Keine Kriegsbegeisterung in den USA

Florian Rötzer 17.12.2002

Die Mehrheit der Amerikaner ist nicht für einen Alleingang der USA, glaubt aber, dass ein Krieg unvermeidlich sei

Nach einer zwischen dem 12. und dem 15. Dezember im Auftrag der Los Angeles Times ausgeführten Umfrage in den USA kann Präsident Bush zumindest davon ausgehen, dass er die amerikanischen Bürger weitgehend in seiner Haltung gegenüber dem Irak hinter sich hat. Allerdings hat die Bush-Regierung offenbar nicht nur ein "Kommunikationsproblem" mit dem Ausland, sondern auch mit den eigenen Bürgern, die weder sonderlich kriegsbegeistert zu sein scheinen, noch glauben, dass die Regierung eine klare Politik bei der Bekämpfung des Terrorismus verfolgt.

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Gleichwohl sind 90 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Irak noch immer Massenvernichtungswaffen entwickelt. Noch mehr glauben, dass das Waffendossier, das der Irak der UN übergeben hat, nicht der Wahrheit entspricht, und dass die UN-Inspektoren nichts finden werden. Obwohl mehr als die Hälfte überzeugt sind, dass ein Krieg mit dem Irak unvermeidlich sein wird, sollte dieser für zwei Drittel aber erst bei einem Bündel schwerer Verletzungen gestartet werden und nicht schon bei einzelnen Verletzungen, wie die US-Regierung dis will. Überdies sagen fast 70 Prozent, dass die USA nur dann einen Krieg beginnen sollen, wenn die Vereinten Nationen dies unterstützen. Die UN werden auch allgemein positiv beurteilt. Für Alleingänge scheint man also nicht zu sein, obwohl sich die Mehrheit allgemein für die explizit gemacht Strategie ausspricht, im Bedrohungsfall auch "präemptiv" Erstschläge auszuführen. 51 Prozent gehen davon aus, dass die Berater des Präsidenten diesem keine "ausbalancierte Einschätzung" bieten, sondern einseitig für ein militärisches Vorgehen optieren.

Die Skepsis gegenüber einem Krieg scheint allgemein zuzunehmen, auch wenn die Mehrheit noch immer die Außenpolitik von Präsident Bush für richtig hält (59%) und 73 Prozent der Meinung sind, dass Bush mit dem Terrorismus richtig umgeht. Das scheint jedoch nur ganz allgemein der Fall zu sein, denn nur ein Drittel glaubt, dass die Regierung einen klaren Kurs bei der Bekämpfung des Terrorismus fährt, während die Hälfte meint, sie reagiere nur auf Ereignisse.

Auch wenn die Amerikaner mehrheitlich davon überzeugt sind, dass Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt, und immerhin knapp die Hälfte der Meinung ist, dass die US-Regierung einen Krieg gegen den Irak erwägt, weil er eine Bedrohung darstellt, und nicht, weil man damit eigennützige politische Motive oder Ölinteressen verfolgt, finden die meisten Amerikaner (72%), dass Bush bislang nicht genügend Beweise vorgelegt habe, die einen Krieg auch wirklich rechtfertigen, wenn die UN-Inspektoren nichts finden sollten. Auch permanent wiederholte Behauptungen und Propaganda alleine überzeugen die Menschen offenbar doch nicht.

Nimmt man noch hinzu, dass insgesamt die Unterstützung für den Einsatz von Bodentruppen im Irak zurückgeht und die meisten Menschen der Meinung sind, dass ein Krieg gegen den Irak zu einer größeren Bedrohung der Amerikaner durch Terroranschläge führt, die Wirtschaft geschwächt wird und die Situation im Mittleren Osten destabilisiert, scheint die Unterstützung der weitgehend auf den Krieg gegen den Terrorismus setzenden Politik der Bush-Regierung nur noch auf wackeligen Füßen zu stehen. Auch diejenigen, die gegen den Krieg demonstrieren, werden überwiegend noch als loyale Amerikaner betrachtet. All das könnte sich allerdings schnell wieder ändern, wenn Bush tatsächlich in den Krieg zieht.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13807/1.html
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