Delta der Schnüffler

Michaela Simon 06.03.2003

Aufruf zum Boykott einer US-amerikanischen Fluggesellschaft

Bill Scannell, der auch den den Adobe Boykott losgetreten hat, nachdem das Software-Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem FBI dafür gesorgt hatte, dass der Hacker Dimitri Sklyarow wegen Verletzung des Digital Millennium Copyright Act verhaftet wurde (vglAdobe lässt sich erweichen), hat am Montag die Webseite boycottdelta.org ins Netz gestellt, welche zum Boykott der US-amerikanischen Fluggesellschaft Delta aufruft.

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Die Bundesflugbehörde FAA hatte bereits letztes Jahr den Fluggesellschaften erlaubt, von den Kunden eine Identifizierung über ein Foto zu erhalten und das Programm CAPPS (Computer Assisted Passenger Pre-screening System) einzurichten, mit dem aufgrund der gesammelten Kundendaten ein Profil erstellt und bewertet wird, um verdächtige Personen auszufiltern (vgl. Technischer Zauber zur Abwehr des Bösen). Mit diesem, jetzt zu CAPPS-II erweitertem Programm will die Fluggesellschaft Delta im Laufe dieses Monats erstmals einen Testlauf durchführen. CAPPS II speichert Daten wie das Reiseverhalten, Vorstrafen oder Kreditinformationen sowie biometrische Daten aller Passagiere (vgl. Bitte geben Sie Ihr Privatleben am Flugschalter ab). Die Daten bleiben 50 Jahre oder länger gespeichert. Damit will man es angeblich Passagieren ermöglichen, denen man vertrauen kann, schneller die Kontrollen zu passieren. Bei diesen würden biometrische Daten wie Fingerabdrücke oder Irismuster auf Ausweisen enthalten sein und an den Kontrollen überprüft werden, wenn sie sich durch eine Überprüfung als vertrauenswürdig erwiesen haben. Jeder Passagier bekommt ein so genanntes "threat level" - grün, orange oder rot - zugeteilt.

Beunruhigenderweise ist nicht klar, nach welchen Kriterien die verschiedenen Risikopotentiale zugeordnet werden. Privacy-Aktivisten befürchten, dass dieses System eine neue Klasse von unterprivilegierten Amerikanern hervorbringt, die nicht frei reisen können, weil sie aus welchen Gründen auch immer auf der Schwarzen Liste stehen. Zur der Terroristenfahndung sei CAPPS II noch dazu nicht zu gebrauchen, da es leicht zu überlisten sei.

CAPPS II behandelt alle Amerikaner, die in ein Flugzeug einsteigen wollen als wären sie fiese Schlägertypen. Ein völlig fehlgeleiteter Versuch, das Fliegen sicherer zu machen. Das ist lächerlich und schrecklich und es muss aufhören

http://www.heise.de/tp/artikel/14/14315/1.html
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