Mehr Krieg für alle!

Ernst Corinth 14.02.2003

Erst Blut, dann Öl!

Wenn es so weitergeht, wenn also weiter ständig so zäh debattiert und so endlos gestritten wird, statt endlich kraft- und machtvoll zu handeln, interessiert sich bald keiner mehr für den Krieg. Den wackeren US-Soldaten und ­Soldatinnen, die vor den Toren des Tyrannen von Bagdad liegen, schlafen dann irgendwann bestimmt vor Langeweile im brennend heißen Wüstensand die Füße ein. Sogar der bekannte amerikanische Stand-up-Comedian Donald Rumsfeld hält lieber den Mund, weil ihm erstens keiner mehr zuhört und er zweitens seine Gags selbst nicht mehr ertragen kann. Und uns fallen abends sofort schnarchend die Augen zu, wenn in der ARD mal wieder ein "Brennpunkt: Irak" läuft.

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Das wäre eine Schande, allein schon wegen der aufregenden TV-Kriegsberichterstattung, die uns durch die Lappen gehen würde. Dann gibt es nämlich keine munteren Feuerwerksbilder aus Bagdad oder spannenden Videos von zielgenau einschlagenden Raketen, die durch ihre Präzision ja dem Araber die Überlegenheit unserer westlichen Technologie nachhaltig demonstrieren, sondern es droht das mediale Nichts, also Undinge wie "Der Bulle von Tölz", "Kommissar Rex" oder "Verstehen Sie Spaß?". Sendungen, bei denen einen eben nicht nur Spaß vergeht. Und auch CNN wird eines Tages die Reporter aus Bagdad abziehen, weil sie ja schon heute nichts Aufregendes zu berichten haben.

Schuld an dieser drohenden Krise der Aufmerksamkeit und der TV-Unterhaltung sind natürlich die Pazifisten. Leute also, die mit Kerzen in der Hand abends auf unseren Straßen für den Frieden beten und dabei unseren abendlichen Einkaufsfrieden stören. Schuld hat wie immer auch ein gewisser Herr Wecker, der jetzt sogar unsere Soldaten in den Awacs-Flugzeugen zur Desertion aufgerufen hat. Und Schuld hat George W. Bush, der zögerlichste und legasthenischste US-Präsident der letzten 100 Jahre.

Bei soviel Schuld und so viel Schuldigen können wir alle nur froh sein, dass auch in unserem Land noch Leute leben, die nicht nur das pazifistische Gerede und Geschrammel nicht mehr hören können, sondern die aktiv werden für den Krieg! Bereits während der Sicherheitskonferenz in München haben sie die Teilnehmer aus aller Welt energisch zum finalen Handeln aufgefordert - mit Parolen wie: "Atomarer Erstschlag für unser Zweitauto", "Rettet unser Öl", "Nehmt den Armen die Beine", "Blut für ÖL - wir sagen ja!" oder "Für die Besetzung und Neuverteilung aller Schurkenstaaten!"

Und nun rufen sie auf www.verantwortung-jetzt.de/ auf zu einer Demonstration heute, am 14. Februar, in Berlin unter dem Motto "Nachhaltiger Friede Jetzt! - Mehr Krieg für alle". Zu den Initiatoren gehört die Gruppe "Mehr Krieg für alle!", die auf ihrer Website endlich ausspricht, was wir alle kaum zu denken wagen.

Wir fordern, heißt es dort:

- die massive Aufrüstung aller Truppen der zivilisierten Welt!
- den sofortigen Einmarsch im Irak, Iran, Syrien, Nordkorea, Venezuela und auch in anderen Ländern!
- eine Welt der ewigen Sicherheit!
...
Denn eines ist sicher - Krieg ist Frieden!

Und eines ist genauso sicher: Die Kriegsaktivisten setzten mit ihrer Aktion ein leuchtendes Zeichen, das bestimmt in den USA verstanden und das diesen unsinnigen Streit zwischen unseren Völkern endlich ein Ende bereiten wird. Kurzum: Erst Blut, dann Öl! Und anschließend noch schnell einen Chicken Whopper. Krieg macht nämlich auch Appetit.

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14178/1.html
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