Wie buchstabiert man DVD?

Michaela Simon 28.11.2002

Bush und Beckham beleidigt

Der mächtigste Mann der Welt hält grinsend ein Videoband mit der Aufschrift "2DTV" in Händen. Er sagt: "Mein Lieblingsvideo. Jetzt rein damit in den Videorekorder" - und steckt das Band in einen Toaster, wo es gegrillt wird.

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Nicht gegrillt, aber auf Eis gelegt haben Großbritanniens Kettenhunde diesen Spot, ein Werbefilm für die Spitting-Image-ähnliche und mit Preisen überhäufte Animationsserie 2DTV, deren dritte Staffel gestern Abend startete. Die vom Telegraph als "Zukunft der Comedy" gepriesene Sendung hatte mit dem Werbespot auf ihr Weihnachtsprogramm hinweisen wollen. Das Broadcast Advertising Clearance Centre (BACC) jedoch entschied, dass er gegen die Werberichtlinien der TV-Kommission verstoße, weil die Intelligenz des amerikanischen Präsidenten auf beleidigende Weise angezweifelt werde. Die Prüfbehörde beruft sich auf Absatz 6.5 der Richtlinien, welcher aussagt, dass lebende Menschen in Werbespots ohne ihre (schriftliche) Erlaubnis nicht dargestellt oder karikiert werden dürfen. Ausnahmen bilden Werbefilme für bestimmte Publikationen wie Bücher, Filme oder bestimmte Radio-und Fernsehprogramme, in denen die dargestellte Person vorkommt. Diese Ausnahme gilt nur, wenn die Referenz bzw. die Darstellung nicht beleidigend oder diffamierend ist. (Der vollständige independent television commission advertising standards code kann auf der Webseite der Independant Television Commission ITC eingesehen werden.)

Auch ein Spot, in dem David Beckham beim Schreiben einer Wunschliste für Weihnachten seine Frau fragt:"Wie buchstabiert man noch mal DVD?", fiel der BACC zum Opfer.

Jemand wird bald ziemlich blöd aussehen und das bin nicht ich,

so Giles Pilbrow, Produzent der Werbefilme zum Guardian

Ohne jede Interpretation habe man einfach blind das Gesetz angewendet. Tatsächlich drängt sich die Frage auf, wie man, ohne Satire zu zeigen, für ein satirisches Programm werben soll. In der Show selbst wird mit Bush und Konsorten um einiges rüder umgesprungen, bis jetzt ohne Zensur, die Richtlinien für Werbespots, so das BACC, seien jedoch härter, da diese "ungebeten" ins Haus flattern würden, während man sich ein satirisches Programm bewusst aussuche.

You people must be a very sad pathetic bunch. I note there are no contact names listed here. THIS IS SATIRE YOU CRETINS. GET A LIFE.

Apropos Kretin: Nachdem sie Bush als "Schwachsinnigen" bezeichnet hatte, durfte die oberste Sprecherin von Kanadas Premierminister Jean Chrétien immerhin noch einige Tage im Amt bleiben, bis er nun ihren Rücktritt annahm.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13684/1.html
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