Internationale Raumstation erhält Notbesatzung
Ab Mai wird der Betrieb der ISS nur noch von einem Raumfahrerduo aufrechterhalten - Letztes Bord-Video der Columbia-Crew sorgt für Aufsehen
Die Columbia-Tragödie vor einem Monat hat nun auch konkrete Auswirkungen auf die Internationale Raumstation ISS: Die derzeitige Crew, die eigentlich im März mit einer US-Raumfähre zur Erde zurückkehren sollte, verlässt die ISS im Mai mit einer russischen Sojus-Kapsel. Die Raumstation wird dann von einer zweiköpfigen Notcrew in Betrieb gehalten und von Progress-Raumfrachtern versorgt. Zum Columbia-Unglück gibt es auch etwas Neues. Kürzlich veröffentlichte die NASA ein bordinternes Digital-Video, auf dem vier der sieben Columbia-Astronauten noch Minuten vor dem tragischen Absturz zu sehen sind. Aus den Bildern geht hervor, dass sie scheinbar bester Dinge und sich augenscheinlich keiner Gefahr bewusst gewesen waren.
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| ISS-Andockmanöver des Progress-Raumtransporters (Bildnachweis |
Träume sind Schäume. Gerade in der Raumfahrt. Nirgendwo anders zerplatzten in der Vergangenheit so viele Utopien, Wunschvorstellungen und ausgemalte hochfliegende Pläne wie Seifenblasen zu einem Nichts.
Seit über 30 Jahren Erdorbit nicht verlassen
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War da nicht einmal davon die Rede, riesige Raumstationen und Hotels im Orbit zu platzieren, eine ständig bemannte Basis auf dem Mond zu errichten oder bis zum Ende des letzten Jahrhunderts Menschen zum Roten Planeten zu entsenden, ja sogar in diesem Jahrhundert das Abenteuer einer bemannten interstellaren Raumfahrt in Angriff zu nehmen. Aber im Jahr 2001 hat weder eine bemannte interplanetare Odyssee durch das Sonnensystem, geschweige denn die für die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts angedachte "Mission to Mars" (vgl. Erste bemannte Mars-Mission bis 2010?) stattgefunden. Auch der Mann im Mond hat bislang keine menschliche Kolonie jemals zu Gesicht bekommen.
Im Gegenteil, seit über 30 Jahren hat kein Vertreter unseres Planeten mehr den Orbit verlassen. Seit dem Abschied des letzten Apollo-Astronauten vom Mond am 12. Dezember 1972 (vgl. Heute vor 30 Jahren verließ der letzte Mensch den Mond) sah kein Mensch mehr die majestätische lunare Pracht mit eigenen Augen. Seither wirbelte kein irdisches Lebewesen, keine Landefähre mehr den weißen samtenen Mondstaub, geschweige denn irgendeinen anderen extraterrestrischen Staub auf. Nein, heutzutage beschränkt sich die bemannte Raumfahrt auch weiterhin ganz auf den Orbit. Und dies wird auch in naher Zukunft wohl nicht anders sein.
Aus Trio wird Duett
Dass wir von einer bemannten interplanetaren oder interstellaren Raumfahrt scheinbar noch Lichtjahre entfernt sind, spiegelt die augenblickliche Krisensituation nur allzu deutlich wider. Die Nachwirkungen der Columbia-Katastrophe fordern ihren Tribut. Denn infolge des Umstandes, dass alle weiteren Shuttle-Flüge bis auf unbestimmte Zeit verschoben sind, muss die NASA eine bittere Konsequenz ziehen. Wie die US-Raumbehörde kürzlich bekannt gab, wird die ISS-Crew fortan nicht mehr aus einem Trio, sondern nur noch aus zwei Besatzungsmitgliedern bestehen. Wenn die Expedition Six Crew, die sich seit November 2002 an Bord der ISS aufhält, im Mai mit einer Sojus-Raumkapsel zur Erde zurückkehrt, übernehmen der Russe Juri Malentschenko und der US-Amerikaner Edward Tsang Lu im direkten Austausch das Zepter.
