Internetdemo gegen Verhaftung von italienischen Globalisierungskritikern

Peter Nowak 19.11.2002

Die Staatsanwaltschaft wirft den Aktivisten aus Süditalien vor, Mitglieder einer subversiven Organisation zu sein

Wer am Montag zufällig die Internetseite des italienischen Innenministeriums anklickte, musste viel Geduld haben. Denn Punkt 10 Uhr vormittags begann am 18.November eine mehrstündige Interndemonstration, die den Server des Innenministers deutlich verlangsamte. Die Website wurde bereits letztes Jahr wegen des virtuellen Sit-Ins gegenüber der offiziellen Website des G8-Gipfels in Genua vorübergehend vom Netz genommen (Netstrike.it im Visier der italienischen Justiz).

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Der Internetstreik ist Teil einer italienweiten Protestwelle gegen die Festnahme von 11 führenden Aktivisten der globalisierungskritischen Bewegung aus Süditalien. Weitere Personen erhielten Haftverschonung, dürfen aber ihre Wohnungen nicht verlassen. Gegen 42 Personen wird ermittelt.

Unter den Festgenommenen befindet sich auch der Sprecher der neapolitanischen No Global-Aktivisten Francesco Caruso. Verhaftet wurde auch Francesco Cirillo. Der Journalist aus Cosenza geriet im April dieses Jahres in die Schlagzeilen der italienischen Medien, nachdem an seinem Auto eine Abhöranlage gefunden wurde.

Die Justiz behauptet, dass die Beschuldigten Mitglieder einer "subversiven Organisation" mit dem Namen "Netz des rebellischen Südens" (Rete meridionale del sud ribelle) seien und sie mit der Vorbereitung großer Demonstrationen, wie im letzten Sommer in Neapel und Genua, die Funktionsfähigkeit der Staatsorgane beeinträchtigt hätten. Kritiker werfen der Justiz vor, sich mit Ermittlungsparagraphen 270/2 und 305 auf Gesetze zu stützen, die einst Mussolini zur Knebelung der Opposition dienten. Sie interpretieren die Maßnahmen als Einschüchterung gegen eine Oppositionsbewegung, die durch das Europäische Sozialforum in Florenz Mitte November neues Selbstbewusstsein gewonnen hat (Signal aus Florenz.

Auch die Unterstützung in der Bevölkerung ist gestiegen. So beteiligten sich die No Globals am Widerstand der Fiat-Arbeiter gegen die drohende Schließung mehrerer Werke. So ist es nicht verwunderlich, dass die Metallarbeitergewerkschaft FIOM gegen die Verhaftungen protestierte und den Betroffenen ihre Solidarität erklärte. Die Organisatoren des Europäischen Sozialforums haben sich selbst angezeigt und rufen alle auf, die sich an den Demonstrationen in Neapel, Genua und Florenz beteiligt haben, dies auch zu tun.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13632/1.html
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