Reiseziel Bagdad

05.01.2003

Ganz unterschiedliche Antikriegsinitiativen sind derzeit im Irak anzutreffen

"No War - No Sanctions" lauteten die zentralen Parolen auf den Transparenten. Solche Slogans gegen den drohenden US-Angriff auf den Irak sind in diesen Tagen in vielen Teilen der Welt zu hören. Trotzdem war die Antikriegsdemonstration am 2. Januar eine Premiere. Sie fand nämlich vor dem UN-Hauptquartier in Bagdad statt. Die ca. 200 Teilnehmer setzten sich aus Teilnehmern von zwei Solidaritätsdelegationen zusammen, die um die Jahreswende in den Irak gefahren waren, um auf diese Weise ihren Widerstand gegen den scheinbar unabwendbaren Krieg zu dokumentieren.

Die internationale Zusammensetzung wurde beim Skandieren der Parolen deutlich. Auf spanisch, italienisch, englisch, japanisch, deutsch, französisch und türkisch wurde die Kritik am Krieg und am Embargo zum Ausdruck gebracht. Die Vereinten Nationen wurden aufgefordert, "in keiner Weise legale und politische Unterstützung für den von Großbritannien und den USA vorbereiteten Krieg" zu leisten. Der beabsichtigte Angriff diene einzig der "Besetzung des Irak" und widerspreche dem Völkerrecht, hieß es in einer Erklärung. Außerdem wurden die Vereinten Nationen aufgefordert, die Sanktionen umgehend zu beenden, die einen "unerklärten Vernichtungskrieg gegen den Irak" darstellten.

Initiiert wurde diese unter großer Anteilnahme der Medien durchgeführte Aktion von zwei antiimperialistisch ausgerichteten Irak-Delegationen. Doch der politische Hintergrund der Irak-Reisenden in Sachen Frieden ist in diesen Tagen sehr unterschiedlich.

Ebenfalls um die Jahreswende befand sich auch eine vom Nationalrat der US-Kirchen organisierte Delegation mit 13 Teilnehmern in Bagdad. Ihr Ziel war die Änderung der öffentlichen Meinung in den USA. "Wir wollen die Stimmen der Iraker aus den Krankenhäusern, aus den Schulen, von den Märkten und Straßen und nicht zuletzt auch von den Kirchenvertretern, mit denen wir gesprochen haben, in die USA zurücktragen", erklärte Delegationsteilnehmer Victor Makari in einem Interview.

In der nächsten Zeit werden weitere Delegationen im Irak erwartet. Schon am 5. Januar startet eine von der Gesellschaft Kultur des Friedens organisierte Gruppe. Daran nimmt auch der bekannte Liedermacher Konstantin Wecker teil. Er unterstütze mit seiner Anti-Kriegsaktion die Menschen, aber nicht das Regime von Saddam Hussein, erklärte der Künstler in einem Interview. Wecker wird auch Anfang Februar wieder an Protesten gegen die Nato-Sicherheitskonferenz in München teilnehmen.

Weitere Delegationen aus Europa und den USA sollen in den nächsten Wochen unter dem Motto "Stoppt den Krieg, bevor er beginnt" starten. Mehrere Antikriegsinitiativen, wie die US-amerikanische Gruppe Voices of the Wilderness, haben schon angekündigt, auch nach Beginn eines US-Angriffes den Irak nicht zu verlassen. Die Pazifisten wollen auch dann über die Zustände vor Ort berichten und sich nicht auf die CNN-Bilder verlassen. Dort waren während des letzten Irakkriegs 1991 lediglich Lichtblitze über irakischen Städten, aber weder tote oder verwundete Menschen noch zerstörte Häuser zu sehen.

Peter Nowak, Amman

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