Brainwashington von Innen

Krystian Woznicki 23.01.2003

Aufklärung über die US-Propaganda und den Infowar

Zwei neue Bücher liegen derzeit vor von Nancy Snow: "Propaganda War" und "Information War" (beide Seven Stories Press). Zwei Titel, die in einer Zeit auf den Markt kommen, die es einerseits vollkommen notwendig erscheinen lässt, sich mit medialer Manipulation zu beschäftigen, in der es andererseits jedoch auch schwierig ist, sich der Fülle der Informationen und Meinungen zum besagten Thema zu erwehren und einen kühlen Kopf zu behalten. Geschweige denn einen Kopf, der genügend freien Raum für seminale Beiträge bietet. Kommt man sich als Zivilbürger der westlichen Welt manchmal nicht vor wie ein irakischer Funktionär, der Tausende von E-Mails erhält mit der Aufforderung aufzugeben sich zu widersetzen und überzulaufen?

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Man sollte Nancy Snow in diesem Klima lesen. Die Gründe dafür sind einfach: Sie hat recht früh begonnen, sich mit dem Themenkomplex von Demokratie und semiotischer Kriegsführung zu beschäftigen, und sie tut das - derzeit als Assistant Professor am College of Communications an der California State University (Fullerton) und als Adjunct Assistant Professor an der Annenberg School for Communication, University of Southern California - aus einer Innenperspektive heraus.

Die letzten 15 Jahre bekleidete sie die unterschiedlichsten Posten in der US-amerikanischen Propagandamaschine, die sie damit aus den unterschiedlichsten Perspektiven begutachten und studieren konnte: Als regierungssubventionierte Austauschstudentin, public diplomacy author, Administrator für internationalen Austausch, public interest lobbyist, Regierungsfunktionär, Medienkommentatorin, um die wichtigsten ihrer Berufe der letzten Jahre aufzuzählen. Die Institutionen, die sie von innen zu sehen bekam, sind dementsprechend ebenso unterschiedlich wie zahlreich: Sie war in der berühmt-berüchtigten United States Information Agency (USIA) genauso zu Hause wie im Office of Global Affairs des Außenministeriums.

Wenn Snow heute über diese Institutionen und ihre Arbeit reflektiert, dann tut sie das auf einer akademischen Grundlage, die keineswegs die nötige medienaktivistische Verve missen lässt - nicht umsonst steht sie Media Channel zur Seite.

Während "Propaganda, Inc.: Selling America's Culture to the World" jetzt in der zweiten Überarbeitung erhältlich ist und 1998 - als es zuerst erschien - immerhin zwei Jahre vor Naomi Klein den Blick auf die Entgrenzung von Marketing und politischer Dialogführung lenkte, setzt "Information War: American Propaganda, Opinion Control and Free Speech Since 9/11" dort an, wo die Entwicklungen seit den Anschlägen vom 11.September ihren Lauf genommen haben.

Snow beschreibt sorgsam das "media and mind manipulation environment" ihrer Heimat, in dem Figuren wie Rumsfeld und Charlotte Beers einen primären Platz einnehmen. Sie analysiert ferner die Geschichte und das Verblassen des Office of Strategic Influence (OSI) (Aus für die Propaganda-Abteilung des Pentagon), das dieser Tage gemorpht ist in das neutraler klingende Office of Global Communications (Präsident Bush hat jetzt seine eigene Propaganda-Abteilung). Darüber hinaus widmet Snow sich einmal mehr der Sprache des Neuen Krieges, die von der Bush-Adminisatration verwendet wird, und zeichnet den Kreis des ständigen und fortwährenden Neubenennens der Dinge nach: angefangen bei Bushs lingusitischem Ausrutscher, der Krieg gegen den Terrorismus sei ein Kreuzzug gegen die islamistische Taliban über die Gut-vs.-Böse-Rhetorik bis hin zu terminologischen Mystifizierungen. So erklärt sie beispielsweise wie aus der Operation Infinite Justice die Operation Enduring Freedom werden konnte.

Wer die beiden Bücher von Snow als "Fortsetzungsroman" liest, wird nicht zuletzt auch daran erinnert, dass der 11.September in Sachen Propaganda längst nicht so eine Zäsur darstellt, wie sie so oft von den Regierungsangehörigen und den Medien beschworen wird. Schließlich ist jemand wie Charlotte Beers bereits vor den Ereignissen nominiert worden und betreibt - ganz nebenbei gesagt - eine Firma wie die Rendon Group auch nicht erst seit vorgestern ihr dubioses Geschäft.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14018/1.html
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