Spam? Na, wenn es Geld bringt...

Bernard Palmers Idee, den Spam von Gut zu Böse zu wandeln

Spam ist seit langem bereits ein Übel, mit dem wohl jeder, der sich per Email äußert, zu kämpfen hat. Während sich die einen freimütig dazu bekennen, Spam zu hassen, versuchen die anderen, durch Möglichkeiten wie Spam-Assassin der Mailflut Herr zu werden.

Während einige der Spam-Mails samt ihrer Geschichten uns noch zum Schmunzeln bringen, ist doch die Mehrheit der Mails schlichtweg lästig, von den Kosten, die für sie aufgewandt werden, ganz zu schweigen.

Bernard Palmer, Unternehmer aus Sydney, versucht nun, den Spieß umzudrehen. "Spam - ja bitte", könnte also bald das Motto lauten, wenn man sich bei Palmers seit heute angebotenem Dienst CashRamSpam anmeldet. Palmer hatte bereits mit seiner My Body, my business-Kampagne auf sich aufmerksam gemacht, indem er darauf hinwies, dass Drogenmissbrauch zu der ureigensten Entscheidung über den eigenen Körper gehört und daher nichts Verwerfliches, geschweige denn Strafbares ist. Für seine neue Idee hat er ein einfaches Konzept entwickelt:

All email sent to you at your CashRamSpam account includes the amount of money you specify that you require for receiving and opening email sent to you. On your email account settings you decide what receiving rates you want. We automatically set your flag at AU50 cents(approx.US25cents) but you can change to what you want from 5cents upwards.

Wer also einen Account bei CashRamSpam eröffnet und die dafür erforderlichen 36 USD zahlt, der kann sich, so Palmer, sicher sein, dass nur die Emails derer ankommen, die auch bereit sind, dafür zu zahlen, dass ihre Mail den Adressaten erreicht. Und gerade bekannte Spammer würden sich das dann natürlich überlegen.

Palmer ist von seiner Idee überzeugt, auch wenn diese unter anderem von Brad Templeton von EFF kritisiert wird. Templeton hat zwei Gründe für seine Kritik.

1. Technische Gründe:
CashRamSpam bietet keine Möglichkeit, z.B. Freunde von der Zahlungspflicht auszunehmen, so dass also auch die Email der Ehefrau oder des Arbeitgebers, wenn sie an den CashRamSpam-Account geht, an den Absender zurückgeht, um diesen darauf hinzuweisen, dass er doch bitte für seine Information zahlen soll. Auch sind Mailinglisten nicht ausgenommen von der Zahlungspflicht.(Und wer in sogenannten "High-Traffic-Mailinglisten" ist, der kann sich vorstellen, zu welchen Schwierigkeiten dies führen kann.)

2. Prinzipielle Gründe in Bezug auf die Informationsfreiheit:
"Austausch von Informationen sollte nicht unter Zahlungspflicht gestellt werden", so Templeton. "Es ist sicherlich Dein gutes Recht, von jemandem Geld im Austausch für Deine Aufmerksamkeit zu verlangen, aber eine gute Idee ist es nicht."

Der zweite Kritikpunkt ist mehr genereller Natur. Wenn wir von jedem, der uns Mails sendet, Geld verlangen, dann sind beispielsweise private Initiativen in Zugzwang. Wollen Sie Menschen erreichen und würden diese einen CashRamSpam-Account besitzen, so wäre die einzige Möglichkeit, weiterhin die Informationen "an den Mann zu bringen", für diese auch zu zahlen - ob sie dann aber von den betreffenden Adressaten auch gelesen werden, steht weiterhin nicht fest. Zwar ist das System von CashRamSpam so definiert, dass der Absender, wenn die Mail nicht gelesen wird, sein Geld zurückbekommt - jedoch werden schon einmal 10% für die erfolgte Zusendung abgezogen. Ein Betrag, der sich schnell summiert. Dies würde so manche Initiative de facto lahmlegen, denn gerade die kleinen Initiativen ohne finanziellen Rückhalt sind oft darauf angewiesen, durch Kontaktaufnahme Förderer zu gewinnen, nicht jedoch schon vorab hohe Summen zu investieren.

Palmer sieht diese Kritik jedoch pragmatisch: "Immerhin schiebt dieses System Spam einen Riegel vor - für das eingezahlte Geld erhält man einen hohen Nutzen: kein Spam mehr. Welches andere System kann dies schon garantieren?"

Fürs Erste hat Palmer einen Anreiz für die Eröffnung des Accounts geboten: Wer CashRamSpam-Kunde wird, erhält von Palmer dessen Anti Drug-Petition, was bedeutet, dass zumindest Palmer willig ist, seinen Kunden Geld zu zahlen. Ob jedoch die von ihm erhofften Werbefirmen auch bereit sind, für ihre "Special Offer"-Mails Geld zu zahlen, bleibt fraglich. Ein interessantes Grundkonzept ist es sicherlich, eine wirkliche Lösung jedoch kaum.

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