Heute vor 30 Jahren verließ der letzte Mensch den Mond

Andreas Grote 14.12.2002

Noch immer werden die Mondlandungen von manchen bestritten, ein Chinese könnte der nächste Mondbesucher werden

Im Prinzip war Apollo-17 ein voller Erfolg: die Astronauten brachten mit 253 Pfund soviel an Mondgestein und Bodenproben mit zur Erde zurück, wie keine der fünf vorangegangenen Missionen, legten während ihres dreitägigen Aufenthaltes auf der Mondoberfläche noch nie da gewesene 35 Kilometer mit ihrem batteriebetriebenen Lunar Roving Vehicle zurück und Eugene Cernan, Pilot Ron Evans und Jack Schmitt, als Geologe der erste wissenschaftliche Astronaut der NASA, sammelten hierbei soviel wissenschaftliches Material, dass dessen Auswertung die Forscher auf der Erde bis heute beschäftigt. Das musste auch für 30 Jahre reichen, denn seit die Mondfähre Challenger am 14. Dezember 1972 aus dem Taurus-Littrow-Tal von der Mondoberfläche abhob, hat kein Mensch mehr den Erdtrabanten betreten.

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ausschnitt aus einem Apollo 17 Panorama. Foto

"Wir gehen, wie wir gekommen sind und, wenn Gott es will, wie wir wieder kommen werden - in Frieden und voller Hoffnung für die Menschheit", sagte Cernan noch beim Verlassen der Mondoberfläche. Dass es für längere Zeit die letzte Mission sein würde, war jedoch schon klar, als die Saturn V-Rakete am 7. Dezember 1972 vom John F. Kennedy Space Center abhob.

Überschattet vom eskalierenden Vietnam-Krieg und dem aufkommenden Watergate-Skandal, interessierten sich die Amerikaner recht wenig dafür, dass drei bereits geplante Apollo-Flüge wegen Budgetkappung gestrichen werden mussten, was nicht weiter überraschend war, denn "das Apollo-Programm war ohnehin keine wissenschaftliche Expedition, sondern ein großes politisches Event", meint der Geophysiker Jeffrey G. Taylor, der an der Universität von Hawaii seit 1970 die Gesteinsproben vom Mond untersucht. Schließlich wollte man vor der Sowjetunion seine Leute auf den Mond bringen, und das hatte man geschafft (Wettlauf zum Mond). "Quasi als Nebenwirkung erhielten wir eine ganze Menge an wissenschaftlichen Informationen", auch wenn nach Abschluss der Apollo-Missionen 75 Prozent der Mondoberfläche, die so groß ist wie Nord- und Südamerika zusammen, noch unbekannt war.

So wissen die Wissenschaftler heute, dass sich der rund 385.000 Kilometer entfernte Himmelskörper gar nicht so groß von unserer Erde unterscheidet. So sind beide etwa 4,5 Milliarden Jahre alt und bestehen aus den gleichen geschmolzenen und verformten Gesteinsmaterialien, allerdings in einer anderen Zusammensetzung. Leben fanden die Forscher im Mondgestein hingegen nicht.

Astronaut Jack Schmitt nimmt eine Bodenprobe

Auch Hinweise auf Wasser waren zunächst nicht zu entdecken, denn alle sechs Missionen landeten nahe des Mondäquators, wo die Sonne jegliches, von eisbehafteten Kometeneinschlägen auf den Mond gebrachtes Wasser sofort verdunstet hat und nur noch staubige ausgetrocknete Seen zurückließ. Erst 1994 fand man bei der Datenauswertung der Raumsonde Clementine Hinweise auf Eiskristalle in den Abgründen sonnengeschützter Krater an den Polen, die von Kometeneinschlägen stammen könnten.

