Erster Fall von e-Thrombose

28.01.2003

Ausgiebiges Sitzen vor dem Computer könnte ebenfalls zum sogenannten Touristenklasse-Syndrom oder zu einer tiefen Venenthrombose führen

Lange Reisen im Flugzeug können mitunter gefährlich werden. Bekannt ist das sogenannte Touristenklasse-Syndrom, die Flug- oder Fernreisethrombose oder die Deep Vein Thrombosis (DVT). Wer lange unbeweglich in Flugzeugen, Autos oder Bussen sitzt, riskiert wegen der Unbeweglichkeit und dem eingeschränkten Blutfluss durch abgewinkelte Beine beim Sitzen eine Thrombose, die tödlich enden kann. Auch Computerbenutzer können davon betroffen sein.

Würde dieses Risiko des homo sedens nur die Flugreisenden betreffen, so wäre tatsächlich der Ausdruck "jet leg" dafür geeignet. Zuerst bemerkt wurde die DVT im Zweiten Weltkrieg, nämlich bei Menschen, die lange in engen Luftschutzbunkern ausharren mussten. Doch das Thromboserisiko kann jeden Sitzenden treffen, wenn er nur lange genug ausharrt. So ist das beispielsweise auch einem jungen Mann aus Neuseeland geschehen, wie Richard Beasley vom Medical Research Institute of New Zealand in der Zeitschrift The European Respiratory Journal berichtet. Dieser hatte die Angewohnheit, bis zu 18 Stunden täglich vor seinem Computer zu sitzen. Bei ihm entstand eine tiefen Venenthrombose, die ihm offenbar beinahe das Leben kostete.

Jetzt kann der junge Neuseeländer immerhin für sich verbuchen, dass er der erste beschriebene Fall einer Computer-DVT oder e-Thrombose ist und daher als unfreiwilliger Pionier in die medizinische Forschung eingeht. Beasley warnt jedenfalls, dass die weite Verbreitung von Computern viele Menschen gefährden könne. Das Risiko sei auch erst seit kurzem bei Fernflügen an einzelnen Fällen bekannt geworden. Wer über lange Zeit am Computer bei der Arbeit, beim Spielen oder zum Surfen sitzt, sollte also, um das Risiko zu senken, regelmäßig Pausen einlegen, Fußgymnastik machen, ausreichend Nicht-Alkoholisches trinken, zu mobile computing wechseln oder sich zur Abwechselung auf einen VR-Hometrainer setzen, mit dem man das Starren auf den Computer mit Bewegung verbinden kann.

Immerhin hat die britische Firma QinetiQ, die aus der DERA, der Defence Research and Development Agency, dem britischen Pendant zur ARPA, entstanden ist, bereits "intelligente Sitze" für Flugzeuge entwickelt, um DVT zu verhindern. Mit Drucksensoren auf der Sitzfläche und der Lehne können die Bewegungen des Passagiers erfasst werden. Wenn er zu lange unbeweglich sitzt, können andere Passagiere oder die Crew durch ein Signal darauf aufmerksam gemacht werden, wenn der Betroffene die Warnung auf dem Bildschirm vor sich nicht wahrnimmt oder nicht darauf reagiert. Vielleicht müsste man ja die Stühle für die Computerbenutzer ähnlich intelligent machen. Eigentlich bräuchte ja nur der Bildschirm für zehn Minuten schwarz werden, um ein wenig Bewegung entstehen zu lassen - und sei es auch nur als Folge des computer rage..

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