irakischen Gesundheitswesens. Mit Hilfsprojekten versucht die österreichische Sektion das Leben von an Krebs Erkrankten in der Gegend um Basra zu retten. Die Ärzte sehen in den Krebserkrankungen Spätfolgen des abgereicherten Urans (DU), das während des letzten Golfkriegs, aber etwa auch im Kosovo-Krieg von den US-Truppen verwendet wurde (Low Intensity Nuclear War). Anfang November wird ein Expertenteam unter Vorsitz des Stellvertretenden IPPNW-Vorsitzenden Robin Stott den aktuellen Irak-Gesundheitsbericht vorstellen.

Großes Augenmerk legt die Friedensorganisation auf die Folgen, die ein Krieg gegen den Irak für die Umwelt hätte. "Ein erneuter Angriffskrieg am Golf träfe eine verelendete, hilflose Zivilbevölkerung, die teilweise noch immer im Schatten des Umweltinfernos von 1991 lebt", lautet das Fazit des Umweltexperten Knut Krusewitz.

Der IPPNW arbeitet überwiegend im Hintergrund. Nur in seltenen Fällen mischt er sich in die aktuelle politische Debatte ein. Für die US-Sektion PSR ist ein solcher Notfall mit den Kriegsplänen seines Landes gegen den Irak eingetreten. Deshalb hat die Organisation am 4.Oktober eine ganzseitige Anzeige unter dem Titel "PSR Says Vote NO on Preemptive War" und "Vote NO on War Against Iraq" in der New York Times geschaltet.

Der IPPNW hält allerdings auch weiterhin an einer Forderung fest, die nach dem Ende der Blockkonfrontation vielleicht zu schnell aus der öffentlichen Debatte verschwunden ist: die Bildung atomwaffenfreier Zonen. Der IPPNW-Vizepräsident und Dumaabgeordnete Prof. Sergej Kolesnikow aus Irkutsk erklärte stolz, dass auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion mit Erfolg daran gearbeitet werde.

Der IPPNW tritt natürlich auch für eine Abrüstung im Irak ein. Die aber kann nach Überzeugung der Friedensärzte nur durch Verhandlungen und Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von atomarem Material erreicht werden.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13489/1.html
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