Eigentlich sollte der überfällige Mannschaftswechsel längst im Rahmen der geplanten "Atlantis"-Mission im März 2003 über die Bühne gegangen sein. Hätte aber die STS-107 Mission nicht so ein tragisches Ende genommen, stünde dem für den 26. April angesetzten nächsten Sojus-Taxi-Flug mit dem ESA-Astronauten Pedro Duque an Bord nichts mehr im Weg. Obgleich Duques Flug zwangsläufig nach hinten verschoben werden musste, steht inzwischen immerhin fest, dass er und sein ESA-Kollege André Kuipers, die ihr Trainingsprogramm wie geplant fortsetzen, auf jeden Fall noch zur ISS fliegen werden. Pedro Duque wird bereits im Oktober 2003 starten und an Bord der Raumstation eine Reihe "lebenswissenschaftlicher" und physikalischer Experimente durchführen. Da er als sachkundiger Astronaut am Columbus-Team der ESA beteiligt ist, wird die von ihm auf der ISS gewonnene praktische Erfahrung unmittelbar der Integration und Flugvorbereitung des europäischen Columbus-Labormoduls, dessen Start gegenwärtig im Jahr 2004 vorgesehen ist, zugute kommen.
Außerdem wird er an mehreren Bildungs- und Sensibilisierungsvorhaben teilnehmen, die darauf abzielen, die breite Öffentlichkeit und vor allem die Jugend mit den europäischen Programmen für bemannte Raumfahrt und Forschung im Weltraum stärker vertraut zu machen. Der aus den Niederlanden stammende ESA-Astronaut André Kuipers hingegen wird auf einem Sojus-Flug im Frühjahr 2004 sein Weltraumdebüt geben.
Übrigens besteht entgegen anders lautender Meldungen für die im All operierende Expedition Six Crew kein Versorgungsnotstand. Denn so lange die Shuttle-Flüge zur ISS auf Glatteis gelegt sind, erfolgt die Versorgung der ISS ersatzweise mit den zuverlässigen russischen Progress-Raumfrachtern. Auch ohne die Progress-Flüge wäre eine Versorgung der zur Zeit an Bord der Station befindlichen drei Raumfahrer bis Juni sicher gestellt, da auf der ISS ausreichende Vorräte (Proviant, Wasser, Treibstoff, usw.) vorhanden sind.
Columbia-Besatzung ahnte nichts vom Unglück
Unterdessen hat die fieberhafte Fehleranalyse zwar noch zu keinem endgültigem Resultat geführt. Immerhin erhielten die Ermittler aber dank eines vor wenigen Tagen in Texas aufgefundenen Bordvideos einen Einblick in die letzten Minuten vor dem tragischen Absturz.
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Auf dem am Freitag von der NASA veröffentlichten schwer beschädigten Band sind vier der sieben Besatzungsmitglieder zu sehen: Kommandant Rick Husband, Pilot Willie McCool, die Missionsspezialistin Kalpana Chawla und die Medizinerin Laurel Clark. Sie waren zu diesem Zeitpunkt auf dem Flugdeck; die drei anderen Astronauten hingegen auf dem Unterdeck. Während der Aufnahme wirken Husband und seine drei Kollegen relativ entspannt. Von Nervosität keine Spur. Kommandant Husband streift sich Handschuhe über und redet dabei über anfallende Aufgaben; seine Kollegen erledigen Routinearbeiten und plaudern mit der Bodenkontrolle. Pilot Willie McCool zeigt sich begeistert über das Spektakel der Plasma-Blitze, die auch auf dem Video am Fenster der Fähre zu sehen und die nach Angaben der NASA eine normale Erscheinung kurz vor Wiedereintritt in die Erdatmosphäre sind. "Das ist unglaublich, da draußen wird es richtig hell", so McCool. "Ja, man sollte jetzt definitiv nicht draußen sein", meint Kommandant Rick Husband. Als sich die Columbia noch westlich von San Francisco befand, bricht das Band ab (um 14.48 Uhr MEZ). Vier Minuten später entdeckten NASA-Ingenieure den Ausfall erster Messdaten aus der linken Tragfläche. Sieben Minuten danach brach der Kontakt zur Bodenkontrolle ab.
Nach Angaben der NASA gibt das Band allerdings keineswegs darüber Aufschluss, was die Unglücksursache gewesen war. Es zeigt nur, dass sich die Astronauten offensichtlich keiner Gefahr bewusst waren. Vor der Ausstrahlung wurde es den Angehörigen der Astronauten gezeigt, die ihre Zustimmung für die Veröffentlichung gaben.
http://www.heise.de/tp/artikel/14/14320/1.html- re: (9.3.2003 23:18)
- Du hast mir mein schönes Beispiel gestohlen! (8.3.2003 21:21)
- Dann hätten wir ja noch Hoffnung! (8.3.2003 21:20)
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