Wolken auf Titan

Wissenschaftler entdecken auf dem Saturnmond Anzeichen für außerirdische Sommergewitter

Wenn die europäische Sonde Huygens> bei ihrer Landung auf dem Saturnmond Titan in einen Regenschauer geraten sollte, wäre das für die beteiligten Wissenschaftler ein Grund zur Freude. Sie hätten dann erstmals Regen außerhalb der Erde gefunden. Die Chancen dafür sind gestiegen: Mit bodengestützten Beobachtungen haben Astronomen jetzt immerhin schon mal die Existenz von Wolken in der Titan-Atmosphäre nachgewiesen.

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Aufnahme mit dem Keck-Teleskop vom Titan. Bild

Anders als auf der Erde bestehen diese Wolken allerdings nicht aus kondensiertem Wasser. Dazu ist es mit etwa minus 183 Grad Celsius viel zu kalt. Was die Forscherteams mit dem 10-Meter-Teleskop Keck II und dem 8-Meter-Teleskop Gemini North auf Hawaii beobachtet haben, sind Methanwolken, die sich in Höhen von etwa 15 Kilometern über dem Südpol bilden. Vom 3. Dezember 2001 bis 4. März 2002 machten die Wissenschaftler in insgesamt fünf Nächten Aufnahmen vom Titan. Dabei zeigten sich veränderliche Muster, von denen einige eindeutig als Wolken identifiziert werden konnten.

"Wir können sehen, wie sich die Intensität der Wolken innerhalb weniger Stunden ändert", sagt Henry Roe von der University of California in Berkeley, dessen Team die Beobachtungen mit dem Gemini-Teleskop durchgeführt hat. "Die Wolken sind in ständiger Veränderung, obwohl einige von ihnen bis zu mehreren Tagen bestehen bleiben."

Die Konzentration der Wolken am Südpol erklären die Wissenschaftler damit, dass dort gegenwärtig Sommer ist. Seit sechs Jahren wird Titans Südhalbkugel kontinuierlich von der Sonne beschienen, was die atmosphärische Zirkulation offenbar fördert. "Diese Wolken scheinen unseren Sommergewittern auf der Erde zu ähneln, allerdings aus Methan statt aus Wasser", sagt Antonin Bouchez vom California Institue of Technology. Sein Team hat mit dem Keck-Teleskop gearbeitet.

Aufnahme vom Südpol des Titan mit Wolkenformationen. Bild

"Es ist das erste Mal, dass wir im Sonnensystem eine so deutliche Analogie zum irdischen Wasserzyklus gefunden haben."

Die beiden Teams, deren Forschungsergebnisse in den aktuellen Ausgaben von Nature und dem Astrophysical Journal erschienen sind, konnten mithilfe so genannter "adaptiver Optik" die bislang klarsten Bilder vom Titan aufnehmen. Bei dieser Technik werden die Turbulenzen in der Erdatmosphäre, die zu Bildverzerrungen führen, durch entsprechende Verformungen der Teleskopspiegel ausgeglichen.

Es wird angenommen, dass die Atmosphäre des Titan in ihrer Zusammensetzung der frühen Erdatmosphäre ähnelt. Von einer genaueren Untersuchung vor Ort durch die Huygens-Sonde erhoffen sich Wissenschaftler daher neue Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens auf der Erde. Die Chancen, dort lebende Organismen zu finden, werden dagegen angesichts der extrem niedrigen Temperaturen als gering eingestuft.

Allerdings werden viele Forscher in den letzten Jahren zunehmend vorsichtiger mit solchen Vorhersagen. Nachdem zum Beispiel Simulationsexperimente an der niederländischen Universität Leiden gezeigt haben, dass selbst im interstellaren Raum bei Temperaturen knapp über dem absoluten Nullpunkt komplexe organisch-chemische Prozesse möglich sind, erscheint auch die Möglichkeit von Leben auf Titan nicht mehr ganz so abwegig. Immerhin ist der Himmelskörper selbst durch die Entdeckung der Wolken jetzt schon etwas lebendiger geworden.

http://www.heise.de/tp/artikel/13/13839/1.html
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