Internetliga für virtuellen Fußball

RoboCup-Teams wollen ihre Software häufiger testen, aber die Internetliga ist auch für alle offen, die eine spielfähige Mannschaft programmiert haben

Beim RoboCup, dem Fußballwettbewerb für Roboter, sind die Spiele der Simulationsliga in der Regel am komplexesten und abwechslungsreichsten. Hierbei agieren autonome Softwareagenten auf einem vom "Soccerserver" simulierten Spielfeld. Da sie die bei realen Robotern anfallenden, schwierigen Probleme mit Sensorik oder Motorik ignorieren können, können sich die Programmierer sehr viel stärker auf Fragen der Taktik und des Zusammenspiels konzentrieren.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Leider gab es für interessierte Zuschauer bislang wenig Gelegenheiten, sich die Spiele anzusehen: Turnieren finden relativ selten und häufig an entlegenen Orten statt, im Internet abgespeicherte Spiele sind recht verstreut und daher schwer zu finden. Doch jetzt gibt es die Simulated Soccer Internet League.

Eingerichtet wurde die Internetliga aus dem Bedürfnis heraus, den Teams häufiger die Möglichkeit zum Test ihrer Software zu bieten. Genutzt wird sie gegenwärtig von fünf Teams, ist aber offen für jeden, der sich in der Lage sieht, eine spielfähige Mannschaft von Softwareagenten zu programmieren.

Fast täglich werden neue Spiele auf den Server gestellt. Und die verlaufen erstaunlich unterschiedlich. So hat man vielleicht gerade den Eindruck gewonnen, dass Helli Respina von der Allameh Helli High School in Teheran eine erdrückende Überlegenheit entwickelt hat und zu den absoluten Favoriten zu zählen scheint - da verabschieden sich im nächsten Spiel die Spieler auf einmal und lassen nur noch zwei einsame Kicker auf dem Platz zurück.

Ebenso überraschend ist es allerdings, dass der Gegner Dr. Web vom Antiviruslabor in St. Petersburg mit diesem Vorteil nichts anzufangen weiß. Die Situation, dass der Gegner das Spielfeld verlässt, ist in den Programmen der Spieleragenten einfach nicht vorgesehen. So irren sie orientierungslos und offenbar etwas verwirrt über den Platz, statt schnurstracks aufs leere Tor zu stürmen.

Ausgetragen werden die Spiele auf zwei Rechnern an der Universität Koblenz, wo sie zunächst nur sehr langsam ablaufen und etwa eine Stunde dauern. Danach werden sie ins Flash-Format konvertiert und können mit gängigen Browsern im Originaltempo betrachtet werden. "Das Flashprogramm hat ein Student geschrieben, der gar nicht mehr an der Uni ist", sagt Oliver Obst, der sich mit seinem Team RoboLog ebenfalls der Konkurrenz stellt. "Heute weiß keiner mehr, wie es läuft. Glücklicherweise funktioniert es problemlos."

RoboLog bildet übrigens im Moment das Schlusslicht der Tabelle. Zuletzt (am 21. Januar) mussten sich die Koblenzer Simulationskicker gegen Helli Respina mit 2:1 geschlagen geben. Aber das kann sich auch schnell wieder ändern. Auch der virtuelle Ball ist rund und entscheidend ist, was auf dem Server passiert.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14014/1.html
Kommentare lesen (1 Beiträge)
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS