Der Houdini des 21. Jahrhunderts
Ein Abenteurer, der die gefährlichen Orte der Welt bereist und sich mit Warlords und Guerillaführer trifft
Er gilt als Houdini des 21. Jahrhunderts, denn er ist noch aus jeder Gefahrenlage herausgekommen. Er trifft sich mit den vermeintlich gefährlichsten Menschen dieser Erde, um mit ihnen, wie er sagt, "abzuhängen". Er will sie kennen lernen, die Guerilla-Führer und Warlords zwischen Indonesien und Kolumbien. Und wenn er Gespräche mit ihnen führt, dann kommen dabei intime Interviews und Artikel heraus, die Titel tragen wie The Legend of Heavy D & the Boys. Kurz, der Mann, der mit bürgerlichen Namen Robert Young Pelton heißt und eine eigene Sendung auf dem Discovery Channel hat, ist eine lebende Legende. Seine Mission beschreibt eine ganz dünne Linie zwischen Adrenalinsucht und Aufklärung. Und wer, wenn nicht Grenzgänger wie Pelton, sorgen dafür, dass die Weltöffentlichkeit alternative, vielleicht sogar auch um ein vielfaches authentischere Informationen über das Denken und den Zustand in Regionen bekommt, die gemeinhin als Tabuzonen markiert sind?
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| Pelton in Afganistan |
Das Black Flag Cafe ist ein Ort im Internet, an dem die neuesten Informationen über unwegsames Gelände und politisch instabile Zonen, sowie Tipps über den Zutritt zu einem Krisengebiet ausgetauscht werden. Ein globales Netzwerk hat hier Gestalt angenommen, das längst zu einer stattlichen Subkultur herangereift ist - mit allem, was dazu gehört: T-Shirts, die, wie Merchandise von Rock Bands, auf dem Rücken mit allen Eckdaten der persönlichen Krisenherd-Tournee bedruckt werden können, ein eigenes Logo, das einen lachenden Totenkopf mit Sonnenbrille und Baseballmütze zeigt, und passende Bücher. Ihre Galionsfigur ist der Gründer dieser Bewegung: Robert Young Pelton, der bereits im Alter von 10 Jahren die kanadische Survival School in Selkirk, Manitoba besuchte. Während Pelton sich daraufhin sprichwörtlich durchs Berufsleben schlug, unternahm er in seiner Freizeit Reisen in riskante Regionen, von denen mittlerweile über 60 auf seinem Konto stehen.
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Der Haudegen, dessen Autobiografie The Adventurist heißt, ist mittlerweile 47 Jahre alt und noch immer nicht müde. Auch nachdem er letztes Jahr schlagartig als Journalist weltberühmt wurde, weil er im Afghanistan-Krieg als erster Kontakt aufnahm mit dem US-amerikanischen Taliban-Kämpfer John Walker Lindh, hat er nichts von seinem Ehrgeiz verloren, Krisengebiete auf eigene Faust zu erkunden. Erst neulich machte Pelton wieder von sich reden, als sein Name in einer Email fiel, die der kolumbianische Warlord Carlos Castano Ende letzten Monats an die Nachrichtenagentur Reuters schickte. In der Nachricht erklärte der Chef der paramilitärischen AUC, dass er Pelton sowie zwei 22-jährige Rucksacktouristen, nicht aus erpresserischen Motiven, sondern um ihrer eigenen Sicherheit willen in seine Gewahrsam gebracht hatte.
Die drei, die unterwegs durch Zufall zusammengefunden hatten, waren in den so genannten Darien Gap im kolumbianischen Dschungel nahe der Grenze zu Panama vorgestoßen, dem einzigen Abschnitt auf dem Alaska und den südlichsten Zipfel Südamerikas verbindenden Pan American Highway, der unbefahrbar ist. Zwar avancierte diese immerhin mehr als 200 Kilometer lange Zone in den 1980er Jahren zum Mount Everest der Individualtouristen, doch sollte man ihn heute eigentlich nicht ohne den Schutz einer Privatarmee betreten. Von Castanos Leuten, der 10.000 Mann starken paramilitärischen AUC, und den linksradikalen FARC-Rebellen hart umkämpft, gilt er mittlerweile als lebensgefährlicher, weil rechtsfreier weapons-for-drugs corridor, in dem es nach Angaben Peltons während ihres Aufenthaltes zu großräumigen Ausschreitungen kam. Als das Trio nach knapp 10 Tagen Gefangenschaft freigelassen wurde, war die Erleichterung im Black Flag Cafe ausgesprochen groß: "If there's one thing that R.Y.P. is; he's a Survivor," schrieb feierlich ein Fan, der mit seiner Notiz den Beruf oder vielmehr: die Berufung Peltons auf den Punkt brachte.
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Nicht umsonst lautet sein Slogan "Come back alive!". Der Überlebenswille der Pelton-Jünger ist ihr gemeinsamer Nenner und das Leitmotiv seines bislang bekanntesten Buches The Worlds Most Dangerous Places, das mittlerweile in der vierten Überarbeitung erschienen ist. Alle gefährlichen Regionen dieser Erde werden darin detailliert aus der Innenperspektive vorgestellt. Der pragmatische Fokus: Reisevorbereitung, Reisedurchführung und Anleitungen zur Kunst, lebendig zurück zu kommen. Vergleichbar ist der historische Status dieses Führers mit den ersten Ausgaben von Lonely Planet, die vor dreißig Jahren einer recht überschaubaren Gruppe von abenteuerlustigen Backpackern das Tor in eine andere Welt öffneten und eine massenkulturelle Revolution des Individual-Tourismus nach sich zogen.
The Worlds Most Dangerous Places steht aber natürlich auch für eine unabhängige Form der Informationsbeschaffung in Regionen, die gemeinhin ein streng von Nachrichtendiensten kontrolliertes Bild in der Weltöffentlichkeit kultivieren. Es bleibt also abzuwarten, wie die touristischen Tendenzen die journalistischen Ambitionen beeinflussen werden. Trennen kann man sie zur Zeit jedenfalls nicht von einander.
http://www.heise.de/tp/artikel/14/14239/1.html- Interessante Website! (25.2.2003 17:25)
- Sehr Richtig (25.2.2003 15:27)
- Geschenke ! (25.2.2003 15:25)
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