Die 1998 gestartete Raumsonde Lunar Prospector sollte dies durch Messungen bestätigen. Das Wassereis wurde jedoch nicht direkt gemessen, sondern das an Bord des Lunar Prospector befindliche Neutronenspektrometer folgerte dessen Existenz aus dem Vorhandensein von Neutronen die in Verbindung mit Wasserstoffatomen vorkommen. Zumindest theoretisch errechneten die Forscher daraus zwischen 10 und 300 Millionen Tonnen Wasser. Fehlende Erfahrung mit dieser Bestimmungsmethode lässt jedoch bis heute keine abschließende Sicherheit über das Vorhandensein und den Umfang von Wasservorkommen auf dem Mond zu, denn auch der kontrollierte Absturz des Lunar Prospector in einem Nordpolarkrater hatte keine Eispartikel aufgewirbelt, was man sich eigentlich erhofft hatte (Lunar Prospector auf dem Mond eingeschlagen). Erst eine weitere Expedition, zum Beispiel mit einem Mondroboter, der in die Krater hinabsteigt, könnte Sicherheit bringen.

Partikel aus dem Mondsand, die von Apollo 17 zur Erde gebracht wurden

Das Vorhandensein von Wasser auf dem Mond wäre für künftige Ausflüge zu anderen Planeten von großer Bedeutung, denn es würde nicht nur das Betreiben einer Mondstation erleichtern, sondern lässt sich auch in die beiden Komponenten Wasserstoff und Sauerstoff spalten - die Grundlage für Raketentreibstoff. Hinter der Idee, Weltraummissionen vom Mond aus zu starten, steckt die Erdanziehungskraft, deren Überwindung auf der Erde die Rakete weitaus mehr Treibstoff kostet, als vom Mond, was für mehrere Monate dauernde Missionen wie zum Beispiel zum Mars von großer Bedeutung ist. Daneben werden aber unter Wissenschaftlern auch noch andere interessante Ansätze diskutiert, warum die Rückkehr auf den Mond interessant sein könnte. So ließe sich dort ohne störende atmosphärische Interferenzen der Weltraum beobachten oder mit Radioteleskopen abhören. Große Solarpanels auf der Mondoberfläche könnten zudem das Sonnenlicht einfangen, als Mikrowellen zur Erde senden und so bereits in zehn Jahren vor allem Entwicklungsländer mit Strom versorgen.

Am 30. 2002 entstand das bislang schärfste Bild von der Mondoberfläche von der Erde aus. Aufgenommen wurde das Gebiet in der Nähe des Vulkans Taruntius mit dem Very Large Telescope der ESO

Für Kritiker wie Marcus Allen, dem Herausgeber des britischen Magazins Nexus, sind solche Ideen jedoch Spinnerei. Er bezweifelt, dass überhaupt jemals ein Mensch den Mond betreten hat und unterstellt der NASA, die Mondlandung im Studio effektvoll aber stümperhaft nachgestellt zu haben. Fotografien überzeugen ihn nicht. "Zum Mond zu kommen ist nicht wirklich ein Problem, das haben die Russen schon 1959 gezeigt", meint Allen. "Problematisch aber wird es, wenn man Menschen dorthin bringen will".

Die Zweifler klammern sich dabei noch immer an den Mythos, dass die Astronauten ungeschützt und tagelang der kosmischen Strahlung ausgesetzt waren, was sie nicht hätten überleben können (Nun fliegen die Fäuste). Die NASA will diesem Spiel jetzt ein Ende machen (Schaut die Steine an: Wir waren auf dem Mond!). Möglicherweise noch im Dezember soll das vom European Southern Observatory betriebene Very Large Telescope (VLT), das größte Teleskop der Welt, von den chilenischen Anden aus versuchen, eines oder mehrere Landungsmodule der Apollo-Missionen zu erspähen und zu fotografieren.

Für China sind solche Zweifel längst ausgeräumt. Während sich die NASA voll und ganz auf ihre künftigen Mars-Missionen konzentriert, will China noch vor dem Jahr 2005 den ersten bemannten Raumflug starten, ab 2010 auf die wirtschaftliche und technologische Erforschung und Nutzung des Weltraums konzentrieren und eine Mondstation errichten (Reich der Mitte will Taikonauten zum Mond schicken). Für die Menschen im 21. Jahrhundert würden Weltraumanwendungen ebenso lebenswichtig werden, wie Strom und Öl im 19. Jahrhundert waren, so der Weltraumwissenschaftler Liang Sili.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13789/1.html
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